Da federt doch was aus Letmathe mit

Betriebsleiter Michael Babbel inmitten schwerer Stahlcoils
Betriebsleiter Michael Babbel inmitten schwerer Stahlcoils
Foto: Helmut Rauer
Aus der Reihe „Was machen die da eigentlich?: Die Firma Boecker Wender Stahl hat sich auf Stahl für Federn spezialisiert.

Letmathe..  Wetten, dass Sie beim Geldabheben immer ein Metallteil aus Letmathe in der Hand haben! Die Chancen, solch eine Wette zu gewinnen, stehen gar nicht schlecht. Das Metallteil stammt von der Firma Boecker Wender Stahl. Es ist ein hauchdünnes Plättchen, das sich unter der goldfarbenen Oberfläche des eingebauten Chips verbirgt. Es ist gewölbt und bringt den Chip auf Spannung und sorgt so für den Kontakt des Chips mit dem Geldautomaten.

Eigentlich ist dieses winzige Bauteil kein Plättchen, sondern eine Feder. Weil es sich biegen kann, ohne zu brechen. Auch Maurerkellen oder Brillengestelle sind im Grunde Federn. „Das Metall geht nach dem Biegen wieder in den Ursprungszustand zurück“, erklärt Stefan Schober, Geschäftsführer von BWS in Letmathe. Boecker Wender Stahl ist spezialisiert auf Federn. Wobei allerdings zu beachten ist: BWS ist Stahl-Halbzeuglieferant für Firmen der nächsten Produktionsstufe, die dann Stanz- oder Formteile daraus fertigen.

Federn aus Letmather Stahl werden auch in Autos eingebaut, an Stellen, wo man sie nicht sieht, wo sie - klein, aber oho - enorme Belastungen aushalten müssen. Etwa in Kupplung oder Getriebe müssen sie zigtausend Kilometer überstehen ohne zu brechen. Da braucht es guten Stahl und bestes Know-how. In über 200 Jahren Firmengeschichte haben die Experten von BWS Erfahrungen gesammelt und ihre Produkte verbessert. Heute werden oft Speziallegierungen mit Nickel oder Titan hergestellt, die höchste Ansprüche erfüllen.

Stahl hauchdünn gewalzt und extrem schmal geschnitten

Im firmeneigenen Walzwerk in Hohenlimburg wird der Stahl gewalzt, bis er im Extremfall nur noch rund 0,03 Millimeter dünn ist, um dann an der Liegnitzer Straße im Letmather Markenfeld weiter verarbeitet zu werden. Dort werden die bis zu acht Tonnen schweren Stahlblechrollen (Coils) in die Spaltmaschinen eingespannt, um dann nach Kundenwunsch auf passende Breiten geschnitten zu werden. Auch hier sind extreme Maße möglich, bis hin zu Breiten von nur 2 Millimetern. Auf Kundenwunsch werden die Streifen danach an speziellen Maschinen arrondiert, also von scharfen Schnittkanten befreit.

Die Produktqualität liege weit über dem Niveau, das in Asien hergestellt wird, sieht Stefan Schober das Unternehmen gut gerüstet für die Zukunft. Er betont aber auch, dass BWS sich ständig neuen Herausforderungen stellen muss: „Wir müssen immer die Nase vorn haben.“ Dafür seien bezahlbare Energiepreise, vor allem aber gut ausgebildete Fachkräfte unbedingte Voraussetzung.

Metin Düzlü ist einer dieser Fachkräfte. Beim Spalten von Ringen hat er fast 20 Jahre Erfahrung als Maschinenführer. Computertechnik erleichtert ihm die Arbeit immer mehr. Der 53-Jährige braucht nur eine Fernsteuerung zu bedienen, um die schweren Coils in die Spaltanlage einzusetzen. Körperliche Kraft benötigt er an der Maschine wenig, wohl aber einen wachen Blick auf das Display des Computers und die Abläufe in der Maschine selbst. Sein geschultes Auge lässt ihn sofort erkennen, wenn etwas schief zu laufen droht. Und dann muss er schnell und sicher reagieren. Bei der Auswahl der Werkzeuge, die er in die Zirkularschere einsetzt, ist seine Erfahrung und sein Können gefragt.

Wer sich bei BWS bewirbt, um später mal als Maschinenführer einen solchen Job zu machen, sollte keine Fünf in Mathematik haben. Für viele Berufe, die bei BWS ausgeübt werden, genügt es, wenn die Ausbildungsplatz-Bewerber einen „guten Hauptschulabschluss“ vorweisen können, sagt Personalleiterin Simona Ecker. Die Noten allein aber seien nicht das einzige Kriterium. Zuverlässigkeit, Motivation ja und auch das allgemeine Auftreten der Bewerber spiele eine große Rolle. Leider sei es heutzutage nicht leicht, genügend geeignete Bewerber für eine Ausbildung als Verfahrensmechaniker und andere Metallberufe zu finden. BWS bildet fast ausschließlich für den eigenen Bedarf aus – will heißen, wer sich bewährt, wird übernommen. Von der Bundesagentur für Arbeit wurde BWS als guter Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Wie der Betriebsratsvorsitzende Andreas Müller ergänzt, lehnt sich der Haustarif von des Unternehmens eng an die Branchentarife an und durch leistungsabhängige Zulagen seien gute Verdienstmöglichkeiten gegeben.

 
 

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