Jugend-Jazzorchester: Jung, hoch talentiert und gnadenlos gut

Die jungen Bläser des Jugend-Jazzorchesters NRW ließen es am Samstag im Henkelmann krachen.
Die jungen Bläser des Jugend-Jazzorchesters NRW ließen es am Samstag im Henkelmann krachen.
Foto: Josef Wronski/IKZ

Iserlohn..  Die Worte von Michael Villmow haben schon nachdenklich gestimmt. Schon oft sei er mit dem Jugend-Jazzorchester NRW hier im Henkelmann gewesen und es sei immer einfach toll, in einem richtigen Jazzclub zu spielen. Meistens stehe das Orchester ja auf anderen, größeren Bühnen. Ein solcher Jazzclub sei aber die eigentliche Heimat von Jazzmusikern, und alle würden sich riesig hier auftreten zu dürfen.

Purer Jazz ohne Jazz-Puristen

Schön, denkt man da. Wenigstens die Musiker im ganzen Land wissen den Henkelmann noch zu schätzen. Auf das Iserlohner Publikum scheint das ja nicht mehr zuzutreffen. Denn in den Stuhlreihen und an der Theke hatten sich nur unwesentlich mehr Leute versammelt als auf der Bühne. Man versteht es nicht. Viel wird gemoppert in der Stadt, vorzugsweise von Seiten der Jazz-Puristen, über Jazz-Fremdes im Jazz-Club. Und dann kommt purer Jazz und kein Jazz-Purist ist in Sicht.

Wobei man auf die ja noch getrost verzichten kann. Viel schlimmer wiegt ja, dass spitzenmäßige Live-Musik direkt vor der Haustür für die normalen Menschen in Iserlohn offensichtlich überhaupt keine ernsthafte Option bei der Samstagabendgestaltung mehr ist. Und was war das für ein tolles Konzert. So viel Spaß, gute Laune und Spielfreude erlebt man nur selten auf einer Bühne. Es sind die jungen hoch Talentierten, die in diesem Jugend-Jazzorchester versammelt sind – ein Haufen blutjunger Spitzenmusiker, die richtig was drauf haben, jederzeit ein umwerfendes Solo abfeuern können und dabei noch jede Menge Flausen im Kopf haben und dummes Zeug machen.

Vor allem machen sie aber tolle Big-Band-Musik, quer durch alle Jazz-Stile vom Bossa Nova und Herbie Hancock nach vorne in unsere Tage und zurück zu Zarah Leander und „Kann denn Liebe Sünde sein“ und in den Swing, mit atemberaubenden Sängerinnen und in frischen eigenen Arrangements des vierköpfigen Leitungs-Teams der Band. Das hat nicht nur den Musikern Spaß gemacht und das Publikum begeistert, das hat mit Sicherheit auch dem Henkelmann-Team gut getan. Denn bei allen Diskussionen darf man nicht vergessen, dass hier alles ehrenamtlich geschieht. Kasse, Theke, aufräumen, Künstler betreuen und und und – alles ehrenamtlich. Henkelmann-Urgesteine wie Werner Geck, die schon bessere Zeiten im Hot-Club erlebt haben, befürchten wohl zu recht, dass dieses Engagement irgendwann bröckeln kann, wenn die Erfolgserlebnisse immer seltener werden und die Anfeindungen immer häufiger. Die Wort von Michael Villmow gingen da bestimmt runter wie Öl: „Der Henkelmann ist ein richtiger Jazz-Club, die Heimat für uns Jazz-Musiker.“

 
 

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