War er Mitläufer oder ein Kopf der „Metalldiebe-Mafia“?

Vor dem Landgericht Hagen muss sich ein 26-jähriger Rumäne wegen Metalldiebstählen verantworten.
Vor dem Landgericht Hagen muss sich ein 26-jähriger Rumäne wegen Metalldiebstählen verantworten.
Foto: WP
Das Zeugenschutz-Sondereinsatzkommando begleitet einen verurteilten Metalldieb zur Aussage vor dem Landgericht. Dort muss sich ein 26-jähriger Rumäne wegen 12 Buntmetall-Diebstählen in Iserlohn, Hemer und im gesamten Bundesgebiet verantworten. Er zeigt sich zum Teil geständig.

Iserlohn/Hemer/Hagen.  Erhöhte Sicherheitsstufe am Hagener Landgericht zum Auftakt eines weiteren Verfahrens gegen eine Bande von Osteuropäern, die 2013 in der Region, aber auch in Nord- und Süddeutschland auf Beutetour gingen und Buntmetall im großen Stil entwendeten.

Nach der Sicherheitsschleuse am Eingang müssen sich alle Besucher des Saals 101 einer besonderen Taschenkontrolle unterziehen, ihre Papiere werden fotokopiert, und sie werden mit Metalldetektoren gescant. Die Handys sind für die Dauer der Verhandlung vor der sechsten großen Strafkammer abzugeben. Zwei der mutmaßlichen Köpfe der Buntmetall-Diebesbande sitzen bereits hinter Schloss und Riegel. Dem Vernehmen nach wurden sie zu Haftstrafen um die sechs Jahre verurteilt.

War er nur der Handlanger oder einer der führenden Köpfe in einer Band von bundesweit operierenden Metalldieben? Der 26-jährige Angeklagte, der nach einem Teilgeständnis auf freiem Fuß ist, gibt sich in einem Prozess vor dem Hagener Landgericht kooperativ. Er räumt eine Beteiligung an der Hälfte der ihm zur Last gelegten Taten ein.

Firmen-Einbrüche in Hemer Iserlohn und Schwerte

Staatsanwalt Jörn Esken wirft dem Rumänen vor, als Mitglied einer Bande von Landleuten in zwölf Fällen in Iserlohn, Hemer und Schwerte und anderen Orten im Bundesgebiet gewerbsmäßig Metallspäne, Schweißdrähte, Kupferstanzteile und -blechrollen und andere Metalle entwendet zu haben. Bei der Iserlohner Firma Dahmen erbeuteten sie im Frühjahr 2013 Kupferdrahtrollen im Wert von 15 000 Euro und ließen drei Rollen zurück. In Hemer wollte er mit seinen Komplizen bei Lang und Menke Kupferteile mitgehen lassen, wurde aber durch die von einem Sicherheitsdienst alarmierte Polizei vertrieben. Die Bande hatte bereits Metalle im Wert von 20 000 Euro nach draußen gereicht (wie berichtet). In drei weiteren Fällen soll es beim Versuch geblieben sein. Der Angeklagte wurde im März mit anderen Mittätern auf frischer Tat erwischt. Er will bei allen Fällen nur das Diebesgut geschleppt und die Fluchtfahrzeuge gefahren haben.

Ein Sondereinsatzkommando mit sechs Zivilbeamten bringt seinen bereits verurteilten Komplizen herein, der sich im Zeugenschutzprogramm befindet. Er sitzt für drei Jahre und acht Monate ein, wurde aber zwischenzeitlich mehrfach bedroht: „Ich habe in Europa keinen sicheren Platz mehr.“ Trotz der Einschüchterungsversuche des früheren Komplizen belastet der 38-jährige Zeuge den Angeklagten schwer, indem er dessen Tatbeteiligung an allen Fällen bezeugt. Zu dessen Rolle in der „Metalldiebe-Mafia“ sagt er: „Er war einer der Chefs der Bande. Egal, wo er war, ob in Rumänien oder anderswo: Er bekam seinen Anteil. Er verteilte das Geld und die Beute.“

Rumänische Metalldieb-Bande operierte von Schwerte aus

Außerdem soll der Angeklagte Tipps gegeben haben, wo besonders gute Beute zu holen ist. Das Wissen soll er von früheren Einbrüchen gehabt haben. Die Bande aus rumänischen Staatsbürgern im Alter zwischen 20 und 40 Jahre operierte zunächst von Duisburg und später von Schwerte aus. Der Angeklagte ist nach wie vor in Duisburg gemeldet.

Die erbeuteten Metalle, Gesamtwert von rund 100 000 Euro, verkaufte die Bande in Venlo an einen Niederländer oder in einem Dortmunder Gewerbegebiet an einen Deutsch-Russen. Mit dem Geld aus den Beutezügen habe er seine Familie unterhalten. Der Familienvater von vier Kindern bezieht außerdem Kindergeld. Für die Diebestouren mieteten die Bandenmitglieder Fahrzeuge bei Autovermietungen in Schwerte und Menden an, berichtete die Leiterin der Ermittlungskommission „BOR“ (Bundesweit operierende Rumänenbande), aus Unna. Der Prozess geht am Freitag weiter.

 
 

EURE FAVORITEN