„Schatzsuche statt Fehlersuche“

Werben für eine gemeinsame Veranstaltung: Karl-Heinz Gagelmann (v.l.), Klaus Stinn, Michael Joithe und Anja Breer.
Werben für eine gemeinsame Veranstaltung: Karl-Heinz Gagelmann (v.l.), Klaus Stinn, Michael Joithe und Anja Breer.
Foto: Michael May/IKZ
Bildungsforum, Stadtschulpflegschaft und Kinderlobby laden ein.

Iserlohn..  „Schule im Aufbruch“ heißt eine Berliner Initiative, und so ist auch eine Veranstaltung betitelt, zu der das Bildungsforum, die Stadtschulpflegschaft und die Kinderlobby am Freitag, 8. November, gemeinsam in die Sase an der Max-Planck-Straße einladen (Beginn 19 Uhr). Dieses Angebot steht allen Interessierten offen, einen Tag später folgt an gleicher Stelle dann ein Lehrerworkshop (mit Anmeldung).

Verfechterin alternativer Unterrichtsansätze

Für beide Veranstaltungen konnte Margret Rasfeld, Leiterin der Ev. Schule Berlin Zentrum gewonnen werden. Rasfeld ist eine prominente Verfechterin alternativer Unterrichtsansätze und Mitbegründerin der Initiative. Die Iserlohner Schuldebatte, so Michael Joithe von der Lenkungsgruppe des Bildungsforums, wolle man so wieder mehr in Richtung Qualität des Lernens und Lehrens lenken. Denn entscheidend sei nicht, welcher Name an einer Schule hängt.

Margret Rasfeld, so Anja Breer, Stadtschulpflegschaftsvorsitzende und in dieser Funktion ebenfalls Mitglied der Lenkungsgruppe des Bildungsforums, habe den Weg gewählt, eine Schule ganz neu aufzubauen, hin zu einer „Schule der Potenzialentwicklung“. Ihr Motto laute dabei „Das Leben lehren“. Eine Basis der Überlegungen sei es, dass sich die Lernkultur neuen Herausforderungen anpassen müsse. So findet in den Klassen 7 bis 10 (in Berlin endet die Grundschulzeit erst mit der 6. Klasse) der Unterricht jahrgangsübergreifend statt.

Klaus Stinn, ebenfalls Mitglied der Lenkungsgruppe, formuliert es so: „Lehrer müssen sich bei den Schülern nicht auf Fehlersuche, sondern auf Schatzsuche begeben.“ Das bedeute eine ungeheure Umstellung für die Lehrer, helfe aber, eben jene Potenziale der Schüler ans Tageslicht zu bringen. Karl-Heinz Gagelmann, Vorsitzender der Kinderlobby, zeigt sich tief beeindruckt von der Arbeit von Margret Rasfeld. „Jedes Kind hat Potenziale, die aber zu häufig im traditionellen Unterricht nicht erkannt werden.“ Dabei könne man es sich nicht leisten, auf Talente zu verzichten.

Auf die Veranstaltung hat man sich intensiv vorbereitet. Anja Breer hat eigens die Rasfeld-Schule in Berlin besucht, ebenso einen der Termine ihrer „Roadshow“, mit der Rasfeld in zwölf deutschen Großstädten Station gemacht hat. Und Michael Joithe hat Margret Rasfeld in Schalksmühle erlebt, wo sie im Zusammenhang mit der dortigen Primusschule zu Gast war. Rasfeld ist auch „Kernexpertin“ im Zukunftsdialog „Wie wir lernen wollen“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Rasfeld wird zu den Iserlohner Terminen auch von einigen ihrer Schüler begleitet. Sie berichten über ihre Erfahrungen.

Die Zielsetzung vor Ort kann durchaus als ehrgeizig bewertet werden. Der Traum, so Michael Joithe, sei es, dass eine möglicherweise noch zu gründende Schule komplett das Rasfeld-Konzept für sich vereinnahmt. Gleichzeitig strebe man aber auch an, dass bestehende Schulen sich intensiv mit der Materie auseinandersetzen, um zumindest Ansätze des Konzeptes zu verinnerlichen. Jede Schule, so Joithe, könne sich auch in kleinen Schritten dem Ziel nähern.

Zeit reif für einen Evolutionsschritt

Das Bildungsbündnis wolle mit seiner Initiative keinesfalls die derzeitige Arbeit an den Schulen kritisieren, man wolle aber zeigen, dass es Zeit sei für einen „Evolutionsschritt“. Auch Karl-Heinz Gagelmann möchte das Angebot als eine Art „Impulsveranstaltung“ verstanden wissen. Und gemeinsam mit Klaus Stinn vertrat er die Auffassung, dass schon die derzeitigen Schulerlasse mehr Spielraum für Änderungen geben würden. Und Anja Breer möchte die Eltern mit in die Pflicht nehmen. Neue Methoden könnten nur Erfolg haben, wenn diese sich mit einbringen würden.

Betont wurde, dass man sich keinesfalls vom Leistungsgedanken verabschieden wolle. Auch an der Berliner Schule gebe es Zeugnisse. Es gehe vielmehr darum, dass Lernziele solidarisch und nicht egoistisch erreicht würden. So würden alle profitieren, sagte Klaus Stinn – der Hochbegabte genauso wie ein schwächerer Schüler. Bei den Pisa-Tests habe Rasfelds Schule hervorragend abgeschnitten.

 
 

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