Sanft und locker bis laut und kämpferisch

Friedensfest 2016
Friedensfest 2016
Foto: IKZ
„Überraschend gut besucht“, zogen die Veranstalter vom Friedensfest selbst ein erfreuliches Fazit des Friedensfestes, das diesmal nah an der Alexanderhöhe stattfand, ein Konflikt mit dem IBSV blieb nicht aus.

Iserlohn..  Eine Frau mittleren Alters räkelt sich genüsslich in der Hängematte und saugt die Sonnenstrahlen in sich auf. „Kostenloses Probeliegen“ verspricht ein Schild auf der Wiese. Wenige Meter weiter verharrt ein Mann so entspannt in Yoga-Haltung, dass man glauben möchte, er sitzt noch in zehn Jahren auf seiner Matratze. In großen und kleinen Grüppchen bevölkern Menschen in der Abendsonne die Wiese. Auf Bänken oder direkt im Gras sieht man sie lockern plaudernd, hier und da mit einer Bierflasche in der Hand. Dieses heitere Bild bot am Sonntag die Wiese unterhalb des Parktheaters, wo das Friedensfest stattfand.

Auf der Bühne ist gerade das letzte Lied der Reggae-Band „Schwarzpaul“ verklungen. Da legen einige schwarzhäutige Männer an dem Stand, der den drohenden Völkermord in Biafra anprangert, eine kleine Trommelsession ein, während zwei Stände weiter ein paar russlandstämmige Männer und Frauen ein fröhliches russisches Volkslied anstimmt. Und an dem Stand dazwischen, wo der Packpapier-Verlag unter anderem Bücher über „Die wahre Bedeutung des Anarchismus“ anbietet, lässt ein Vater seine beiden kleinen Töchter einen Button zum Anstecken aussuchen. Die ganz Kleine entscheidet sich für ein Häschen-Motiv.

Zum Punk- und Politkabarett strömten die Massen

Während der „Rest“ der Nation im Bann des Fußballs vor den Fernsehschirmen sitzt, scheint das Friedensfest beweisen zu wollen, dass seine Hauptmerkmale lauten: bunt, locker und entspannt. Dass es auch temporeicher zugehen kann, haben die Abende bewiesen, vor allem der Samstagabend. Da strömten die Menschen in Massen zu den Topacts. Viele Hundert wollten die Kabarett-Bands „Heiter bis wolkig“ und „Rantaplan“ sehen und hören. Da ging es laut zu. Politisch-kämpferisch, zynisch-böse, schrille aber auch poetische Töne, aufrüttelnd freche deutsche Texte, wie sie das Friedensfest-Publikum hören will, auch wenn es sich als „Weicheier“ beschimpfen lassen muss. Oder sind doch nur die anderen gemeint? Es wird Beifall geklatscht, geschrien, ausgelassen getanzt, mit oder ohne Bierpulle in der Hand.

Punk und Heavy Metal sind nach dem Geschmack vieler Friedensfestbesucher. Aber das Fest hat auch Sanfteres im Programm. Der Werkschor Auerweg bot am Samstag zum Auftakt des Nachmittags Ausschnitte aus seinem Danz-Musical und andere Songs, selbst geschrieben oder neu arrangiert. Frisch, frech, fröhlich, frei beeindruckte der Chor unter Leitung von Ralf Tiemann mit seinen hervorragenden Stimmen - bei Regen vor leider nur spärlichem Publikum.

Politische Spitzen, ob nun sanft gesetzt oder mit bösem Zynismus, durchzogen das Friedensfest-Programm wie ein roter Faden. An vielen Ständen waren kritikwürdige Zustände Gegenstand sachlicher Information. So zeigten die Biafra-Freunde an ihrem Stand erschreckende Bilder und Berichte über Massaker und Gräueltaten an Christen in Nigeria. Ein Stand, der die Auswirkungen sozialgesetzlicher Veränderungen zum Thema hatte, lud ein, sich mit den Fragen von Kinder- und Altersarmut auseinander zu setzen.

Die Wiese unterhalb des Parktheaters war nur ausnahmsweise für das Friedensfest ausgewählt worden, weil der Platz an der Bauernkirche umgebaut wird. Eine gute Wahl, fanden viele Besucher, weil die Wiese wie eine große Waldlichtung idyllisch wirkte, grün, groß und übersichtlich zugleich. Die Veranstalter aber wollen kein zweites Mal dort feiern. „Auf keinen Fall,“ sagt Detlev Paul vom Friedensplenum. „Unser Fest war überraschend gut besucht“, zog er am frühen Sonntagabend ein erstes Fazit. „Doch der Platz ist ungeeignet, der Boden zu weich. Beim Aufbau fuhr sich ein Lkw fest, ein Abschleppwagen musste kommen.“ Für den Abbau fürchtet er, dass sich der Schlamassel wiederholt. Außerdem waren die Anwohner und der Iserlohner Schützenverein nicht sonderlich erfreut. Das Ordnungsamt hat mehrfach den Lärmpegel gemessen.

Friedensplenum: Wir wollten dem IBSV entgegenkommen

Am Samstagabend, als sich der IBSV bei seinem großen Zapfenstreich über den Lärm von der Friedensfest-Bühne beschwerte, war der Pegel leicht überschritten. „Es waren 75 Dezibel gemessen worden,, fünf zuviel,“ berichtet Paul im Gespräch mit der Heimatzeitung. Der Aufforderung des Ordnungsamtes, die Lautstärke runterzuregeln, haben wir sofort Folge geleistet.“

„Wir wollen keinen Ärger mit dem IBSV“, versichert Paul. Auf Vorwürfe seitens des IBSV reagiert er inhaltlich voll übereinstimmend mit seinem Kollegen Jörg Jung, dass man im Vorfeld bereit gewesen sei, im Gespräch mit dem IBSV eine Regelung zu finden. Ende Mai habe das Ordnungsamt bei einem Verantwortlichen des Friedensplenums angerufen und den Wunsch des IBSV mitgeteilt, dass die Schützen während ihrer Zeremonien bei Totenehrung und Zapfenstreich nicht durch Musiklärm vom Friedensfest gestört werden möchten. „Daraufhin habem wir angeboten, unser bereits feststehendes Musikprogramm etwas abzuändern. Wir hätten das etwa durch eine etwas längere Pause so hinbekommen, so dass der IBSV seine Veranstaltungen nur um 15 bis 20 Minuten hätte verschieben müssen. Den Wunsch des IBSV punktgenau zu erfüllen sei leider nicht möglich gewesen. „Dann hätten wir früher Schluss machen oder mitten im Programm einer Band eine halbe Stunde Pause machen müssen. Das geht nicht,“ bittet Paul seinerseits um Verständnis.

Auf das Gesprächsangebot habe das Ordnungsamt nicht geantwortet, so Paul weiter. Stattdessen habe zwei Wochen vor dem Fest der Bürgermeister angerufen und noch mal darum gebeten, auf die Schützen Rücksicht zu nehmen. Dem Bürgermeister habe man den gleichen Vorschlag unterbreitet wie dem Ordnungsamt - wiederum ohne dass es zum Gespräch mit dem IBSV kam..

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