Lokalen Nachrichten am CD-Spieler lauschen

Zu den Abonnenten der Hörzeitung gehört auch Friedrich de Vries (re.). Er freut sich jede Woche auf die vom ehrenamtlichen Mitarbeiter-Team (hinten) produzierte CD im Daisy-Format
Zu den Abonnenten der Hörzeitung gehört auch Friedrich de Vries (re.). Er freut sich jede Woche auf die vom ehrenamtlichen Mitarbeiter-Team (hinten) produzierte CD im Daisy-Format
Foto: IKZ
Als sehbehinderter oder blinder Mensch auf das Zeitungsstudium verzichten? Keinesweg, denn dafür gibt es die „Iserlohner Hörzeitung“.

Iserlohn..  Beim Frühstück die Zeitung lesen: für viele Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Es gibt aber auch diejenigen, denen das durch ein gesundheitliches Handicap nicht möglich ist, beispielsweise den sehbehinderten oder blinden Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Einer von ihnen ist der 78-jährige Friedrich de Vries. Der in Dröschede wohnende Senior erblindete nach einer verschleppten Kopf-Grippe quasi „über Nacht“. Bei ihm wurde eine „Sehnerv-Entzündung mit Gewebeschwund“ diagnostiziert. Ob wohl er nichts mehr sieht, braucht er auf die Informationen aus der Zeitung nicht zu verzichten, denn samstags bekommt er die Iserlohner Hörzeitung „Hören statt Lesen“, ein lokales Angebot für blinde und sehbehinderte Menschen in Iserlohn und Hemer auf CD im „Daisy-Format“ (Digital Accessible Information System) ins Haus.

Inzwischen schätzen 35 Abonnenten das Angebot

Der Benutzer kann mit einem entsprechenden Gerät nicht nur von Kapitel zu Kapitel springen – er kann auch über mehrere Hierarchiestufen vom Kapitel über die Seitenzahl bis zum einzelnen Satz oder einer Fußnote und wieder zurück springen. Die CD eignet sich aber auch für ein MP3-fähiges CD-Gerät. Die Hörzeitung kostet 3,60 Euro im Monat (Selbstkostenpreis) und wird unterstützt von den Tageszeitungen Iserlohner Kreisanzeiger und Westfälische Rundschau, dem Stadtspiegel, dem Wochenkurier, dem Förderverein Lokalfunk Iserlohn e.V., „Continue“, dem ehrenamtlichen Dienst der Stadt Iserlohn und dem Verein „Aktion Tonbandzeitung für Blinde e.V.“ in Holzminden.

Die Idee einer „Blindenzeitung“, wie sie in den Anfangsjahren hieß, wurde 1981 im örtlichen Blindenverein geboren, erinnert sich Friedrich de Vries, der dieser Gemeinschaft angehört. Der Verein fand in dem ehemaligen Bürgermeister Günter Einert einen großen Fürsprecher dieses Projektes, das Dank der Unterstützung durch die hiesigen Zeitungen und die Volkshochschule Gestalt annahm. Es fehlte nur das Geld, und das kam durch eine Spende einer Gaststätte zusammen. Leider kann sich Friedrich de Vries nicht mehr an den Namen dieser Gaststätte erinnern. Irgendwann war das Geld aufgebraucht und damit endete (vorerst) auch die Geschichte der „Blindenzeitung“. Wie ein „Phönix aus der Asche“ erhob sich dann 1997 die Hörzeitung. Die CD enthält, neben Lokalnachrichten mit der meisten Sendezeit, Informationen zu den Themen Kultur, Kirchliches, Gesundheit, Reisen und Unterhaltung. Sie wird jeden Mittwoch um 9 Uhr in den Räumen des Fördervereins Lokalfunk („Fölok“) durch 21 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produziert. Die CD-ROM geht dann zur ATZ, wird vervielfältigt und auf den postalischen Weg zu den Abonnenten in Iserlohn und Hemer gebracht. Das Angebot „Hören statt Lesen“ in Iserlohn und Hemer hat derzeit 35 Abonnentinnen und Abonnenten. Sie trafen sich am Dienstag bei Kaffee und Kuchen im Seniorenzentrum Waldstadt zu ihrem jährlichen Gedankenaustausch. Für die musikalische Unterhaltung sorgte Bernd Winkler von der Landsmannschaft der Donauschwaben. Ein besonderer Gruß galt Charlotte Kroll vom „Fölok“, die den Gästen in einem kurzen Vortrag die Arbeit und Aufgaben des Fördervereins nahe brachte. Sie stellte den Gästen auch das Projekt „Neue Brücke“ vor. Die „Neue Brücke“ ist das Dach für die Projekte „Kinderlobby“ und „Continue“ der Stadt und gehört ebenfalls zu den Unterstützern der Hörzeitung.

 
 

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