„Wir können vor Ort viel flexibler reagieren“

Thomas Reunert
Carola und Andreas Knode stellten die neuen Entwicklungen im Kino vor:  Aus dem „CineStar“ wurde jetzt der „filmpalast“.
Carola und Andreas Knode stellten die neuen Entwicklungen im Kino vor: Aus dem „CineStar“ wurde jetzt der „filmpalast“.
Foto: Michael May/IKZ
Aus dem „CineStar“ ist der „filmpalast Iserlohn“ geworden. Auch in der Gastronomie am Kino-Komplex tut sich was: Ein griechischer „Garten“ kommt.

Iserlohn.  Eigentlich geht Kino für die Besucher ja ganz einfach. Hingehen, Karte kaufen, Licht aus, Film an, Film aus, Licht an, (hoffentlich) gut gelaunt nach Hause gehen. Dass sich das wahre Leben rund um das Unternehmen „Kino“ deutlich komplizierter abspielt, zeigen nicht nur immer wieder schließende oder umfirmierte Häuser, zeigen ausbleibende und natürlich auch erhoffte Erfolgswellen großer und kleiner Produktionen, zeigen aber auch zum Teil mächtige Investitionen in Häuser und deren Zukunft. Keine Frage: Auch wenn Kino eine der ganz klassischen Unterhaltungsformen darstellt, ist das Wesen eben auch die Veränderung. Jüngstes Beispiel: 13 Jahre lang hieß das Iserlohner „Lichtspielhaus“ am Kurt-Schumacher-Ring deutlich sichtbar „CineStar“. Seit dem 1. November trägt es den Namen „filmpalast Iserlohn“, in den nächsten Tagen wird der Schriftzug auch in großen Lettern an der Fassade leuchten. Themen genug für ein Gespräch mit dem Betreiber-Ehepaar Carola und Andreas Knode.

„Die gemeinsame Zeit war nicht schlecht, aber. . .“

„Die gemeinsame Zeit mit der ,CineStar’-Gruppe war schon eine gute Zeit“, sagt Carola Knode rückblickend, aber sie ergänzt auch: „Nun wollen wir jedoch noch besser werden.“ Rückblick: Knodes Iserlohner Kino-Geschichte beginnt Ende der 60er-Jahre auf der Wermingser Straße mit Übernahme der Gloria- und Union-Theater durch Vater beziehungsweise Schwiegervater Clemens. Vor eben jenen oben genannten 13 Jahren erfolgt der spektakuläre Umzug in einen mächtigen und markanten Neubau auf dem Gelände der früheren Wichelhoven-Druckerei. Marlies und Bruder Heiner Kieft, damalige Inhaber der „CineStar“-Kette, steigen auch als Mit-Hausbesitzer und Mit-Betreiber des Kinos bei den Knodes ein.

In den Jahren nach 2003 ändern sich allerdings in der bundesweit operierenden Multiplex-Kette die Besitz- und später auch die Machtverhältnisse durch Rückzüge der Kieft-Geschwister. Die Folge: „Wir konnten nicht mehr so flexibel am Markt agieren und reagieren wie wir es wollten“, sagt Andreas Knode, und seine Frau ergänzt: „Wir waren ja auch mit eigenen Reihen wie zum Beispiel ,Kirche und Kino’ in Iserlohn schon ziemlich erfolgreich. Aber das passte natürlich irgendwie nicht ins Konzept für alle Häuser.“ Hinzu kam zum Schluss, dass der einheitliche Internet-Auftritt des Unternehmens auch nicht mehr nach den Wünschen der lokalen Betreiber in Iserlohn gestaltet war. „Karten per Internet konnte man schon zwei Jahre nicht mehr beziehungsweise nur noch unter Schwierigkeiten für unser Haus kaufen.“

Also entschloss sich die Knode-Kieft-Gemeinschaft, nun im Laufe des Jahres der sich neu erstarkten Vereinigung von Partnerkinos beizutreten, die sich den Namen „filmpalast“ gegeben hat. Diese betreibergeführten Häuser operieren grundsätzlich individuell am Markt, auch wenn das Disponieren der Filme aus unterschiedlichen Gründen noch über den alten Partner „Cine­Star“ erfolgt. „Nun können wir aber beim Angebot und bei der Ausführung endlich wieder alle die Vorteile nutzen, die sich ergeben, wenn man als selbstständiger Betreiber täglich vor Ort ist.“

Befragt nach dem aktuellen Kino-Zufriedenheits-Status hält sich Begeisterung bei Andreas Knode für das Jahr 2013 noch in Grenzen. Das letzte Quartal müsse noch deutlich zulegen, das Wetter des Sommers sei für Kino einfach zu gut gewesen, und die Qualität der Filme habe auch nicht immer gehalten, was man sich davon versprochen habe. „Es läuft eben nicht immer wie man denkt.“ Außerdem beobachte er zusammen mit seinen Kollegen weiterhin mit großer Sorge, dass Filme immer mehr zum allgemein zugänglichen Gut würden. „An jeder Tankstelle bekommst du doch inzwischen Kino-DVDs. Von Raubkopien im Internet ganz zu schweigen. Das gefährdet eine ganze Branche.“

„Bei dem neuen ,Kipos’ habe ich ein ganz gutes Gefühl!“

Und sonst? Familie Knode ist ja auch noch an dem Gebäude mit seinen diversen anderen Mietern und Mietobjekten beteiligt. Hier zeichnet sich insbesondere für das große Lokal mit wechselvoller Geschichte eine laut Andreas Knode vielversprechende Lösung ab. Nach der mysteriösen Aufgabe samt Abtauchen im -- vielleicht Kölner – Untergrund des italienischen Vorpächters haben nun griechische Gastronomen aus Hagen den Pachtvertrag unterschrieben. Sie könnten, so Knode, in der Volmestadt bereits ein mehr als erfolgreiches Objekt vorweisen. Unter dem griechischen Namen „Kipos“, auf Deutsch „Garten“, sollen jetzt auch in Iserlohn ab Ende des Monats mediterrane Speisen in angenehmem Ambiente angeboten werden.

Zuletzt: Befragt nach dem in Iserlohn kursierenden Gerücht, das „Living“ im Keller des Hauses würde in absehbarer Zeit trotz neuer Raucherzone die Mischpult-Regler unten lassen, kann Knode nur den Kopf schütteln: „Sogar unsere Tochter hat uns schon danach gefragt. Wer erzählt so etwas? Der Betreiber ist stramm unterwegs und plant nichts in dieser Art.“