„Müssen Führungsrolle annehmen“

Die Liste der Optimierungsvorhaben des neuen BiTS-Rektors Prof. Dr. Stefan Stein
Die Liste der Optimierungsvorhaben des neuen BiTS-Rektors Prof. Dr. Stefan Stein
Foto: IKZ
Der neue BiTS-Rektor Prof. Stein im Gespräch über Pflicht zu der Begeisterung und der Suche nach neuer Nähe.

Iserlohn..  An großer Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit, aus Überzeugung gelebter Bodenständigkeit und auch einer ganz besonderen Form von innerer Aufbruch-Stimmung mit gleichzeitig fester Entschlossenheit zur Befriedung und Beruhigung scheint es diesem Professor Dr. Stefan Stein, seit Mitte Januar neuer Rektor der privaten Hochschule BiTS am Seilersee, auf jeden Fall nicht zu mangeln. Irgendwie kommt er auch auf den ersten Blick sofort authentisch rüber an diesem Mittag in seinem noch ziemlich karg eingeräumten und auf den Anstreicher wartenden Rektoren-Büro, wenn er über die Notwendigkeit der regionalen Verwurzelung der Hochschule spricht: „Natürlich brauchen wir sie zum Leben. Genau diese Vernetzung hat uns doch stark gemacht.“ Und wenn er von „unserer Region“ spricht, dann meint er das ja schließlich auch so. Schließlich kommt er gebürtig aus Altena, wohnt heute in Dahle, knapp unterm Kohlberg. Und das erzählt der 49-jährige Familienvater sogar gern und offenbar aus tiefster Überzeugung.

Nach Irrungen auf dem Rektoren-Stuhl gelandet

Natürlich können und wollen wir hier nicht über die Zukunft sprechen, ohne einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Aber über seinen Vorgänger im Amt, den Iserlohner Professor Dr. Volker Busch, wird Stefan Stein in der nächsten Stunde kaum ein Wort verlieren. Und ein negatives schon gar nicht. Auch nicht über die offensichtlichen und nach außen wirkungsvollen Irrungen und Wirrungen um die in der deutschen Laureate-Managementetage getroffenen Personalentscheidungen, die letztlich mit seiner Inthronisation auf dem Rektorensessel endeten.

Und auch damit, dass der Sessel des ebenfalls ebenso urplötzlich wie nach außen mehr oder weniger wort- und kommentarlos verabschiedeten Kanzlers Dr. Hirschbiegel noch erst wieder besetzt werden muss. Auch Carlos Bertrán, der Deutschland-Chef des international operierenden und mit rund einer Million Studenten weltgrößtem Bildungskonzerns, der BiTS-Mutter Laureate, der sich vor Tagen eigens an den Seilersee begeben hatte, um dem Führungswechsel das nach innen wie außen deutlich erkennbare Gewicht der Chef- und Aufbruchssache zu verpassen, kommt im Mittags-Gespräch kaum vor. Professor Stein vermittelt aber vielmehr unaufgeregt den Eindruck, dass all das, was er sagt, die deutsche und europäische Führungsmannschaft genau so sehen oder sagen würde und dass nun nach ein paar auf den ersten Blick vielleicht wenig verständlichen, aber angeblich dringend notwendigen Richtungskorrekturen wieder der gemeinsame Kurs am BiTS-Kompass anliegen würde.

Also tritt der neue Kapitän auf Nachfrage der Heimatzeitung dann auch ganz entschlossen den rund um den Campus kursierenden Gerüchten entgegen, dass sich Laureate im Innern bereits langsam für den möglichst leisen, aber geordneten Rückzug aus Iserlohn rüste, um sich zukünftig lieber in den deutschen Metropolen Berlin und Hamburg um einen weiteren Ausbau zu bemühen. „Nein! Der Exodus nach Berlin oder Hamburg findet nicht statt“, sagt Professor Dr. Stefan Stein mit deutlicher Bestimmtheit. In Iserlohn sei die Unternehmerhochschule BiTS nun einmal gegründet worden und hier habe sie auch mehr denn je ihre Existenz- und Expansions-Berechtigung. Und er sei eben auch angetreten, die BiTS mit den drei Standorten, von denen Iserlohn schließlich auch nach wie vor und auf lange Sicht der bedeutendste sei, von „hier aus zu führen“. Was natürlich nicht heißen würde, dass er von nun an mit seinem Schreibtisch in der Waldstadt unverbrüchlich verwachsen sei. „Ich muss als Rektor überall da sein, wo eben dieser unser BiTS-Spirit auch gelebt werden wird.“

Weit davon entfernt, nur ein „Abwickler“ zu sein

Und auch in einem weiteren Punkt gibt sich der anerkannte Wirtschaftswissenschaftler, der seit neun Jahren an der Hochschule in Iserlohn lehrt und forscht und zudem bereits in den letzten neun Monaten das Amt des Pro-Rektors innehatte, kompromisslos. Aus Kreisen der Hochschule aber auch der märkischen Öffentlichkeit war in den letzten Wochen immer wieder und zum Schluss auch verstärkt gemutmaßt worden, der neue Rektor sei vermutlich nur noch als „Abwickler des Iserlohner Engagements“ tätig. Informationen, dass immer mehr Entscheidungskompetenzen vom Ufer des Seilersees an die Elbe und an die Spree abwandern bzw. abgezogen worden seien, hatten offenbar diesen Eindruck entstehen lassen. „Wenn man das gewollt hätte, hat man den Verkehrten zum Rektor gemacht!“ Professor Stein gibt sich kämpferisch und mit breiter Brust: „Im Gegenteil, ich bin mir sicher, dass die Laureate-Gesellschafter auf mein Wort hören, dass sie auf meine Ideen setzen.“ Er sei ja schließlich auch in den zurückliegenden Diskussions- und Entscheidungsprozessen nicht dadurch aufgefallen, dass er sich auch gerade in systemkritischen Diskussionen zurückgehalten hätte.

Allerdings habe er eben auch, nicht zuletzt nach ersten intensiven Gesprächen mit den regionalen Meinungsführern aus Wirtschaft und Politik, den festen Willen und auch den gefühlten Auftrag, dass „wir uns hier in Iserlohn der Führungsrolle für das Deutschland-Engagement schon bewusst sein müssen. Und diese Rolle auch annehmen müssen. Wir wollen, müssen und werden die Hochschule BiTS in ihrer nationalen Reichweite von hier aus führen.“ Dazu gehörten dann natürlich auch die so gefassten weiteren perspektivischen Beschlüsse ‚Wir wollen hier weiter investieren‘ und ,Wir wollen weiter wachsen‘. „Die Familienunternehmen der Region zeigen uns doch schließlich im Alltag, dass und wie es geht.“

„An unseren Kontakten in die Region müssen wir arbeiten“

Hier wirft der neue Rektor auch ganz kurz einmal einen Blick in die Vergangenheit. „Bei den Kontakten in die Region hatten wir in der Tat einigen Stillstand. Daran arbeite ich ja seit meiner ersten Amtsstunde. Wir sind wieder auf einem guten Weg.“

Zum Aufbruch gehöre allerdings zudem auch, dass er den Studenten inzwischen versprochen habe, dass sie zukünftig und noch verstärkter im Mittelpunkt aller Überlegungen der Hochschul-Verantwortlichen stünden. Sie gelte es zukünftig ebenso wie die Partner des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens wieder deutlicher in den Bann zu ziehen: „Wir haben erst dann die Rechtfertigung für unser Tun, wenn wir sie wirklich begeistern können.“ Allerdings sei das auch keine Einbahnstraße. „Wir befinden uns derzeit in einem nachhaltigen Prozess des voneinander Lernens.“

Auf seine Art scheint dieser Professor Dr. Stefan Stein ein ausgesprochener Überzeugungstäter zu sein, wild entschlossen, dem schlafenden oder derzeit leicht irritiert wirkenden Riesen BiTS neuen Schwung zu geben. Dabei nimmt er auch gern in Kauf, dass die Organe des Riesen im Land verteilt sind, er will aber offenbar auf jeden Fall dafür kämpfen, dass des Riesen Herz auch weiterhin in Iserlohn schlägt. Und er ist sich sicher, dass er damit auch auf Laureate-Linie liegt: „Die Gesellschafter kennen mich doch auch schon lange!“

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