Privatbrauerei beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung

Geschäftsführer Lars Junker und Michael Hollmannhoffen darauf, dass ihr Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung bereits zum Wochenbeginn genehmigt wird.
Geschäftsführer Lars Junker und Michael Hollmannhoffen darauf, dass ihr Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung bereits zum Wochenbeginn genehmigt wird.
Foto: IKZ
Eine bittere Stunde für die Privatbrauerei Iserlohn: Am Donnerstag um 11 Uhr mussten Inhaber Michael Hollmann und Geschäftsführer Lars Junker den schweren Gang zum Insolvenzrichter in Hagen antreten.

Iserlohn.. „Wir haben um 11 Uhr am heutigen Donnerstag beim Hagener Gericht einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung abgegeben. Abgeben müssen, weil es so nicht mehr weitergehen konnte.“ Michael Hollmann, Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter der Privatbrauerei Iserlohn und sein Geschäftsführer Lars Junker, berichteten der Heimatzeitung am Donnerstagnachmittag mit einer Mischung aus Zerknirschtheit und Aufbruchstimmung im Konferenzraum des Verwaltungsgebäudes an der Grüner Talstraße von ihrem Gang zum Insolvenzrichter. Damit steht nun in den Gerichts-Akten, was seit Tagen bereits auf unterschiedlichen öffentlichen Kanälen in der Diskussion war und wahrlich nicht nur hinter vorgehaltener Hand berichtet wurde: Das Traditionsunternehmen ist zunächst einmal zahlungsunfähig. Doch Hollmann und Junker gaben im Gespräch auch sofort die neue Zielsetzung und Aktions-Losung aus: „Wir haben einen Plan, von dem wir nach wie vor überzeugt sind. Wir halten darin unser Ziel aufrecht, das Unternehmen so schnell wie möglich wieder auf Vordermann zu bringen und aus der Insolvenz herauszuführen. Die Geschäfte der Privatbrauerei mit guter Qualität und guten Produkten fortzuführen.“

Es fehlte das Geld für das tagtägliche Geschäft

Auf rund zweieinhalb Millionen Euro beziffert Hollmann die Höhe seiner aktuellen Verbindlichkeiten aus dem Iserlohner Unternehmen, zu dem auch der in diesem Jahr zugekaufte Abfüllbetrieb in Wesel gehört. Betonen wolle er allerdings, dass es sich diesen Verbindlichkeiten nicht um Löhne, Steuern oder Krankenkassen-Beiträge handle. „Es sind Rechnungen aller möglichen Lieferanten aufgelaufen. Rohstoffe, Produktions-Materialien, aber auch Forderungen von Energielieferanten und Banken. Am Ende fehlte uns das Geld für das tagtägliche Geschäft.“

Bereits vor Tagen war in den Berichten über die ernste wirtschaftliche Lage immer wieder von geplatzten Bankzusagen die Rede gewesen. Auch gestern bestätigte Hollmann noch einmal, dass man sich im Nachhinein von einem auswärtigen Bankunternehmen getäuscht fühle. „Wir hatten die klare Zusage und auch eine nochmalige, kurzfristige Prüfung unserer aktuellen und geplanten Situation durch das Finanz-Unternehmen hat zu einem positiven Ergebnis geführt. Die plötzliche Absage hat unser völlig überrascht und geschockt.“ Und sie habe allerdings der Geschäftsleitung auch jede Möglichkeiten genommen, kurzfristig mit anderen Banken in neuerliche Gespräche einzutreten. Überhaupt habe der Zeitfaktor zum Schluss gegen das Unternehmen gespielt: „Natürlich haben sich gerade in den letzten Tage durchaus potenzielle Investoren bei uns gemeldet, aber die wollen erst einmal Informationen und diese dann auch erst einmal auswerten. Diese Zeit hatten wir aber nicht mehr.“

Zu einer umfassenden Analyse der tatsächlichen Gründe für die Insolvenz äußerten sich Hollmann und Junker noch nicht. Allerdings ließen sie auch die oft gemachten Vorhaltungen, dass es eine fatale Fehl-Entscheidung gewesen sei, das Fassbiergeschäft an die Krombacher zu veräußern, nicht gelten. „Wir stehen noch immer zu dieser Entscheidung. Das Geschäft mit unserem Fassbier ging doch in der Region immer weiter dramatisch zurück. Wir haben lediglich versäumt, die nach dem Fassbier-Verkauf im Unternehmen trotzdem verbliebenen Kosten in ausreichendem Maße hier zu senken.“

Vielleicht schon zu Beginn der neuen Woche hoffen die Verantwortlichen nun auf ein positives Signal des Gerichts, ob der Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens angenommen wird und ob darüber hinaus auch dem Sonderfall der „Insolvenz in Eigenverwaltung“ entsprochen wird.

Schlimmste Befürchtungen sind wahr geworden

Mit „die schlimmste Befürchtungen sind wahr geworden“, kommentierte am Abend Ralf Treske, der Vorsitzende des Betriebsrates bei der Privatbrauerei, die Geschehnisse des Tages. Er fügt aber auch hinzu, „dass es vielleicht aber so auch das Beste“ sei. „Es ist ja nicht das Ende, und wichtig ist doch zuerst einmal, dass wir weiter arbeiten und produzieren können und uns unsere Kunden nicht das verbliebene Vertrauen entziehen.“ Mit den Entscheidungen, diesen Weg zu gehen, sei schließlich der Versuch unternommen worden zu verhindern, dass „auch unsere Kolleginnen und Kollegen den Weg ins Heer der Hartz-IV-Empfänger antreten müssen.“ Zum jetzigen Zeitpunkt habe die Geschäftsführung das Vertrauen und die Unterstützung des Betriebsrates. „Herr Hollmann hat mir zugesichert, dass alle künftigen Entscheidungen insbesondere für die Mitarbeiter fair ablaufen werden.“

Junker und Hollmann informierten am späten Nachmittag die Abteilungsleiter über das eingeleitete Verfahren und werden sich dort vermutlich einer Fehler-Diskussion durchaus stellen. Gegenüber der Heimatzeitung resümierte er jedenfalls schon einmal so: „Auch ich habe Fehler gemacht, und dafür muss ich jetzt bluten!“

 
 

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