Partizipation statt Integration gefordert

Mustafa El-Bouziani, Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Dimitrios Axourgos, Michael Scheffler und Ugur Ünal am Monatg im Senator-Pütter-Saal.
Mustafa El-Bouziani, Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Dimitrios Axourgos, Michael Scheffler und Ugur Ünal am Monatg im Senator-Pütter-Saal.
Foto: Josef Wronski/IKZ

Iserlohn.  Auf eine erfolgreiche Bilanz seiner bisher einjährigen Arbeit konnte am Montagabend der SPD-Arbeitskreis Integration und Migration (AIM) im Senator-Pütter-Saal zurück blicken, wie der scheidende Vorsitzende Ugur Ünal in seiner Begrüßung betonte.

Kooperationen mit 18 Vereinen und ähnlichen Organisationen wurden gebildet, ein intensiver Austausch habe befruchtend gewirkt. Als überaus positiv wertete Ünal, dass sich der AIM aus Mitgliedern mit verschiedener Zuwanderungsgeschichte, Sprachen, ethnischen und religiösen Wurzeln und interkultureller Kompetenz zusammen setze. Man sei mit vielen Bürgern, mit Vereins- und Gemeindevertretern, Mitgliedern aus der Verwaltung in Kontakt getreten und habe versucht, Probleme zu lösen. Unter dem Motto „Unsere Kinder - Unsere Zukunft“ wurde mit Führungskräften von Kindertageseinrichtungen und Schulleitern über bessere Bildungschancen für Kinder mit Migrationshintergrund debattiert. „Fakt ist, wir müssen in diesem Bereich noch sehr viel arbeiten, denn wir dürfen uns nicht mit dem Erreichten zufrieden geben“, so Ügur Ünal, der jetzt in gleicher Funktion im Kreis ehrenamtlich tätig sein wird. „Extremisten und Fundamentalisten, die unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährden wollen, haben bei uns keinen Platz“, so Ünals klare Stellungnahme.

Moderator und SPD-Stadtverbandsvorsitzender Dimitrios Axourgos konnte den über 200 Besuchern aus dem gesamten Märkischen Kreis danach den neuen AIM-Vorsitzenden, Mustafa El-Bouziani, vorstellen. Der 1970 in Marokko geborene, und seit über 30 Jahren in Deutschland lebende El-Bouziani ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Er nannte die AIM-Themenschwerpunkte für die kommenden Jahre. Dazu zählen Kontakte zur Kreispolizeibehörde, wo über das Thema Jugendkriminalität und inwieweit hier die Integration eine Rolle spielt, gesprochen werden soll. Auch die Kontakte zu Sportvereinen und Religionsgemeinschaften sollen verstärkt werden.

Landtagsabgeordneter Michael Scheffler stellte aus seiner Sicht die erfolgreichen Bemühungen der Landesregierung vor. So sei zum Beispiel das Landesintegrationsgesetz in Kraft, der Islamunterricht an Schulen auf den Weg gebracht.

Türkische Hardware,deutsche Software

Hauptredner des Abends war aber Kenan Kolat, der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, der extra aus Berlin angereist war. Überaus humorvoll aber auch hintersinnig beleuchtete Kolat die Integrationsdebatte aus teils ungewöhnlichen Blickwinkeln. So fing er mit einem Zitat von Karl Valentin an: „Es ist schon alles gesagt worden, aber noch nicht von allen“. Kolat forderte Partizipation statt Integration. Der gelernte Schiffstechniker bezeichnete sich selbst als jemanden mit „türkischer Hardware, aber deutscher Software“. Kritisch hinterfragte Kolat die Begrifflichkeiten von Einwanderung und Zuwanderung: „Kommt man rein oder kommt man dazu?“ In diesem Zusammenhang erinnerte Kolat daran, dass die Wanderungsbewegungen negativ seien. Mehr Menschen würden Deutschland den Rücken kehren, als hierhin zu kommen. „Wir brauchen aber eine jährliche Einwanderung von rund 300 000 Menschen!“ „Wir müssen Menschen einfach zusammen bringen“, war eine seiner Forderungen. An seine Landsleute gerichtet folgte der Appell: „Wichtig ist, dass alle, die hier leben und hier ihre Zukunft sehen, die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen“. So ließe sich auch die dringend erforderliche gesellschaftliche Teilhabe verbessern. Im Bildungssystem sieht er Schwächen bei der sprachlichen Förderung, so plädierte er auch für einen muttersprachlichen Unterricht. Fehlende Chancengleichheit machte er an einem Beispiel so deutlich: „Da haben zwei junge Menschen nach einem erfolgreichen Schulabschluss die gleichen Noten, aber der eine hat den falschen Namen und damit weniger Möglichkeiten.“

 
 

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