Senior liegt wochenlang tot in der Wohnung

In diesem Mehrfamilienhaus in der Iserlohner Heide lag wochenlang ein Toter in der ersten Etage.
In diesem Mehrfamilienhaus in der Iserlohner Heide lag wochenlang ein Toter in der ersten Etage.
Foto: IKZ
In einem Mehrfamilienhaus in Iserlohn hat eine Leiche mehrere Wochen unentdeckt in einer Wohnung gelegen. Erst nachdem sich mehrere Anwohner über anhaltend strengen Geruch beschwerten, ließ die Hausverwaltung die Wohnung öffnen.

Iserlohn. „Schon seit Pfingsten roch es im Haus extrem unangenehm und beißend“, erinnert sich eine Nachbarin. Sie geriet sogar mit anderen Nachbarn in Streit, weil diese sich von ihr zu Unrecht beschuldigt fühlten. Bis die Nachbarn dann selber den Geruch wahrnahmen, wegen dem einige Bewohner dann später sogar ihren Balkon nicht mehr nutzen konnten.

Die Erklärung: Wochenlang lag ein Senior tot in seinem Einzimmerappartement in der Iserlohner Heide. Kein Partner, keine Kinder, keine Freunde, die den einsamen alten Mann aus dem Mehrfamilienhaus mit 19 Parteien vermissten. Der Iserlohner soll zurückgezogen gelebt haben. Nachbarn meldeten sich bei der Hausverwaltung und dem Besitzer, die reagierten aber erst nach massiveren Anwohner-Beschwerden über den Geruch und schalteten die Polizei ein. Und die holte das Ordnungsamt ins Boot.

„Das kommt ein oder zwei Mal im Jahr vor“

„Dass ein Toter wochenlang in der Wohnung liegt, ohne dass jemand ihn vermisst, das kommt ein oder zwei Mal im Jahr vor“, berichten Ordnungsamtsleiterin Angela Schunke und ihre Kollegin Alexandra Carius, Abteilungsleiterin des Bereichs Sicherheit und Ordnung in der Abteilung Allgemeine Ordnungsangelegenheiten, die in diesem Falle tätig wurde. „Solch ein Fall stellt eine große Belastung dar für alle, die damit zu tun haben. Das Wissen, dass jemand so lange da gelegen hat, ohne dass dies jemandem auffiel, ist auch für die Angehörigen oftmals schwer zu verkraften, selbst wenn die Familie zerstritten war und es deshalb keinen Kontakt mehr gab“, weiß Alexandra Carius, dass dies generell kein Einzelfall ist. „Wenn alte Leute nicht mehr so mobil sind und Nachbarn sie zu Lebzeiten nicht so wahrgenommen haben, dann kann es schon mal vorkommen, dass es spät auffällt, wenn sie nicht mehr da sind“, weiß Angela Schunke.

Die Damen des Ordnungsamtes empfehlen grundsätzlich: „Wenn Ihnen was komisch vorkommt, so ein Geruch wahrnehmbar ist und der Vermieter nicht reagiert, sollten Sie die Polizei informieren. Die wissen was zu tun ist und nehmen die ersten Ermittlungen auf.“ Der Wachdienst der Polizei und die Kripo kümmerten sich in besagtem Fall vor Ort um die Todesermittlungen, nachdem sie sich mit Hilfe des Hausverwalters Zutritt zu der Wohnung verschafft hatten. Das Ergebnis: „Der Mann starb eines natürlichen Todes“, teilt Polizeisprecher Stephan Böhme auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Leichengeruch - Wohnungstür ist noch mit Klebestreifen versiegelt

Die Polizei betraute das Ordnungsamt mit der Ermittlung, ob es Angehörige gibt. Alexandra Carius durchsuchte die Wohnung nach Papieren, die Aufschlüsse darüber geben, ob der Iserlohner Angehörige hatte, die sich um das weitere Prozedere kümmern. Angela Schunke schildert die Rechtslage: „Paragraf 8 des Bestattungsgesetzes regelt die Rangfolge, vergleichbar mit der Erbfolge im BGB: Eltern, Kinder oder volljährige Geschwister. Das muss schnell gehen, weil man in Nordrhein-Westfalen acht Tage Zeit hat, um jemanden zu bestatten. Wenn Angehörige nicht in der Lage sind, das zu übernehmen, machen wir das. Die Kosten stellen wir ihnen dann in Rechnung.“ Als Ausnahme nennt sie unbillige Härten und als Beispiel: „Wenn der Vater eines Kindes verstirbt, der die Familie verlassen hatte und sich 20 Jahre nicht um den Unterhalt kümmerte.“

Da sie zunächst keine Hinweise auf Verwandte fand, veranlasste Alexandra Carius, dass der stark verweste Tote vom Bestatter abgeholt und verbrannt wurde: „Wir sind zur Vermeidung weiterer Geruchsbelästigung dafür zuständig, dass der Leichnam abgeholt und unter die Erde kommt.“ Alles andere ist jetzt Sache des Vermieters. Die Ordnungsbehörde hat außerdem die Bestattung veranlasst: „Wir werden in diesem Falle die Kosten im Nachhinein gegen die Angehörigen geltend machen, die jetzt ermittelt wurden“, erklärte Alexandra Carius.

Die Nachbarschaft lüftet auch lange nach dem Todesfall. „Ich hatte anfangs auch den Lüftungsschacht zugeklebt, weil der Geruch unerträglich war“, schildert eine Iserlohnerin die Auswirkungen. „Ich habe auch Feebreze versprüht.“ Wochen später ist der Geruch aber immer noch wahrnehmbar. Deswegen ist die Wohnungstür auch mit Klebestreifen versiegelt. Und die Eingangstür des Mehrfamilienhauses steht ganztägig offen.

 
 

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