Missbrauchsvorwurf gegen Trainer

Am Dienstag beim  Prozessauftakt vor  der 1. großen Strafkammer am Landgericht Hagen verdeckte der Angeklagte zunächst sein Gesicht. Dem Handballtrainer wird schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen
Am Dienstag beim Prozessauftakt vor der 1. großen Strafkammer am Landgericht Hagen verdeckte der Angeklagte zunächst sein Gesicht. Dem Handballtrainer wird schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen
Foto: IKZ
Der Angeklagte soll – vermutlich Ende 1998 – damit begonnen haben, einen damals elf- oder zwölfjährigen Jungen sexuell zu missbrauchen.

Iserlohn/Hagen..  Mit einem aufgeschlagenen DIN-A4-Block verdeckt der 36-jährige Angeklagte sein Gesicht, als er den Gerichtssaal am Hagener Landgericht betritt. Erst als ein Kameramann den Gerichtssaal verlässt und auch Fotoapparate zur Seite gelegt werden, legt der Mann den Block auf den Tisch. Es sind schwere Vorwürfe, die dem Iserlohner zur Last gelegt werden: Er soll – vermutlich Ende 1998 – damit begonnen haben, einen damals elf- oder zwölfjährigen Jungen sexuell zu missbrauchen. Über mehrere Jahre steigerte sich laut Anklage und Aussage des Opfers die Intensität der Missbrauchshandlungen. So soll der Angeklagte, damals selber Anfang 20, sein Opfer auch zum Oralverkehr und Analverkehr bewegt beziehungsweise gedrängt haben. Beim gestrigen Prozessauftakt vor der 1. großen Strafkammer schwieg der Mann noch zu allen Vorwürfen, fortgesetzt wird die Verhandlung nun am 18. Februar.

Wirklichkeit, oder nur etwas geträumt?

Der mutmaßlicher Täter und sein Opfer kannten sich vor Beginn der mutmaßlichen Missbrauchshandlungen bereits recht gut. Der Junge spielte Handball, der Angeklagte war damals sein Trainer. Noch näheren Zugang zum Opfer bekam der Mann, weil er eine Dachgeschosswohnung bei der Großmutter des Opfers bezog und das Kind in dieser Wohnung auch ab und an übernachtete. Anfangs, so der heute 27-Jährige, habe er nicht gewusst, ob er da etwas geträumt habe, oder ob das Wirklichkeit war. Denn den ersten Übergriff soll es gegeben haben, als das Kind schlief, aber dann wohl erwachte.

Oralverkehr, Analverkehr, auch wechselseitig: Warum habe er sich nicht dagegen gewehrt oder viel früher etwas gesagt, wollte der Vorsitzende Richter wissen. Er habe Angst davor gehabt, dass etwas rauskommt, Angst davor, dass er in der Schule dann als „Schwuler“ gehänselt werde. Und auf die Frage, wie er die sexuellen Handlungen empfunden habe, sagt er vor Gericht: „Dreckig, schmutzig, ekelhaft“. Woher er gewusst habe, was er denn genau tun solle, wollte der Richter außerdem wissen. Anfangs seien Comic-Pornos, später auch richtige Pornos vorgespielt worden. Die hätten gewissermaßen als Anschauungsmaterial gedient.

Hätte es früher auffallen müssen, dass da etwas nicht stimmt? Die Großmutter wunderte sich, dass die Tür abgeschlossen war, wenn ihr Enkel beim Mieter war. Aber letztlich ging sie der Sache wohl nicht näher nach. Später soll es auch zu Übergriffen in einer anderen Wohnung des Angeklagten und einmal auch in der Wohnung der Mutter des Opfers gekommen sein.

Erstmals konkret und auch mit Details hat sich der 27-Jährige seiner heutigen Ehefrau offenbart. Seine Eltern hätten ihn dann schließlich überzeugt, zur Polizei zu gehen. So wurde der Fall vor anderthalb Jahren schließlich aktenkundig, Ermittlungen begannen.

Opfer bekam späterein Drogenproblem

Spätestens, als das Opfer 16 war, hörten die Übergriffe nach eigener Aussage wohl auf. Das Kapitel war damit aber längst nicht beendet. Ernsthafte Drogenprobleme prägten das Leben künftig mit. Er habe auch deshalb Drogen genommen, weil er Probleme damit hatte, die Erlebnisse zu verarbeiten, sagte der junge Mann vor Gericht, inzwischen sei dieses Drogenproblem aber gelöst. Der 27-Jährige ist mittlerweile selbst Vater.

Ist der Angeklagte noch bei seinem Verein VfK Iserlohn als Trainer im Nachwuchsbereich tätig? Das ist offensichtlich nicht der Fall. Zur Frage, wann er diese Tätigkeit eingestellt hat, gibt es allerdings widersprüchliche Aussagen. Nach Informationen der Heimatzeitung wurden vor rund fünf Jahren andere Vorkommnisse bekannt, die nahelegen, dass sich der Angeklagte zu Kindern oder Jugendlichen hingezogen fühlt. Danach sei er auch aus dem Jugendbereich des Vereins abgezogen worden. Einige Zeit später, so ein Insider, habe man diese Linie aber wieder verlassen.

Dazu erklärte VfK-Vorstandsmitglied Burkhard Badtke gestern auf Nachfrage: „Im Juni 2009 wurden uns Sachverhalte bekannt gegeben, die gegebenenfalls Verdachtsmomente hätten begründen können. Der Verein hat sich daraufhin unverzüglich mit der zuständigen Polizeibehörde in Verbindung gesetzt.“ Es sei seitens der Polizeibehörde zum damaligen Zeitpunkt darauf hingewiesen worden, dass kein Anfangsverdacht bestehe und dass kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Nichtsdestotrotz sei der Trainer zunächst freigestellt worden. Badtke weiter:„Es wurden Gespräche mit den betroffenen Eltern geführt. Weitergehende Verdachtsmomente ergaben sich zum damaligen Zeitpunkt weder aus Sicht der betroffenen Eltern noch aus Sicht der Behörden. Als Anfang März 2013 bekannt wurde, dass ein Ermittlungsverfahren aufgrund der nun in Rede stehenden Vorwürfe, die 15 Jahre zurückliegen, eingeleitet wurde, wurde der Trainer unverzüglich von seinen Aufgaben entbunden.“

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