Wildschweine auf dem Vormarsch

Blick vom Waldweg in die Siedlung: Wildschweine haben Spuren bis kurz vor dem Asphalt hinterlassen.
Blick vom Waldweg in die Siedlung: Wildschweine haben Spuren bis kurz vor dem Asphalt hinterlassen.
Foto: Tim Gelewski
Immer häufiger nähern sich die Tiere Siedlungen und verursachen dort Schäden wie aktuell in Gerlingsen. Die Stadtförsterin rät dennoch zu Gelassenheit

Iserlohn..  Die Straße An der Egge in Gerlingsen, eine Siedlung wie viele in Iserlohn. Was hier in Sachen Lage eindeutig positiv zu verbuchen ist, die Nähe zum angrenzenden Wald, erweist sich derzeit offenbar aber für die Anwohner als Nachteil, wie Holger Diener sagt, der hier vor wenigen Tagen Bekannte besuchte: „Wildschweine haben hinter den Häusern alles verwüstet, bis hin zu einem Spielplatz. Sie kommen bis vor die Haustüren, viele Anwohner sind in Sorge.“

Ortsbesuch in Gerlingsen, zwei Wohnblöcke An der Egge 63 und 65, hinter den Häusern liegt eine üppige Rasenfläche, fast so groß wie ein Fußballfeld, die allerdings im Moment eher einem Acker gleicht. In der Tat scheint die Siedlung kürzlich mehr oder minder unerwünschten Besuch gehabt zu haben.

„Wir wohnen hier seit 43 Jahren“, sagt Christina Drosta. „Es ist allerdings das erste Mal, das ich hier so etwas sehe.“ Erstmal seien die Tiere wohl vor gut einer Woche da gewesen. Mitte vergangener Woche habe der Vermieter dann den Schaden zunächst behoben und die Wiese neu eingesäht. Am vergangenen Samstag kamen die Wildschweine dann wohl erneut: „Ein Nachbar hat sie gegen 4 oder 4.30 Uhr gesehen und 14 Tiere gezählt“, sagt die Rentnerin Christina Drosta, die sich wegen der Tiere aber nicht sorgt, zumal sie den nahen Waldweg nicht mehr nutzt.

Auch Stadtförsterin Julia Borghoff rät in Sachen Wildschweinen zur Gelassenheit. Eine Gefahr für Anwohner sieht sie eindeutig nicht. Das vermehrte Auftauchen von Wildschweinen in Wohnsiedlungen sei ein bundesweites Phänomen. „Die Winter waren in den letzten Jahren sehr mild. Das führt dazu, dass Wildschweine bis zu zweimal im Jahr werfen.“ Der Eindruck täusche also nicht: „Es sind mehr geworden.“

Umweltbedingungen befördern Vermehrung

Zudem seien die Umweltbedingungen für die Tiere derzeit sehr günstig: „Es wird vermehrt Mais angebaut, für die Tiere eine ideale Futterpflanze.“ Und: „Wildschweine sind Kulturfolger, in den wildfremden Flächen finden sie einfach eiweißreiche Kost, zum Beispiel Schnecken oder Mäuse.“ Zudem würden die Tiere in der Nähe von Siedlungen, anders als etwa im tiefen Wald, nicht bejagt.

Für Kinder, die An der Egge den Spielplatz nutzen, sieht Borghoff keine Gefahr, die Geräusche würden die Tiere abschrecken. Gleiches gelte beim Spaziergang durch den nahen Wald. „Man sollte nur seinen Hund auf jeden Fall anleinen, sich außerdem bemerkbar machen, wenn man Wildschweine erblickt, also pfeifen oder laut reden.“ Sich den Tieren mutwillig zu nähern oder sie gar anzufüttern – davon rät die Stadtförsterin jedoch eindeutig ab.

Wie in dieser Zeitung mehrfach berichtet, häufen sich Meldungen von Bürgern, die von vermehrten Sichtungen oder Spuren von Wildschweinen in der Nähe von Siedlungen berichten. Zuletzt hatten mehrfache Beschwerden von Bürgern in Hohenlimburg dazu geführt, dass unter dem Schlossberg Schneisen für eine baldige Treibjagd zur Reduzierung der Population in die Landschaft gezogen wurden.

Die Größe von Wildschwein-Verbänden kann zwischen fünf und 40 Tieren variieren.

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