Treffpunkt Bismarckturm wird beliebter

Erstmals hat die Aktionsgruppe Pater Beda den Bismarckturm an einem Samstagabend geöffnet - mit großem Erfolg.
Erstmals hat die Aktionsgruppe Pater Beda den Bismarckturm an einem Samstagabend geöffnet - mit großem Erfolg.
Foto: IKZ
Die Premiere ist geglückt. Erstmals hatte der Aktionskreis Pater Beda den Turm an einem Samstagabend geöffnet und erlebte guten Zuspruch.

Iserlohn/Hemer..  Heiter und entspannt sitzen kleine Gruppen von Männern und Frauen plaudernd in der Abendsonne. Auf Bänken und an Tischen genießen sie am Fuße mächtiger Turmmauern nicht nur die frische Luft und den Ausblick ins Grüne, sondern auch ein Gläschen Wein oder Bier und pikante Häppchen. Schon wieder kommen neue Wanderer mit und ohne Rucksack an. Oben auf dem Turm schauen ein paar Besucher in die Weite rings um Iserlohn. Ein Pärchen stößt gerade mit Sekt auf seinen zwölften Hochzeitstag an.

Der historische Bismarckturm im Seilerwald scheint für solche Szenen, wie sie sich am Samstagabend hier abspielten, geradezu wie geschaffen. Dabei haben sie eher Seltenheitswert. Und gäbe es die Hemeraner Aktionsgruppe Pater Beda nicht, fänden sie womöglich gar nicht oder nur ganz selten statt.

Einkehr an einem lauschigen Ort, der nicht überlaufen ist

Vor über zehn Jahren war die Hemeraner Aktionsgruppe auf die Idee gekommen, den unweit der Stadtgrenze stehenden Turm regelmäßig an Sonntagen für Wanderer und Spaziergänger zu öffnen. Die Stadt Iserlohn zeigte sich einverstanden. Bald kam eine Bewirtung dazu: Gegen Spenden wurden Kuchen, Kaffee und andere Getränke angeboten. Der Bismarckturm wurde zum Geheimtipp für Hemeraner und Iserlohner. Einen Waldspaziergang mit der Einkehr an einem lauschigen Ort zu verbinden, der wirklich nicht touristisch „überlaufen“ ist, wo gibt es das schon?!

Im vergangenen Jahr war der Bismarckturm an jedem zweiten Sonntag geöffnet. „Wir hatten zuletzt immer 40 bis 80 Besucher“, berichtet Jörg Traut, der die Aktion dereinst ins Leben rief und jetzt, beflügelt von der 100-Jahr-Feier, den Turm erstmals an einem Samstagabend öffnete. Bis gegen 20 Uhr hatten sich bereits rund 35 Besucher eingefunden..Der Premierenerfolg könnte weitere Samstagsöffnungen nach sich ziehen.

Die Gesprächsthemen unterm Turm sind so vielfältig wie das Leben. Sie reichen von ganz privat über Fußball bis zur Politik. Es versteht sich, dass auch oft über Pater Beda gesprochen wird. Denn der Aktionskreis verdankt dem in Hemer-Apricke aufgewachsenen Franziskaner-Pater seine Existenz. Seit Jahrzehnten wird in Hemer - und anderen Städten - die Arbeit des katholischen Ordenspriesters für Brasilien unterstützt, mit Altpapier- und Altkleidersammlungen. „Früher sind die Helfer in Hemer mit dem Traktor von Haus zu Haus gefahren und bei mancher Sammlung kamen vier volle Eisenbahnwaggons Papier zusammen,“ erinnert sich Manfred Fritschen (65). Heute wird längst nicht mehr so viel gesammelt, aber die Unterstützung ist ungebrochen. Neue Spendenquellen sind dazu gekommen, wie etwa die Bewirtung am Bismarckturm.

Oft wird gefragt: „Wie geht es eigentlich Pater Beda?“

Immer wieder fragen Besucher, wie es eigentlich Pater Beda geht, der im vorigen Jahr 80 Jahre alt geworden ist und seinen Lebensabend im Kloster in Bad Bentheim-Bardel verbringt. „Soweit er kann, nimmt er an der Entwicklungsarbeit für Brasilien teil, aber die Kräfte lassen nach, und da ist er froh, dass er die Verantwortung an andere abgeben konnte“, berichtet Fritschen. Vor dem Lebenswerk des Paters zieht er respektvoll den Hut. Dreimal ist Fritschen schon in Brasilien gewesen und hat sich Pater Bedas Projekte gegen die Armut und für die Menschenrechte angesehen., vor allem die „Stadt der Kinder“, in der unter anderem Jugendliche eine Ausbildung erhalten, um nicht auf der Straße leben zu müssen. „Hier ist jeder Spenden-Euro bestens angelegt“, sagt Fritschen – auch mit Blick auf den Erlös der lauschigen Stunden am Bismarckturm.

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