Kein Mangel an drängenden Themen

Hermann Schwerter blickt im Gespräch mit unserer Zeitung auf 15 Jahre Kinderlobby zurück und in die Zukunft.
Hermann Schwerter blickt im Gespräch mit unserer Zeitung auf 15 Jahre Kinderlobby zurück und in die Zukunft.
Foto: Ralf Tiemann
Die Kinderlobby wird 15 Jahre alt – ein Gespräch mit dem Vorsitzenden .

Iserlohn..  15 Jahre wird die Kinderlobby in diesem Herbst alt. Ein Blick zurück auf die Anfänge führt zu einem brandaktuellen Thema: Gewalt an Schulen. Das Thema muss damals große Wellen geschlagen haben, denn so wie in Iserlohn gab es in vielen Städten Aktionen und Projekte dazu. „Wir haben damals ein sehr aufwändiges und aufsehenerregendes Theaterprojekt durchgeführt“, erinnert sich Hermann Schwerter, der von der ersten Stunde an zum Vorstand zählt und die Kinderlobby derzeit kommissarisch leitet. Der Vorfall an einer Gesamtschule in Euskirchen, wo ein Junge von einem Mitschüler beinahe tot geprügelt wurde, hat das Thema „Gewalt an Schulen“ nun aktuell wieder auf die Tagesordnung gebracht – allerdings mit der Erkenntnis, dass laut Statistik die Gewalt an Schulen in den letzten 20 Jahren signifikant abgenommen hat. Sollten Initiativen wie die Kinderlobby also tatsächlich etwas bewirken?

Arbeit der Kinderlobbyhat sehr viel bewirkt

Auf jeden Fall, sagt Hermann Schwerter. Das könne man auch in Iserlohn sehen. Die konkreten Projekte wie die Finanzierung von heilpädagogischem Unterricht an Grundschulen, die „Neue Brücke“ für preisgünstige Schulmaterialen oder der ehrenamtliche Sprachunterricht für Flüchtlingskinder, hätten die Situation in Iserlohn auf jeden Fall verbessert. Und darüber hinaus habe sich Iserlohn zu einer ausgesprochen kinderfreundlichen Stadt mit einem Kinder- und Jugendbüro, vergleichsweise sehr gut ausgestatteten Schulen und guten Spielplätzen entwickelt. „Das wollen wir nicht der Kinderlobby allein auf die Fahnen schreiben“, sagt der 63-jährige Vater von drei Söhnen lachend. Einen gewissen Anteil habe sein Verein aber schon daran, dass die „Förderung der Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Iserlohn“, wie es im Vereinsnamen heißt, bei der Politik einen so hohen Stellenwert habe.

Ausgangspunkt für diese Entwicklung war das eingangs erwähnte Theaterprojekt, in dessen Anschluss sich alle einig gewesen seien, dass es irgendwie weitergehen solle und Peter Bochynek schließlich die Kinderlobby gründete. „Ich wurde im Grunde zur richtigen Zeit angesprochen“, erinnert sich Hermann Schwerter, der als Unternehmer einer der ganz wenigen Aktiven der Lobby ist, der beruflich gar nichts mit dem Thema zu tun hat. Er habe aber damals das Theaterprojekt als Präsident des Rotary-Clubs Iserlohn-Waldstadt begleitet, und Peter Bochynek wollte gerne auch einen Unternehmer im Vorstand haben. „Deutschland lebt vom Mittelstand, nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Gesellschaft. Und es ist gut und richtig, wenn sich Mittelständler auch vor Ort engagieren“, begründet er seine damalige Entscheidung, als stellvertretender Vorsitzender in den ersten Vorstand einzuziehen.

Als solcher habe er sowohl in den elf Jahren unter Peter Bochynek, noch in den drei Jahren unter Karl-Heinz Gagelmann sonderlich im Mittelpunkt oder der Öffentlichkeit gestanden. Seit November vergangenen Jahres hat er nach dem Wegzug von Karl-Heinz Gagelmann aber in Ermangelung eines neuen Vorsitzenden und zusätzlich zu seinem Einsatz für das Rotary-Projekt „Sprache verbindet“ die kommissarische Leitung übernommen. Und die Arbeit der Lobby hat seitdem keineswegs stagniert. Im Gegenteil: Die große Projekte seien bereits unter Gagelmann auf mehrere Schultern verteilt worden und liefen fabelhaft weiter – auch weil Peter Bochynek als Ehrenvorsitzender so aktiv wie eh und je sei. Und mit den „Lernpaten“ an drei Iserlohner Grundschulen habe er vor einem Jahr ein zusätzliches Projekt angestoßen, das von den Schule hervorragend angenommen werde und auch bei den Ehrenamtlichen für wahre Begeisterung sorge.

Religiöser Fanatismusund Medienumgang

Und an Ideen beziehungsweise drückenden Themen mangelt es nicht. Der religiöse Fanatismus treibe ihn um. Es dürfe nicht sein, dass sich die gegenwärtigen Spannungen schon auf Grundschulkinder übertragen, wie ihm berichtet werde. Hier möchte die Lobby aktiv werden. Ebenso wie beim Medienumgang, der eng mit einem der Hauptanliegen der Kinderlobby zusammenhänge – dem Kampf für mehr Bewegung für Kinder. Dazu arbeite der Verein auch an einer Abfrage in den Kindergärten, um die Bewegungsdefizite der Kinder in Iserlohn zu ermitteln.

Eine andere drückende Frage sei, wie man die Problemfälle erreichen könne, die Eltern, die nirgendwohin gehen und doch dringenden Beratungsbedarf in der Erziehung haben. „Wir müssen alles dafür tun, dass Eltern ihre Kinder liebvoll und konsequent erziehen.“

 
 

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