„Meisterwerke des fremden Blicks“

Blick in die Ausstellung von Dirk Vogel „Gesichter der Friedlichen Revolution“ im Stadtmuseum.
Blick in die Ausstellung von Dirk Vogel „Gesichter der Friedlichen Revolution“ im Stadtmuseum.
Foto: IKZ

Iserlohn..  Wir alle haben noch die Bilder im Kopf, als sich die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten am 9. November 1989 wie durch ein Wunder plötzlich öffnete. Dem waren wochenlange Demonstrationen und Rufe nach Freiheit und „Wir sind das Volk!“ vorausgegangen. Zigtausende hatten damals den Mut, friedlich gegen das totalitäre DDR-Regime zu protestieren. Einige der herausragenden Köpfe aus dieser Zeit sind uns noch in Erinnerung, aber die große Masse derer, die damals den Protest getragen haben, in kirchlichen Gruppen, in Freundeskreisen, sind längst dem kollektiven Vergessen anheim gefallen.

Der in Lüdenscheid geborene und in Dortmund lebende Fotograf Dirk Vogel setzte mit seinem Projekt „Gesichter der Friedlichen Revolution“ gerade vielen vergessenen Oppositionsführern dieser geschichtsträchtigen Zeit ein Denkmal. Gefördert wurde es von der „Robert Havelmann Gesellschaft - Archiv der DDR-Opposition“, die auch das entsprechende Buch, das 2011 erschienen ist, herausgegeben hat.

Das Stadtmuseum zeigt nun in seiner neuen Ausstellung - in Kooperation mit der Städtischen Galerie - knapp 50 dieser Porträts, im Buch sind es 63. Darunter finden sich neben prominenten Namen wie dem Liedermacher Wolf Biermann, der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes, Marianne Birthler, oder Bärbel Bohley, die Mitbegründerin des „Neuen Forum“ im September 1989.

Doch zumeist, und dies macht diese Ausstellung so spannend, sind es die vergessenen Gesichter der friedlichen Revolution, die in eindrucksvollen Porträts und einfühlsamen Texten von hochrangigen Autoren vorgestellt werden. So etwa Aram Radomski und Siegbert Schefke, die von einem Glockenturm heimlich Aufnahmen von der Leipziger Montagsdemonstration drehten, die dann am 10. Oktober 1989 in den ARD-Tagesthemen ausgestrahlt wurden. So konnten auch die DDR-Bürger via West-Fernsehen erleben, dass 70 000 friedliche Demonstranten gegen das Regime aufstanden und „Wir sind das Volk!“ riefen.

Doch wie ist Dirk Vogel, im tiefen Südwestfalen geboren, auf die Idee gekommen, sich mit diesen Lebensläufen zu beschäftigen. „Eher durch Zufall“, erzählt der Fotograf, der auch schon mit seiner Porträt-Serie über deutsche Juden viel Aufmerksamkeit bekam und die auch 1999 in der Städtischen Galerie präsentiert wurde, im Gespräch. Er habe vor einigen Jahren eine Zeitungsmeldung gelesen, dass sich bei Führungen im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen frühere Stasi-Mitarbeiter unter die Besucher mischten und gegen die ehemaligen Opfer des SED-Regimes regelrecht pöbelten. Dies habe ihn empört. So sei diese Idee entstanden. Als „Meisterwerke des fremden Blicks auf ,unsere Menschen’“ bezeichnet 2011 Christoph Diekmann in der „Zeit“ diese Schwarz-Weiß-Porträts. Entstanden sind sie zumeist im direkten Umfeld der gezeigten Personen, oft im Dialog mit den Porträtierten. Nur so entsteht visuelle Wahrhaftigkeit, sagt Dirk Vogel.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 9. September, um 11.30 Uhr im Stadtmuseum. Die Begrüßung erfolgt durch Museumsleiter Gerd Schäfer, die Einführung erfolgt durch Galerie-Leiter Rainer Danne.

 
 

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