Schwächelnde Eurostaaten pleite gehen lassen

Rund 150 Interessierte waren zum Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Hankel in den Löbbeckesaal des Parktheaters gekommen.
Rund 150 Interessierte waren zum Vortrag von Prof. Dr. Wilhelm Hankel in den Löbbeckesaal des Parktheaters gekommen.
Foto: Michael May/IKZ
Die Einführung des Euro habe dazu geführt, dass die Staaten im Süden trotz ihrer mäßigen Produktivität Kredite zu Konditionen wie Deutschland hätten aufnehmen können.

Iserlohn..  Es gebe eine einfache Methode, den Euro zu retten: Die Staaten, die sich am Euro verhoben haben, einfach bankrott gehen lassen. Mit dieser These begann der bekannte Euro-Kritiker Prof. Dr. Wilhelm Hankel am Donnerstagabend im Löbbeckesaal seinen von rund 150 Besuchern durchaus mit Spannung erwarteten Vortrag. Hankel sprach im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD), zu der der hiesige Direktkandidat Sebastian Schulze begrüßte.

Auch Frankreich betroffen?

Verhoben haben sich nach Ansicht Hankels Zypern, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und vielleicht sogar Frankreich. Warum werde eine so verderbliche und ruinöse Währungspolitik betrieben?, fragte der Euro-Kritiker. Die Eurorettung resultiere aus der Negierung der währungs- und wirtschaftspolitisch schlimmsten Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts - der Inflation der 20er Jahre und ihrer Auswirkungen in den 30er Jahren. Zur aktuellen Situation sagte Hankel, dass die Notenpresse schon längst angeworfen worden sei. Die Aussage von EZB-Präsident Draghi, notfalls jede Staatsanleihe zur Rettung des Euro aufkaufen zu wollen, sei nichts anderes, als die Ankündigung von Inflation.

Die Einführung des Euro habe dazu geführt, dass die Staaten im Süden trotz ihrer mäßigen Produktivität Kredite zu Konditionen wie Deutschland hätten aufnehmen können. Und das getreu dem Motto: „Wenn es schief geht, werden die Deutschen schon irgendwie dafür aufkommen.“ In Relation zu Deutschland sei die Währung in Griechenland um 45 Prozent überbewertet. Das sei auch ein Grund dafür, dass Griechenland zunehmend Touristenströme in Richtung Türkei verliere.

„Wie kommt man aus der Misere?“, fragte Prof. Dr. Hankel. Seine Antwort schob er gleich nach: „Wir lassen diese Staaten Pleite gehen, und das ist nicht mal eine Strafe für diese Länder. Sie können dann das tun, was ihnen hilft, nämlich ihre eigene Währung abwerten. Halte man am bisherigen Weg fest, werde eine große Inflation kommen, sagte Hankel. Zur „Rosskur der Kanzlerin“ für die schwächelnden Eurostaaten sagte der Volkswirt: „Was für eine Firma richtig ist, kann für eine Volkswirtschaft tödliches Gift sein. Die Folge einer von Reichskanzler Brüning in der Weimarer Republik verordneten Rosskur seien sechs Millionen Arbeitslose gewesen. Die Einführung des Euro, so Hankel, sei der Versuch gewesen, die Einigung Europas über die monetäre Hintertreppe herbei zu führen. „Das hat nicht geklappt.“ Insbesondere die jüngeren Generationen würden das ausbaden müssen.

Im Anschluss an seinen Vortrag stellte sich Prof. Dr. Hankel Fragen aus dem Publikum. Was denn Gläubiger zu erwarten hätten, wenn einige Euroländer pleite gehen würden, wollte ein Zuhörer wissen. Da gebe es mit dem Pariser oder Londoner Club bewährte Mechanismen, meinte Hankel. Nach der Wahl sei mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes in Sachen Euro zu rechnen, sagte der Professor. Welchen Ausgang er sich erhofft, dürfte klar sein . . .

„Der Richter aus Hannover“

Als „Steuerrebell“ oder „Der Richter aus Hannover“ ist Dr. Michael Balke bekannt geworden. Der Richter im 7. Senat des Niedersächsischen Finanzgerichts hatte vor Prof. Dr. Hankel das Wort im Löbbeckesaal, er beschäftigte sich mit der Steuerpolitik. Man müsse zwar das Rad nicht neu erfinden, viele Grundsätze beispielsweise des Kirchhofschen Steuermodells wolle man aber einfließen lassen. Das Steuersystem, so Dr. Balke, müsse einfacher, zugleich aber auch sozial abgefedert werden.

Wenn Bayern-Präsident Uli Hoeneß auf Dr. Balke als Richter stoßen würde, müsste er sich übrigens über eine Freiheitsstrafe für seine mutmaßlichen Steuervergehen keine Gedanken machen. Eine ordentliche Geldstrafe würde es tun, man habe es ja schließlich nicht mit einem Gewaltverbrechen zu tun, so Dr. Balke. Aus seiner Sicht müsste nicht nur Steuerhinterziehung, sondern auch Steuerverschwendung unter Strafe gestellt werden.

 
 

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