Von Russland nach Amerika

Melina Seiler
Mitdem Roman „Hiob“ von Joseph Rothhatte sich der Literaturkurs des Stenner-Gymnasiums an einen schweren Stoff gewagt und ein Jahr lang auf die Aufführung vorbereitet.
Mitdem Roman „Hiob“ von Joseph Rothhatte sich der Literaturkurs des Stenner-Gymnasiums an einen schweren Stoff gewagt und ein Jahr lang auf die Aufführung vorbereitet.
Foto: IKZ
Der Stenner-Literaturkurs brachte nach einem Jahr Probenarbeit Joseph Roths „Hiob“ auf die Bühne.

Iserlohn.  Gibt es Wunder? Genau diese Frage beschäftigt die Familie Singer aus Joseph Roths Roman „Hiob“. Ihr Leben ist durchzogen von Schicksalsschlägen, so dass sie glauben nur ein Wunder kann sie retten. Der Literaturkurs der Stufe 11 vom Gymnasium An der Stenner hat ein Jahr daran gearbeitet „Hiob“ als Theaterstück auf die Bühne zu bringen.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte vom jüdischen Lehrer Mendel Singer und seiner Familie. Er und Ehefrau Debora sind Eltern von vier Kindern. Mirjam, Jonas und Schemarjah sind gesund. Ihr viertes Kind leidet an einer Behinderung. Im Roman heißt der Junge Menuchim, im Stück der Schüler ist das behinderte Kind der Familie ein Mädchen und heißt Samira. Weitere Abänderungen zum Roman gibt es nicht, außer dass die Schüler eine modernere Sprache benutzen. „Wir haben gemerkt, dass wir mit einer Sprache, die unserer ähnlich ist, besser klarkommen“, erklärt Gresa Suma, die im Stück Deborah spielt.

Auch das Bühnenbild wurde von den Schülern gestaltet

Ebenso wie das Buch, ist auch das Stück in zwei Teile gegliedert. Die ersten 40 Minuten spielen in Russland und zeigen die in Armut lebende Familie. Das Bühnenbild, das von den Schülern selbstgestaltet worden ist, zeigt die bescheidenen Räumlichkeiten der Familie. In der Wohnküche spielen Szenen der Ehekrise und die verzweifelten Versuche der Eltern, ihre Tochter Samira zum Sprechen zu bringen. Doch mehr als „Mama“ sagt das Mädchen nicht. Ihre verzweifelten Eltern zeigen Fürsorge, ihre Geschwister hingegen verabscheuen sie. Nicht nur innerlich, sie tragen es auch nach außen, foltern sie und versuchen sogar, sie umzubringen.

Das Leben der Familie nimmt einen raschen Wandel, als die beiden Söhne als Soldaten einberufen werden. Jonas geht und Schemarjah desertiert nach Amerika, bittet seine Familie dann aber nachzureisen. Eine schwierige Entscheidung für die Singers, denn Samira kann aufgrund ihrer Krankheit nicht mitkommen. Trotzdem wollen sie auswandern.

Der zweite Teil der Aufführung spielt dann in Amerika – mit neuem Bühnenbild. Wieder zeigt es die Wohnung der Singers, die ist jetzt allerdings wesentlich moderner, und an der Wand hängt eine Amerika-Flagge. Mutter und Tochter haben sich gut integriert. Doch Mendel fühlt sich nicht wohl. Und die Schicksalsschläge sind nicht überwunden. Sohn Schemarjah und Mutter Deborah sterben, und Mirjam wird daraufhin verrückt. Mendel hat viel Grund zum Trauern und Zweifeln. Seine Gottesbeziehung wird auf die Probe gestellt. Aber am Ende seines harten Lebens findet er endlich die Antwort. Ja, es gibt Wunder. Tochter Samira wurde geheilt und kommt als berühmte Musikerin nach Amerika.

Kurs hatte sich bewusst für diesen Stoff entschieden

Auch wenn der Roman von Joseph Roth jüngst nicht mehr Teil des Deutschlehrplans ist, haben die 27 Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses zusammen mit ihrem Lehrer Stephanos Vaghidas die Geschichte von Familie Singer aufgearbeitet. „Wir hatten die Wahl zwischen ein paar Stücken. ,Hiob’ hat uns am besten gefallen“, erklärt Sarah Gerber, die Schemarjah spielt. Ihr Mitschüler Niko Savvidis, der die Hauptrolle des Mendels verkörpert, zeigt sich nach dem Stück zufrieden: „Wir waren zwar sehr aufgeregt, aber es hat super viel Spaß gemacht.“