Neue Option im Schulpuzzle

Bis Ende März will  das Internationale Bildungs
Bis Ende März will das Internationale Bildungs
Foto: IKZ
In der kommenden Woche beschäftigt sich der Schulausschuss mit der Schulentwicklung im Bereich der weiterführenden Schulen. Eine völlig neue Wendung dürfte die Debatte bekommen angesichts einer neuen Option für Hennen: Das Internationale Bildungs- und Sozialwerk prüft dort die Gründung einer privaten Gesamtschule in der ehemaligen Hauptschule.

Iserlohn.  Das Internationale Bildungs- und Sozialwerk prüft die Gründung einer privaten Gesamtschule in der ehemaligen Hauptschule Hennen. Dies bestätigte gestern Heinrich Schnatmann als Geschäftsleiter des bundesweit tätigen Vereins und anerkannten Schulträgers auf Anfrage unserer Zeitung. Durch die Initiative des Bildungs- und Sozialwerks mit Sitz in Iserlohn erhält die Debatte über die Schulentwicklungsplanung eine neue Wendung - wenige Tage, bevor der Schulausschuss am 28. November zusammenkommt, um über die Ausweitung der Zügigkeit der Gesamtschule Nußberg und die Einrichtung von Sekundarschulen zu diskutieren.

„Wir sehen in Hennen durchaus Potenzial. Deswegen haben wir das Gespräch mit dem Bürgermeister und der Schulressortleiterin gesucht, um zu erfahren, ob die Stadt unser Vorhaben grundsätzlich positiv bewertet. Wir haben uns bei diesem Gespräch darauf verständigt, dass wir jetzt in die intensive Prüfung des Standortes einsteigen, um Ende März eine Entscheidung treffen zu können“, so Heinrich Schnatmann. Dass der Verein Chancen sieht, ein solches Projekt im Iserlohner Norden zu realisieren, liegt in den schulrechtlichen Rahmenbedingungen begründet, die es privaten Bildungsträgern gestatten, Gesamtschulen mit einer Mindestgröße von zwei Zügen zu betreiben, während öffentliche Gesamtschulen wenigstens vierzügig sein müssen.

Dass das Vorhaben des Bildungswerks für die Kommune durchaus Charme besitzt, erklärten gestern Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens und Schulressortleiterin Katrin Brenner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn es gelingen würde, zum Schuljahr 2015 eine private Gesamtschule in Hennen einzurichten und damit im Iserlohner Norden eine weiterführende Schule mit Zugang zum Abitur anbieten zu können“, betonte Ahrens. Mit dem Projekt des Bildungswerks aber werden zugleich die Karten in der Schulentwicklung neu gemischt, weiß Ressortleiterin Brenner, dass sich nun die Beratungen im Schulausschuss am kommenden Donnerstag deutlich verkomplizieren dürften.

Verwaltungsvorschläge für mehr Gesamtschulplätze

Dort nämlich sollen die Weichen gestellt werden, um den mit den Stimmen des „Bildungsbündnisses“ aus SPD, FDP, Grünen und Linken gefassten Beschluss zu realisieren, dass ab dem kommenden Schuljahr keinem Kind mehr wegen Raummangels der Besuch einer weiterführenden Schule verwehrt werden darf. Hierzu schlägt die Fachverwaltung vor, die Zügigkeit der an den Standorten Nußberg (Klassen 7-13) und Gerlingsen (Klassen 5-6) untergebrachten Gesamtschule in der Sekundarstufe von sechs auf acht zu erweitern und in der Oberstufe auf sechs Züge festzulegen. Um bereits zum Schuljahr 2014/2015 in Gerlingsen die Möglichkeit zu schaffen, acht Eingangsklassen aufzunehmen, müssten für eine Übergangszeit bis zur Realisierung eines endgültigen Raumkonzeptes Container angeschafft und aufgebaut werden. Hinzu kämen Umbauten im Bestand sowie eine Vergrößerung des bereits heute zu gering dimensionierten Mensabereichs. Die Gesamtkosten beziffert die Verwaltung in ihrer Vorlage auf 1,3 Millionen Euro, wobei der Ausbau der Mensa mit 630 000 Euro etwa die Hälfte ausmacht. Hinzu kämen jährliche Mietkosten für die Container über 100 000 Euro. Parallel hierzu empfiehlt die Verwaltung, zeitnah für den Gesamtschul-Standort Nußberg ein Raumkonzept für eine achtzügige Gesamtschule für die Stufen 7-10 sowie für eine sechszügige Oberstufe zu erstellen und mit einer Kostenschätzung zu versehen. Empfehlungen, die bis Freitag galten, bevor Heinrich Schnatmann sein Gespräch mit dem Bürgermeister und der Schulressortleiterin führte. Für Peter Paul Ahrens und Katrin Brenner steht nun jedoch fest, dass eine Entscheidung über die Aufstockung vertagt werden müsste, bis Klarheit darüber besteht, ob in Hennen eine private Gesamtschule entsteht.

Mit Blick auf die Einrichtung von Sekundarschulen hat die Verwaltung derweil die vier Standorte Bömberg/Wiesengrund, Hennen, Hemberg und Letmathe unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Bis auf Hennen sind an sämtlichen vorhandenen Haupt- und Realschulgebäuden die baulichen Voraussetzungen gegeben, auf preisgünstige Weise Sekundarschulen einrichten zu können. Anders sieht es im Iserlohner Norden aus: Um die räumlichen Kapazitäten an der ehemaligen Hauptschule zu schaffen, rechnet die Verwaltung mit einer Investition in Höhe von 13 Millionen Euro, zu denen noch die Kosten für eine Sporthalle, Außenanlagen und die Einrichtung hinzukämen.

Doch während sich die baulichen Lösungen als überwiegend unkompliziert darstellen, ist die Bereitschaft der Real- und Hauptschulen zur Umwandlung in Sekundarschulen nach den bisher vorliegenden Stellungnahmen stark unterschiedlich ausgeprägt. Während die Schulkonferenz der Martin-Luther-Hauptschule sich voll und ganz dem Vorschlag von Gutachter Dr. Rösner anschließt, dass die Haupt- und Realschulen ab dem Schuljahr 2015/2016 keine Schüler mehr im 5. Jahrgang aufnehmen, um statt dessen drei Sekundarschulen einzurichten, stimmt die Schulkonferenz der Hauptschule Letmathe der Umwandlung nur zu, da sie aufgrund sinkender Schülerzahlen keine Alternative zum Erhalt des Schulstandorts Letmathe sieht. Eindeutig negativ fällt hingegen das Votum der Schulkonferenz der Realschule Letmathe aus. „In Letmathe sind sowohl die Realschule als auch die Hauptschule zwei stabile und anerkannte Systeme“, heißt es in der Stellungnahme, wobei die Realschule in Letmathe die Schulform sei, die seit Jahren am häufigsten von den Eltern gewählt werde. Eine Abschaffung entspreche somit auch nicht dem Elternwillen.

 
 

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