Riesiger Wissensdurst beim Thema Inklusion

Wilfried W. Steinert
Wilfried W. Steinert
Foto: Michael May/IKZ

Iserlohn.  Absolut überwältigt von der großen Resonanz auf ihre Einladung zum Vortrag von Wilfried W. Steinert zum Thema „Inklusion“ zeigten sich Sonja und Norbert Busch am Donnerstagabend. Gut 200 Mütter und Väter, Pädagogen, Politiker, Ratsmitglieder und Vertreter der Bezirksregierung waren ins Forum der SASE gekommen und zeigten, wie groß der Wissensdurst rund um das gesellschaftlich bedeutsame Thema in Iserlohn ist. Auch Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens war der Einladung gern gefolgt und rief in seiner Begrüßung dazu auf, der Vielfalt in unserer Gesellschaft eine Chance zu geben und Barrieren nicht nur in der Bildung sondern auch in den Köpfen abzubauen.

Wie berichtet hatte das Sümmeraner Ehepaar Busch vor dem Hintergrund der schon 2009 verabschiedeten UN-Konvention auf dem Rechtsweg dafür gesorgt, dass sein autistischer Sohn Julian die Schule seiner Wahl besuchen kann. Seither beschäftigen sich Sonja und Norbert Busch intensiv mit dem Thema „Inklusion“ und haben Kontakt zu Eltern mit den selben Problemen aufgebaut. Mit einer Fortbildung und Klausurtagung am Freitag in der Volkshochschule sowie dem Vortrag am Donnerstagabend findet Familie Busch nun verstärkt den Weg in die Öffentlichkeit, die sie für das komplexe und spannende Thema Inklusion sensibilisieren will.

Ein Glücksgriff war da die Einladung des Referenten Wilfried W. Steinert. Der Pädagoge, der die private Waldhofschule in Templin/Brandenburg - eine ehemalige private Förderschule für geistig behinderte Menschen – in eine Schule umwandelte, in der behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen, kann wie kaum ein anderer über die Herausforderungen und Erfahrungen mit Inklusion berichten. Nicht umsonst ist der ehemalige Vorsitzende des Bundeselternrates heute Mitglied des Sprecherrates des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission und Preisträger des Deutschen Schulpreises 2010.

Der pragmatisch querdenkende Pädagoge machte vor allem eines klar: Wenn die Inklusion in der Bildung gelingen soll, ist ein komplettes Umdenken bei allen Beteiligten unbedingt erforderlich. Bei den Eltern und ihren Kindern, bei Pädagogen und Politikern, bei der Gestaltung von Gebäuden und der Organisation des Unterrichts.

Geradezu leidenschaftlich berichtete Steinert, wie viel Vielfalt und Potenzial in einer inklusiven Klasse stecken. Aber eben auch Neugestalten und Umlernen. „In der Inklusion sind neue Formen des Lernens nötig. Nicht der Schüler muss sich der Schule anpassen, sondern die Lehrer gestalten den Unterricht nach den individuellen Bedürfnissen des Schülers.“ Und dazu bedarf es eines multiprofessionellen Teams, bestehend aus Fachlehrer, Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiter und Schulbegleiter.

Aus den Erfahrungen, über die der Bildungsexperte aus den vergangenen Jahren berichten konnte, wurde mehr als deutlich, wie komplex das Thema und wie groß die Herausforderungen bei der Umsetzung sind. Mit dem Ziel, „jedes Kind optimal zu fördern und herauszufordern zu einer selbstbewussten, neugierigen Persönlichkeit, die motiviert ist, die vor ihr liegende Zukunft zu gestalten.“

 
 

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