Premiere geht unter die Haut

Ralf Tiemann
Christopher Brauckmann hat mit seinem neuen Kammerchor im Pastoralverbund eine gelungene Premiere gefeiert.
Christopher Brauckmann hat mit seinem neuen Kammerchor im Pastoralverbund eine gelungene Premiere gefeiert.
Foto: Michael May IKZ
Kammerchor im Pastoralverbund beeindruckt beim Start der „Abendmusiken“

Iserlohn.  Sommerliche Kammerkonzerte im Pankratius-Forum, neue Kinderchöre im Iserlohner Norden und nun die „Geistlichen Abendmusiken“ in der Aloysius-Kirche – es macht Spaß zu sehen, wie Christopher Brauckmann in dem ohnehin schon starken kirchenmusikalischen Angebot Iserlohns immer wieder neue Nischen sucht, findet und auch noch als echte Bereicherungen des Konzertkalenders einbringt. Nach den leichten, eher weltlichen Sommerklängen am Klavier hat der katholische Kantor nun am Sonntag die „Geistlichen Abendmusiken“ mit ungleich stärkerem, religiösen Tiefgang und Themensetzung gestartet, und setzt damit einen neuen Akzent.

Kleines Ensemble mit großem Klang

Der Start am Sonntag war besonders bemerkenswert, weil gleichzeitig der neue Kammerchor im Pastoralverbund Premiere gefeiert hat. Anknüpfend an den Frauenkammerchor, den sein Vorgänger Tobias Aehlig bereits ins Leben gerufen hatte, versucht Christopher Brauckmann nun mit ambitionierten Sängern aus dem ganzen Pastoralverbund einen gemischten Kammerchor für besonders anspruchsvolle A-capella-Musik zu etablieren. Beim Start musste er „noch“ auf reichlich männliche Unterstützung aus Hagen zurückgreifen, um den zwölf Frauen im Sopran und Alt acht starke Tenöre und Bassisten entgegenstellen zu können.

Es ist zu hoffen, dass dieses „noch“ bald wegfällt, denn bisher musste man immer auf Gastauftritte von Kammerchören aus anderen, zumeist größeren Universitäts-Städten hoffen, um derart himmlische Chormusik genießen zu können. Bis in die Achtstimmigkeit trieb Brauckmann das kleine Ensemble, führte von der Renaissance bis in die Moderne durch viele unterschiedliche Stile und hielt doch alles durch das Bild des Kreuzes zusammen, um das sowohl die Musik als auch die eingestreuten Texte, gelesen von Rüdiger Lülff, kreisten. Mit seinem enorm kontrolliertem Dirigat, bei dem er schon mit kleinen Bewegungen große Wirkungen erzielte und mit großem Körperschwung riesige Wogen anschwellen ließ, gestaltete Brauckmann einen Chorklang, der gerade in diesem riesigen Kirchenraum unter die Haut ging und der nicht nur die Zuhörer beeindruckte. Auch die Sänger selbst, verstärkt durch fünf Mitglieder der Kölner Vokalsolisten für die Solo-Passagen, hatten spürbar Freude daran, ihren Gesang und ihre wohlgeformten Harmonien in den sekundenlangen Hall der Kirche zu stellen und den Klängen nachzuhängen. Ergänzend zu den Chorwerken hatte Christopher Brauckmann vier Choralvorspiele zur Passionszeit von Bach ausgewählt, mit denen er noch einen ebenfalls sehr stimmungsvollen instrumentalen Kontrast zu dem starken ersten Auftritt seines Kammerchores einbrachte.