Neue Anlage im Kampf gegen PFT im Abwasser

Torsten Lehmann
Die neue Anlage mit Kiesfiltern, Ionenaustauschern und Aktivkohle-Absorbern, für die eine 200 Quadratmeter große Halle auf dem ZEA-Gelände errichtet wurde, ist der ganze Stolz von Betriebsleiter Martin Bischop und seinem Team.
Die neue Anlage mit Kiesfiltern, Ionenaustauschern und Aktivkohle-Absorbern, für die eine 200 Quadratmeter große Halle auf dem ZEA-Gelände errichtet wurde, ist der ganze Stolz von Betriebsleiter Martin Bischop und seinem Team.
Foto: IKZ
Die Zentrale Entsorgungsanlage an der Scheffelstraße betritt mit einer 1,8-Millionen-Euro-Investition Neuland.

Iserlohn.  Sie machen Jacken wasserdicht, lassen Löschschaum nicht so schnell zerfallen und tragen unter anderem auch zum Arbeits- und Gesundheitsschutz in der galvanischen Industrie bei: Perfluorierte Tenside, kurz PFT.

Allerdings sorgt ihre dafür genutzte Eigenschaft, die große Widerstandsfähigkeit gegen chemische und thermische Einflüsse, andererseits dafür, dass die Verbindungen in der Natur nicht abgebaut werden. Und PFT steht im Ruf, krebserregend zu sein.

Auch wenn das bislang noch nicht erwiesen ist, war es mit Blick auf die Gewässergüte für die Ruhr-Wasserwirtschafts-Gesellschaft, eine 100-prozentige Tochter des Ruhrverbandes, der die Kläranlagen an der Ruhr betreibt, Grund genug für die bisher größte Investition in eine einzelne Anlage in der 52-jährigen Geschichte der Zentralen Entsorgungsanlage (ZEA) an der Scheffelstraße: Für 1,8 Millionen Euro entstand seit Juli 2015 eine PFT-Abwasserbehandlungsanlage.

Anlage in der Form und Größe wahrscheinlich nicht nur in der Region einmalig

„Die Bezirksregierung Arnsberg hat uns als Genehmigungsbehörde bescheinigt, dass wir damit Neuland betreten“, berichtet Betriebsleiter Martin Bischop mit hörbarem Stolz. Und berechtigtem dazu, denn wahrscheinlich ist die Anlage in der Form und Größe nicht nur in der Region einmalig: „Mir ist zumindest keine andere bekannt“, sagt der Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik. In Galvaniken gebe es zwar kleinere Anlagen, um PFT im Abwasser zu reduzieren, aber eben nicht mit der theoretisch möglichen Leistung (18 Kubikmeter pro Stunde) und der Technologie.

Bislang kamen in der ZEA stets zeitlich befristet so genannte Aktivkohle-Absorber zum Einsatz, mit denen 70 bis 80 Prozent vom PFT aus dem industriellen Abwasser entfernt werden konnten. „Die Aktivkohle verfügt über eine sehr große Oberfläche, mit der sie die Verbindungen und weitere Stoffe, die den Chemischen Sauerstoffbedarf ausmachen und das Abwasser belasten, an sich binden.“

Der genaue Wirkungsgrad wird derzeit noch analysiert

Zusätzlich können jetzt bei der neuen Anlage noch Ionenaustauscher vorgeschaltet werden, die ebenfalls die PFT-Verbindungen binden. Wie hoch der Wirkungsgrad durch die Kombination der Technologien ist, und vor allem welche Mengen die Anlage tatsächlich leisten kann, kann Martin Bischop noch nicht sagen, auch wenn die Anlage bereits seit Ende Februar störungsfrei läuft. „Die PFT-Analytik dauert immer sehr lange.“

Doch der 49-Jährige, der die ZEA seit 1994 leitet, ist zuversichtlich, mit seinem elfköpfigen Team eine dauerhafte Lösung gefunden zu haben, die PFT-Verbindungen aus dem Abwasser zu holen. „Wir machen damit mehr als wir müssten“, macht der Prokurist deutlich, dass über PFT zwar seit dem Skandal um aus Industrieabfällen hergestellten Dünger, der im Jahre 2006 für Belastungen auf Feldern, in der Ruhr und im Möhnesee sorgte, diskutiert werde, gesetzliche Regelungen zur Behandlung des Abwassers diesbezüglich aber fehlen. Neben der Verantwortung gegenüber der Natur sei die neue Anlage aber auch künftig ein gutes Argument für die Kunden beispielsweise aus dem Automotive-Bereich, da Umweltmanagement bei den Autokonzernen eine immer wichtigere Rolle spiele.