Zweite Gesamtschule in Hennen: Ab 25 Millionen Euro aufwärts

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens erhielt am Montag das Gutachten zur  Kostenermittlung für den Bau einer zweiten Gesamtschule in Hennen.
Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens erhielt am Montag das Gutachten zur Kostenermittlung für den Bau einer zweiten Gesamtschule in Hennen.
Foto: Michael May/IKZ

Iserlohn. Die Baukosten für die Errichtung einer zweiten Gesamtschule liegen zwischen 25,5 und 27,3 Millionen Euro. Zu diesem Ergebnis kommen die mit der Kostenermittlung beauftragten Architekten des Büros Assmann aus Dortmund. Gestern stellte Diplom-Ingenieur Peter Melching das Gutachtenergebnis zunächst dem Verwaltungsvorstand, den Fraktionsvorsitzenden und den schulpolitischen Sprechern vor, um im Anschluss bei einem Pressegespräch die Kerninhalte der Expertise darzulegen.

Um das Raumprogramm einer vierzügigen Gesamtschule zu realisieren, müssen demnach 8900 Quadratmeter Nutzfläche vorhanden sein - und damit etwa das vierfache Volumen der am Hauptschul-Standort Hennen vorhandenen Gebäude. „Das Grundstück ist grundsätzlich geeignet“, so Melching. Die Hoffnung jedoch, durch die Nutzung der Hauptschul-Räumlichkeiten Kosten in größerem Umfang einsparen zu können, erfüllt sich nicht. Brutto 25,5 Millionen Euro stehen unter dem Strich, wenn Teile der Hauptschule für eine zweite Gesamtschule mitgenutzt würden, 27,3 Millionen wären es im Falle des Abrisses und kompletten Neubaus. Als problematisch erachten die Assmann-Architekten eine abschnittsweise Errichtung der zweiten Gesamtschule, da dann der Schulbetrieb während der restlichen Bauphase in Mitleidenschaft gezogen würde. Überdies müssten Einrichtungen wie die Dreifach-Sporthalle, die Mensa und der Verwaltungstrakt direkt zur Inbetriebnahme der Schule zur Verfügung stehen. Bis die neue Schule an den Start gehen könnte, dürften angesichts des Planungsvorlaufes und der eigentlichen Bauzeit unabhängig vom Standort etwa dreieinhalb Jahre ins Land gehen.

„Das muss erst mal sacken“, konnte und wollte Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens aus den frisch gewonnen Erkenntnissen gestern noch keine inhaltlichen Konsequenzen ableiten: „Wir brauchen jetzt eine Denkpause, um Alternativen zu prüfen. Vor allem müssen wir festlegen, wie unsere Schulstruktur im Jahr 2020 insgesamt aussehen soll.“ Entsprechende Arbeitsaufträge an die Verwaltung, so Ahrens, könnten in der Ratssitzung vor der politischen Sommerpause erteilt werden. Bestätigt in der Ablehnung des Standorts Hennen sah sich CDU-Fraktionsvorsitzender Rolf Kramer, der die im Bildungsbündnis vertretenen Fraktionen dazu aufrief, nun gemeinsam „zum Wohle der Stadt nach Lösungen zu suchen, die zukunftsträchtig sind“. „Das ist schon ernüchternd, das haben wir in dieser Größenordnung nicht erwartet“, räumte Detlef Köpke für die FDP ein, dass nun wohl die Zeit gekommen sein dürfte, nach Alternativen für einen zweiten Gesamtschul-Standort zu suchen. Eine Auffassung, der sich auch Mike Janke als SPD-Fraktionsvorsitzender anschloss. Die von den Gutachtern ermittelten Kosten hätten eine Größenordnung erreicht, die politisch bedauerlicherweise nicht zu vertreten seien, so Janke. Gleichzeitig sei aber weiterhin der Bedarf an zusätzlichen Gesamtschulplätzen vorhanden. Janke: „Jetzt müssen wir uns gemeinsam auf den Weg machen, andere Lösungen zu finden.“ Ein Weg, den auch die Freien Wähler mitgehen werden, wie Helmut Prange betonte: „Wir haben immer gesagt, dass wir mehr Gesamtschulplätze brauchen. Wir haben nur Hennen abgelehnt.“

Dass eine alternative Lösung an anderer Stelle im Stadtgebiet für deutlich weniger Geld zu haben ist, bezweifelte derweil Elke Olbrich-Tripp (Bündnisgrüne): „Wir haben noch keine anderen Standorte untersucht, wir wissen nicht, was dort auf uns zukommen würde.“ Nach dem Vortrag der Assmann-Architekten sei jedoch damit zu rechnen, dass der Bau einer zweiten Gesamtschule auch standortunabhängig immer Kosten dieser Größenordnung nach sich ziehen dürfte, da die Forderungen des Raumprogramms zu erfüllen seien. „Schulentwicklung gibt es nicht für umsonst“, erklärte Manuel Huff für die Linke, dass sich deren grundsätzliche Position pro zweiter Gesamtschule nicht verändert habe: „Wir brauchen diese Plätze.“

Die Schulverwaltung wird derweil ihre im Zuge der Hennen-Debatte zwischenzeitlich auf Eis gelegte Arbeit am neuen Schulentwicklungsplan fortsetzen, kündigte Ressortleiterin Katrin Brenner an. Darin enthalten seien dann auch Handlungsempfehlungen zur Gestaltung der Schullandschaft: „Den ersten Aufschlag machen wir im nächsten Schulausschuss.“

 
 

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