Störfallhäufung in der Kläranlage

Thomas Pütter
Das Havarie-Becken in der Anlage fasst 900 Kubikmeter Flüssigkeit und verschafft bei einem Störfall einen Zeitpuffer von einer Stunde.
Das Havarie-Becken in der Anlage fasst 900 Kubikmeter Flüssigkeit und verschafft bei einem Störfall einen Zeitpuffer von einer Stunde.
Foto: IKZ
Der Ruhrverband und die Stadt Iserlohn sind in höchster Sorge um das biologische System.

Iserlohn.  Eine Häufung von unerlaubten und höchst problematischen Zuläufen in die Kläranlage Baarbachtal versetzt die Verantwortlichen des Ruhrverbandes in Sorge. Seit einem guten Jahr und in immer kürzer werdenden Abständen kommen in der Anlage Schmutzwasserfrachten mit einem deutlich zu niedrigen ph-Wert an. Die sauren „Schübe“, die schon Konzen­trationen von mittlerer Salzsäure aufwiesen, stellen eine enorme Gefahr für das fragile biologische System dar.

Immer wieder freitags, zumeist am Nachmittag, und gelegentlich auch am frühen Samstagmorgen schlägt das Alarmsystem direkt am Anlagenzulauf im Baarbachtal an. Bisher hat die daraufhin einsetzende Störfall-Aktionskette des Ruhrverbandes funktioniert, um größeren Schaden abzuwenden, berichtet Betriebsleiter Gregor Lorenz: „Gegenwärtig sprechen wir nur über einen erhöhten betrieblichen und finanziellen Aufwand.“ Denn das belastete Abwasser aus dem Kanal wird und muss bei jedem dieser Störfall umgehend in ein Havarie-Becken geleitet und im Labor untersucht werden, um geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. „Das ist eine zeitkritische Angelegenheit. Uns bleibt nur rund eine Stunde, dann ist das Becken vollgelaufen.“

Im schlimmsten Falldroht ein Anlagenausfall

Sollte einer dieser saueren Schübe erfolgen, während parallel dazu ungünstige Betriebsbedingungen herrschen, zu denen etwa Starkregen zählt, kann dies für die Kläranlage die schwerwiegende Konsequenz haben, dass die belasteten Abwässer in die Klärbecken gelangen und dort die Bakterien betäuben oder sogar abtöten. Georg Lorenz: „Und das kann dazu führen, dass die Anlage nicht mehr in der Lage ist, die Abwässer zu reinigen und die Abwässer ungeklärt in den Baarbach und dann in die Ruhr gelangen. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir in einem Trinkwassergewinnungsgebiet liegen.“

Die Sorgen des Ruhrverbandes werden von der Stadtverwaltung geteilt, bestätigt Joachim Reiß von der Abteilung Stadtentwässerung, zumal die saueren Abwässer auch die bauliche Substanz des Kanalnetzes angreifen. „Wir haben im Mai einen Brief an sämtliche Indirekteinleiter verschickt, in dem wir die Problematik angesprochen haben“, berichtet Reiß. Und zunächst habe es auch den Anschein gehabt, dass das Schreiben die erwünschte Wirkung erzielt hat, wenig später jedoch kam es erneut zu regelmäßigen Störfällen im Baarbachtal.

36 Iserlohner und zumeist in der Metallindustrie angesiedelte Unternehmen im Einzugsbereich der Kläranlage zählen zu den so genannten Indirekteinleitern, die besondere wasserrechtliche Genehmigungen für ihren Betrieb benötigen und ihre Abwässer vor der Einleitung in den Kanal einer eigenen Vorbehandlung unterziehen. „Vielleicht handelt es sich um Bedienungsfehler, möglicherweise wurden Produktionsprozesse so umgestellt, dass die Wasseraufbereitungsanlagen im Betrieb damit nicht mehr klar kommen. Es ist aber durchaus auch möglich, dass der Verursacher sich nicht in diesem Kreis befindet, sondern dass es sich um eine Firma handelt, die bei uns gar nicht erfasst ist. Das könnte – beispielsweise – jemand sein, der alte Autobatterien annimmt, um das Blei zu verwerten und der dann die Schwefelsäure gesammelt über den Kanal entsorgt.“

„Am Ende werden wir ihn auf jeden Fall finden“

Ruhrverband und Stadtverwaltung hoffen darauf, dass der Störfall-Verursacher ein Einsehen hat und die höchst gefährlichen Einleitungen ein Ende nehmen. „Dann wäre die Sache für uns auch erledigt“, sagen Reiß und Lorenz. Sollte das Alarmsystem jedoch weiterhin regelmäßig anschlagen, „dann wissen wir uns zu wehren“, betont Ruhrverbands-Pressesprecher Markus Rüdel. Dann nämlich würden Stadtverwaltung und Ruhrverband in eine intensive Suche nach dem Störer einsteigen. Rüdel: „Das ist zwar zeitaufwendig und kostenintensiv, aber am Ende werden wir ihn auf jeden Fall finden.“

Die Folgen sind in jedem Fall extrem unangenehm für den Verursacher, der neben einem hohen Bußgeld seitens der Stadt auch davon ausgehen kann, die Kosten für die Suche im Kanalnetz übernehmen zu müssen. „Und das“, so Gregor Lorenz, „kommt denjenigen dann angesichts des Aufwandes richtig teuer zu stehen.“