Schneller Einstieg und geordneter Ausstieg

Michael Joithe, Klaus Stinn, Jörg Lohölter und Anja Breer (v.l.) gehören zur BIF-Lenkungsgruppe. Volker Burghoff als fünftes Mitglied war am Dienstag verhindert.
Michael Joithe, Klaus Stinn, Jörg Lohölter und Anja Breer (v.l.) gehören zur BIF-Lenkungsgruppe. Volker Burghoff als fünftes Mitglied war am Dienstag verhindert.
Foto: Michael May/IKZ
Das Bildungsforum drängt darauf, den Übergang zum zweigliedrigen Schulsystem aktiv zu gestalten

Iserlohn.  „Es gibt Wahrheiten, denen man sich nicht verschließen darf und die ein entschlossenes Handeln verlangen“ – diese Aussage kann man wohl als Quintessenz unter die dritte Sitzung des Bildungsforums Iserlohn (BFI) stellen. Die Wahrheiten, die sich aus der jüngsten Entwicklung der Schulen im Allgemeinen und aus der Studie von Dr. Ernst Rösler zur zukünftigen Iserlohner Schullandschaft im Speziellen ergeben, liegen für die Lenkungsgruppe des Bildungsforums auf der Hand: Die Hauptschule läuft aus, und die Realschulen werden dadurch gezwungener Maßen zur Basis-Schulform – de Facto ein zweigliedriges Schulsystem. „Es ist dringend erforderlich, dass wir diesen Umbruch aktiv gestalten, anstatt weiterhin der Entwicklung hinterherzulaufen“, erklärte Michael Joithe, der am Dienstagabend die Sitzung im Rathaus leitete. Daher befürwortet das Bildungsforum die vierte der von Dr. Rösler vorgeschlagenen Optionen, die neben den drei bestehenden Gymnasien und der Gesamtschule drei neu aufzubauende Sekundarschulen mit Ganztagsangebot und gymnasialem Zweig ab der fünften Klasse vorsieht. Damit verfüge Iserlohn neben den Gymnasien über vier Schulen des längeren gemeinsamen Lernens, was sowohl dem Elternwillen als auch dem allgemeinen Trend entspreche und eine zukunftsfähige und dauerhafte Lösung für Iserlohn verspreche.

Das war das Ergebnis der Aussprache zu der Studie. Gleichzeitig stand am Dienstag aber auch bereits die konkrete Umsetzung dieses Ziels im Fokus. In einer verblüffend kleinen Runde, zu der neben der vierköpfigen Lenkungsgruppe lediglich sieben weitere Gäste zählten, wurde dafür aber umso intensiver diskutiert, zumal sich mit Dr. Ernst Rösler, der städtischen Schuldezernentin Katrin Brenner und dem ehemaligen Realschul-Leiter und Vorsitzenden der Kinderlobby, Karl-Heinz Gagelmann, ausgewiesene Experten daran beteiligten.

Raumkonzept ist der erste Schritt

Fest steht, dass mit der Errichtung der Sekundarschulen nicht vor dem Schuljahr 2015/16 begonnen werden kann, und dass die Verwaltung als erstes die Prüfaufträge für die bestehenden Gebäude und vor allem ein klares Raumkonzept für eine Sekundarschule einholen müsse, die leider keine Behörde in NRW liefern könne, so Katrin Brenner. Dennoch bestand Einigkeit darüber, möglichst frühzeitig auch ein inhaltliches Konzept auf den Weg zu bringen. Katrin Brenner stellt sich ein übergeordnetes Basis-Konzept vor, dass dann in einem zweiten Schritt für die drei Standorte verfeinert werden müsse. Dr. Rösler forderte einen transparenten Prozess, geführt von einer möglichst kleinen Gruppe aus Lehrern der betroffenen Schulen und erfahrenen Praktikern, die bereits eine Sekundarschule erfolgreich eingerichtet haben.

Einigkeit bestand darin, dass man die Eltern der Kinder, die 2015 auf eine weiterführende Schule wechseln, nur gewinnen kann, wenn man ganz konkrete und anschauliche Konzepte zur Gestalt, zum Angebot, zu den Schwerpunkten und zum Stundenplan der Sekundarschulen bieten könne. Und das Votum dieser Eltern – auch darin bestand Einigkeit – sei letztlich das einzig maßgebende. Man dürfe auf keinen Fall den Fehler machen, und die Wahl der künftigen Schulformen von dem Lehrerwillen abhängig machen, erklärte Dr. Rösler. „Der Großteil der Lehrer empfindet den Schulalltag als schrecklich und sieht in jeder Veränderung eine weitere Verschlechterung“, machte er deutlich, dass man bei einer geplanten Sekundarschule von keinem Realschul-Kollegium der Welt einen befürwortenden Beschluss erwarten könne. Auch Karl-Heinz Gagelmann wendete sich dagegen, den Lehrerwillen, den man durchaus abfragen solle, als maßgeblich anzusehen: „Lehrer haben einen allgemeinen Bildungsauftrag und keinen Auftrag für eine spezielle Schulform.“

Keine Restschulen im Übergang der Systeme

Nicht minder wichtig als der möglichst schnelle und entschlossene Einstieg in das neue, zweigliedrige System ist für das Bildungsforum aber auch ein möglichst geordneter Ausstieg aus dem dreigliedrigen System. Einigkeit herrschte darüber, dass im Übergang zwischen den Systemen keine Restschulen entstehen und dass die noch bestehenden Hauptschulen schon für das Schuljahr 2014/15 keine neuen Schüler mehr aufnehmen dürfen. Das bedeute aber, dass die Realschulen für einen Übergangszeitraum alle Schüler aufnehmen müssen und natürlich ertüchtigt werden müssen, so Katrin Brenner, um der neuen, deutlich heterogeneren Schülerschaft inhaltlich und konzeptionell gerecht zu werden.

Ein großes Anliegen ist es dem Bildungsforum aber auch, klarzustellen, dass es sich thematisch nicht nur auf struktureller Ebene zwischen Gesamtschule und Sekundarschule bewegt. In eigenen Arbeitsgruppen wollen sie das Thema Inklusion voranbringen und die Idee der „Schule im Aufbruch“ nach Iserlohn tragen. Als deutliches Zeichen dafür, dass die Arbeit des BFI auch nach der aktuellen Debatte um die weiterführenden Schulen längst nicht zu Ende sein wird, haben die Teilnehmer beschlossen, in der nächsten Sitzung einen Verein zu gründen, der dann auch in der Lage ist, Spendengelder zu akquirieren und tatkräftig für mehr Qualität im Iserlohner Bildungssystem eintreten kann.

 
 

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