„Wir sind nur noch Mittler“

, musste den Eltern am Dienstagabend erklären, dass auch sie nicht weiß, wie es mit ihrer Schule weitergehen soll.
, musste den Eltern am Dienstagabend erklären, dass auch sie nicht weiß, wie es mit ihrer Schule weitergehen soll.
Foto: Michael May/IKZ
Einen Informationsabend ohne Informationen hatte Karin Vogel am Dienstagabend vor sich.

Hennen.  Dementsprechend war auch die Verfassung der Schulleiterin der Hennener Hauptschule. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte sie unverhohlen, dass sie über das Verhalten der Stadt – sowohl der Politik als auch der Verwaltung – enttäuscht und wütend sei. Fazit: „Schulentwicklung ja – aber nicht so.“

Vor der Elternschaft in der gut gefüllten Turnhalle ihrer Schule erklärte sie dann, dass sie selbst keinerlei Aussagen über den weiteren Verlauf der beschlossenen Schulauflösung machen könne: „Wir sind nicht mehr verantwortlich und treffen keinerlei Entscheidungen. Wir sind nur noch Mittler.“

Der Rat der Stadt Iserlohn hatte im Dezember beschlossen, die Hauptschule aufzulösen und am selben Standort eine zweite Iserlohner Gesamtschule zu eröffnen. Das Einzige, was fest stehe, sei, dass Hennen für das kommende Schuljahr keine Schüler mehr aufnehmen darf, womit die Auflösung der Schule besiegelt sei. Doch wie diese Auflösung vonstatten gehen soll, sei vollkommen ungewiss. Ein Zeitraster gebe es ebenso wenig wie einen Plan, wie mit den verbleibenden Schülern verfahren werden soll. Im Schuljahr 2014/15 würden es nur noch 84 Jugendliche sein, was einen sinnvollen Schulbetrieb fast schon unmöglich mache. Zudem sei nach wie vor ungewiss, ob das bestehende Gebäude für die geplante Gesamtschule erweitert werden soll, oder ob es abgerissen wird. Vielmehr sei angesichts überhaupt ungewiss, ob tatsächlich jemals eine Gesamtschule in Hennen eröffnen werde. All das verunsichere nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrer und Eltern, denen allen das Schreckgespenst des erzwungenen Schulwechsels vorschwebe.

Der Verwaltung warf Vogel mangelnde Informationspolitik vor, den politischen Entscheidungsträgern, dass sie ungeachtet aller Hemmnisse ihren „Wunschtraum von einer Gesamtschule in Hennen durchdrücken wollen“. Schließlich seien noch nicht einmal die großen Rahmenbedingungen, etwa die Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde zu einer zweiten Gesamtschule, gegeben. Dennoch hätten die politischen Parteien SPD, Grüne, FDP und Linke schon seit Jahren den Plan einer Gesamtschule in Hennen verfolgt und die Hauptschule nun zerschlagen, ohne dass dazu von der Schülerentwicklung her eine Notwendigkeit bestanden hätte. Noch im Sommer vergangenen Jahres hatte die zuständige Dezernentin Katrin Brenner erklärt, dass die Hennener Hauptschule erhalten bleibt.

Neben Karin Vogel kam unter anderem auch Michael Schelnak von der Schulpflegschaft zu Wort, der ankündigte, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Schließung vorzugehen. Auch Klaus Stinn, der als Vertreter des Bildungsforums Iserlohn (ForBild) anwesend war, äußerte sein Entsetzen über die Vorgänge im Schulausschuss der Stadt, den dortigen Umgang mit Schulleitern und Experten und die Gräben zwischen den politischen Lagern. „Dort geht es nicht mehr um Kinder, sondern nur noch um die Durchsetzung politischer Überzeugungen und um Macht“, erklärte er. Und für das Bildungsforum erklärte er angesichts der geäußerten Unzufriedenheit über die Schulentwicklung: „Wenn Politik und Verwaltung diesen Prozess nicht auf die Kette kriegen, müssen wir das selbst in die Hand nehmen.“

Das Schlusswort hatte Karin Vogel und richtete einen Appell an die Eltern. „Unterstützen Sie weiterhin den Förderverein. Wir dürfen nicht in Depression und Phlegma verfallen. Das Schulleben geht ja weiter.“

 
 

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