Reduzierung nicht einfach umkehrbar

Iserlohn.  Nach derzeitigem Kenntnisstand stehen keine Beschlüsse an, gleichwohl wird sich der Rat in seiner Sitzung am Dienstag erneut mit dem Thema Schulentwicklungsplanung/Zweite Gesamtschule beschäftigen - auf Basis einer Informationsdrucksache. Ausgehend davon, dass die Errichtung einer zweiten Gesamtschule in Hennen weiter verfolgt wird, werden die notwendigen weiteren Schritte dargestellt.

Nächster Schritt ist demnach die Fassung eines Errichtungsbeschlusses und die Absenkung der Zügigkeit an der bestehenden Gesamtschule am Nußberg von sechs auf vier Züge. Danach muss der Errichtungsbeschluss bei der Bezirksregierung Arnsberg zur Genehmigung vorgelegt werden, mit folgenden Anlagen: Nachweis des Bedarfs durch verbindliche Elternbefragung oder vorgezogenes Anmeldeverfahren, ein genehmigter Schulentwicklungsplan, Ratsbeschluss zur Errichtung inklusive Festlegung der Zügigkeit, Nachweis darüber, dass keine anderen Schulen im Bestand gefährdet sind, Herbeiführen eines regionalen Konsenses und der Nachweis über ausreichende räumliche Voraussetzungen.

Auf ein möglicherweise heikles Problem wird in der Drucksache ausdrücklich hingewiesen: Sollte sich der Bedarf für die Errichtung einer zweiten Gesamtschule nicht nachweisen lassen, wäre die zuvor beschlossene Reduzierung der Gesamtschule Nußberg auf vier Züge nicht ohne weiteres wieder umkehrbar.

Weiterer Knackpunkt könnten die räumlichen Voraussetzungen sein: Wenn Ende Januar oder Anfang Februar 2013 das Anmeldeverfahren stattfindet, müssten rund sechs Monate später ausreichende Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Das bedeutet laut Drucksache, dass Investitionen bereits zu einem Zeitpunkt getätigt werden müssten, an dem die Nachfrage für die Schule noch nicht abschließend bestätigt ist. Es müsse eine Prüfung des zur Zeit bestehenden Raumangebotes durch die Bezirksregierung vorgenommen werden. Laut Assmann-Gutachten könne der Nachweis über ausreichende räumliche Möglichkeiten zum Schuljahr 2013/2014 nicht erbracht werden.

Abschließend weist die Verwaltung in der Drucksache darauf hin, dass gemäß Gemeindehaushaltsverordnung bei größeren Investitionen ein Vergleich von in Betracht kommenden Möglichkeiten gefordert wird.

Kein Gespräch zwischen Bildungsbündnis und Schulleitern

In der abgelaufenen Woche kam es nach Informationen unserer Zeitung nicht zu einem Meinungsaustausch zwischen Schulleitern und dem Bildungsbündnis aus SPD, Grünen, Linkspartei und FDP. Ein für den Montag geplantes Treffen ist demnach nicht zustande gekommen. Die Schulleiter, so war zu hören, wollten gemeinsam mit allen Parteien und nicht nur mit einem Teil der Politik sprechen. Dazu hätte dann am Mittwoch Gelegenheit bestanden - bei der Sitzung der Kleinen Kommission Schulentwicklungsplanung. Denn daran nahmen die Schulleiter teil, das Bildungsbündnis blieb dieser Sitzung aber fern.

Darüber sollen die Schulleiter sehr enttäuscht gewesen sein. Nach unseren Informationen soll Einigkeit darüber bestanden haben, dass bei allen weiteren Schritten die gesamte Iserlohner Schullandschaft betrachtet werden müsse. Eine zweite Gesamtschule, wo auch immer sie entstehe, löse die Probleme nicht. Eine solche Schule könne zudem nur bei einer guten Durchmischung der Schüler erfolgreich sein. Das werde zu Lasten der Gymnasien gehen. Die Aussage, dass die bestehenden Gymnasien durch eine zweite Gesamtschule nicht eingeschränkt würden, sei also falsch. Zudem müsse das Modell der Sekundarschule besser und intensiver dargestellt werden.

Kosten so hoch, weil ein „Prachtbau“ entstehen soll?

Derweil wird offenbar innerhalb des Bildungsbündnisses die Investitionssumme angezweifelt, die im Assmann-Gutachten benannt worden ist. SPD-Ratsherr Peter Leye kommt zu der Einschätzung, „dass wir in Hennen eine funktionsgerechte Schule unter Nutzung des Gebäudebestands bekommen können, die weniger als 20 Millionen Euro Investitionssumme ausmacht.“ Leye vertritt die Auffassung, dass dem Assmann-Gutachten ein „Prachtbau“ zugrunde liegt. Am Raumprogramm könnten Abstriche gemacht werden, ohne die Funktionsfähigkeit der Schule zu gefährden. Auch die Notwendigkeit einer Dreifachsporthalle sei zu hinterfragen.

Bei der Ausstattung der Schule könne auch auf Einrichtungsgegenstände zurückgegriffen werden, die etwa im Bereich der Hauptschulen nicht mehr benötigt würden. Und da die zweite Gesamtschule ja nicht von Beginn an die volle Raumkapazität benötige, so Leye, könnten Baumaßnahmen über mehrere Haushaltsjahre gestreckt werden. Drei Bauabschnitte könnten demnach auf sechs Haushaltjahre verteilt werden, je Haushaltsjahr wären dann nach Leyes Rechnung 3,5 Millionen Euro anfallen.

 
 

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