Zahl der Iserlohner Ladestationen ist durchaus beachtlich

Reiner Timmreck, Geschäftsführer der Stadtwerke Iserlohn, lädt einen BMW i3 an einer Ladesäule am Stadtbahnhof.
Reiner Timmreck, Geschäftsführer der Stadtwerke Iserlohn, lädt einen BMW i3 an einer Ladesäule am Stadtbahnhof.
Foto: Michael May IKZ
Die Stadtwerke wollen weitere Säulen dort bauen, wo E-Mobil-Fahrer sie tatsächlich benötigen.

Iserlohn. Bei der Frage nach der Anzahl der E-Autos im Stadtwerke-Besitz muss deren Geschäftsführer Reiner Timmreck einen Moment überlegen. Sechs oder sieben Fahrzeuge seien es aktuell, Tendenz steigend. Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen und -steckdosen auf Iserlohner Stadtgebiet hat er hingegen aus dem Stand präzise parat: 17 Stück, davon zwei Schnellladesäulen, je eine am Bahnhof in Iserlohn und am Bahnhof in Letmathe.

In den letzten Monaten war häufig von neuen Ladepunkten zu lesen, die Ladeinfrastruktur ist deutlich gewachsen, seit die Stadtwerke an ihrem Firmensitz an der Stefanstraße 2009 die erste Ladesäule in Betrieb genommen haben. „Das waren Feldversuche, da wurde viel probiert“, sagt Timmreck mit Blick auf die Jahre 2009 und 2010, in denen es wohl darauf ankam, auch so eine Säule zu haben. Mittlerweile ist Iserlohn eine von drei deutschen Kommunen, die am EU-Projekt „Emobility Works“ teilnehmen und sieht die E-Mobilität als praktikablen Beitrag zum Klimaschutz auf lokaler Ebene. Neben den Stadtwerken hat die Stadtverwaltung in E-Fahrzeuge investiert, auch die IGW hat E-Fahrzeuge angeschafft. Umso erstaunlicher lautet die Antwort auf die Frage nach den weiteren Ausbauplänen für ein Iserlohner Ladesäulen-Netz. Reiner Timmreck: „Es gibt keinen Ausbauplan. Wir würden Lade-Infrastrukturen da aufbauen, wo sie genutzt werden. Wir orientieren uns an denen, die jetzt Fahrzeuge haben.“

Auch wer an der Straße parkt, soll den Akku laden können

Dass heißt eben genau nicht, dass keine Ladepunkte mehr folgen sollen. Timmreck möchte die Fahrer von E-Fahrzeugen in die Planungen einbeziehen, will den Ausbau mit den steigenden Zulassungszahlen der Strom-Fahrzeuge weiterentwickeln. „Wir wissen nicht, an welcher Stelle E-Mobilität aufkeimt“, erklärt Timmreck und setzt auf direkte Kommunikation mit den Kunden. Ganz konkret wünscht er sich, dass E-Auto-Besitzer mit dem Wunsch nach einer Ladesäule im öffentlichen Raum auf die Stadtwerke zugehen und sich ihren Standort wünschen. Und der werde dann im Normalfall auch realisiert. „Strom ist überall, deshalb ist die Infrastruktur vorhanden.“ So würde auch der „Laternenparker“ ohne Probleme an den Ladestrom kommen.

Noch ist der Markt klein. Timmreck spricht von fünf bis zehn Personen, die ganz privat über ein E-Fahrzeug verfügen. Dazu kommen die E-Autos im Besitz der Stadt und ihrer Töchter. Außerdem haben einige Unternehmen E-Fahrzeuge angeschafft, um diese im Alltag zu erproben und zu den Technologieführern zu gehören.

Der Blick auf die Zahl und die Platzierung der Ladesäulen im öffentlichen Raum ist wohl ohnehin nur begrenzt zielführend. „Was scheinbar ganz ganz schwer aus den Köpfen herauszubekommen ist, ist der Gedanke: ,Ich muss zum Tanken fahren.’ 95 Prozent der Ladevorgänge passieren zu Hause oder beim Arbeitgeber“, sagt Timmreck. Schließlich sei ja ein Fahrzeug normalerweise an 23 Stunden des Tages ein „Stehzeug“. Sorgen um einen leeren Akku müsse sich niemand machen. „Das passiert nicht, das Ding ist immer voll. Man fährt morgens immer mit vollem Tank los – auch von der Arbeit.“

Das Abrechnungssystem steckt im Ladekabel

„Wir haben mit der Stadt Iserlohn eine der innovativsten Städte, die das Thema E-Mobilität für sich entdeckt haben“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Reiner Timmreck, „andere Stadtwerke beneiden uns darum.“ In Kürze können E-Autos in Iserlohn im öffentlichen Bereich kostenlos parken, sofern sie mit einem entsprechenden Kennzeichen ausgestattet sind. Mit ihrer Beteiligung am Projekt „Ubritricity“ haben die Stadtwerke in den vergangenen Monaten Pionierarbeit geleistet und auf ein System gesetzt, dass die Ladesäulen günstig macht. Beim System „Ubitricity“ steckt die Abrechnungslösung für den geladenen Strom im Ladekabel und fährt mit dem Nutzer umher. Bei anderen Systemen benötigt jede Säule die Technik, um den Verbrauch zu messen und zur Abrechnung weiterzumelden. Im Moment führt der Anbieter „Ubritricity“ mit einer Vielzahl anderer Stadtwerke Gespräche, um das System auch auf andere Städte zu übertragen, die Iserlohner sind da mit ihren Erfahrungen gefragte Fachleute.

Unterschiedliche Systeme bedeuten für die Autofahrer übrigens keine Probleme bei weiteren Fahrten. Auch an nicht zum System „Ubricity“ gehörenden Ladepunkten ist das Tanken möglich. Der Mobil-Strom-Kunde bekommt am Monatsende eine exakte Abrechnung.

Für zu Hause tut es eine spezielle Systemsteckdose, deren Preis Timmreck mit etwa 400 Euro beziffert. Der Installationsaufwand sei recht begrenzt: eine Leitung wie für den Elektroherd und ein spezieller Fehlerstromschutzschalter seien notwendig, um den Wagen aufzuladen. Im Notfall tut es übrigens auch eine Haushaltssteckdose, allerdings bei verlängerten Ladezeiten, die auch vom Fahrzeug abhängig sind.

1. Iserlohner e-Mobil-Tag am Samstag, 23. April 2016

Am 23. April findet von 11 bis 16 Uhr auf dem Gelände der Iserlohner Stadtwerke an der Stefanstraße der erste Iserlohner e-Mobil-Tag des „Netzwerks e-Mobilität Iserlohn“ statt, bei dem Stadt, Stadtwerke, Autohändler und auch die Heimatzeitung zusammenarbeiten. Auf dem Gelände stehen E-Autos für Probefahrten und Ansprechpartner rund um das Thema E-Mobilität bereit. Informationen dazu gibt es auch unter www.e-iserlohn.de

 
 

EURE FAVORITEN