Iserlohner fällt bei E-Mail-Betrug auf Geldbitten rein

Aktueller Schaden beim E-Mail-Betrug in Iserlohn: 2000 Euro.
Aktueller Schaden beim E-Mail-Betrug in Iserlohn: 2000 Euro.
Foto: picture alliance / dpa
Den Mail-Account eines Iserlohners haben unbekannte Täter gehackt und in seinem Namen Geldbitten an seine Freunde geschickt. In den Mails wurde behauptet, der Mann sei nach Kiew gereist, wo er Reisepass und Brieftasche verloren habe. Einer der Freunde des Iserlohners fiel auf die Masche herein.

Iserlohn. Marcus I. ist nur für diese Geschichte der Name des 46-jährigen Iserlohners. Der Persönlichkeits-Coach und Buchautor, der in Stuttgart lebt, ist – für sich genommen – auf zunächst einmal immaterielle Weise Opfer eines dreisten Internetbetruges geworden.

Bei seinem Besuch in der Redaktion der Heimatzeitung macht er Stunden nach der Tat äußerlich wieder einen durchaus ruhigen, abgeklärten Eindruck. Man merkt aber trotzdem, dass es in ihm brodelt, denn die Betrüger haben in seinem Umfeld am Ende auch noch tatsächlich einen echten Schaden angerichtet. Bezogen auf ein Bankkonto und eine Freundschaft.

"Notruf-Mail" erreichtunterschiedliche Rechner

Die Vorgeschichte: Am Donnerstagvormittag schlägt urplötzlich auf unterschiedlichen Rechnern im Land eine Art "Notruf-Mail" auf, die offenbar vom Account des Marcus I. stammt. Der Schreiber kommt ohne persönliche Anrede und mit leichter Rechtschreibschwäche sofort zur Sache: „lch hoffe du hast dies schnell erhalten, ich bin nach Ukraine, Kiev City, verreist und habe meine Tasche verloren samt Reispass und kreditkarte. Die botschaft ist bereit, mich ohne meinen Pass fliegen zu lassen. Ich muss nur noch für mein ticket und die hotelrechnungen zahlen. Leider habe ich kein Geld dabei, meine kredit karte könnte helfen aber die ist auch in der Tasche. Ich habe schon kontakt mit meiner Bank aufgenommen, aber sie brauchen mehr zeit, um mir eine neue zu schicken. Ich wollte dich fragen ob du mir 1850euro so schnell wie möglich leihen kannst, Ich gebe es dir zurück sobald ich da bin. Ich muss unbedingt den nächsten Flug bekommen. Das Geld durch Western Union ist die beste möglichkeit. Ich warte auf deine Antwort.“

Unterschrieben ist das Machwerk mit dem Namen des Iserlohners, seiner tatsächlichen Adresse und zwei leicht abgewandelten Telefonnummern.

Diese Mail ist offenbar an alle Adressen gegangen, die die Hacker im Mail-System des Iserlohners gefunden haben. Marcus I.: „Es dürften so um die 50 Kontakte gewesen sein.“ Einige der Angeschriebenen versuchen offenbar auch umgehend, Kontakt zu Marcus I. aufzunehmen. „Ich saß allerdings gerade beim gemütlichen Frühstück und bin deshalb gar nicht ans Handy gegangen“, sagt er, „ich konnte ja nicht ahnen, was sich da abspielt.“

„Ich bin nicht der Täter, aber ich fühle mich getroffen“

Schließlich gelingt seinem Bruder doch noch eine Kontaktaufnahme und der ahnungslose Marcus I. fällt aus allen Wolken. Sofort versucht er, selbst auf seinen Account zuzugreifen, findet dort aber nur noch – seiner Meinung nach – arabische Schriftzeichen vor. Kontrollieren oder verändern kann er nichts.

Doch die ohnehin schon ärgerliche Geschichte erfährt dann auch noch eine unglückliche Steigerung. Ein Freund in Stuttgart überfliegt offensichtlich nur kurz den angeblichen Hilferuf – und reagiert sofort. Er hebt von seinem Konto 2000 Euro ab und überweist das Geld in der Tat innerhalb weniger Minuten über das "Western Union"-Konto. Nach irgendwo.

Seit Freitag nun bemüht sich Marcus I. um Schadensbegrenzung. Er hat Anzeige bei der Polizei erstattet. "Ausspähen von Daten" ist der Vorwurf. Er sucht zudem über eigene Recherchen nach Möglichkeiten, seinem Freund wieder zu seinem Geld zu verhelfen.

„Ich fühle mich in einer besonderen Situation“, sagt er, „natürlich bin ich nicht der Täter, habe nicht um Geld gebeten und es ja auch nicht bekommen, aber in im Herzen bin ich tief berührt und getroffen.“ Und Marcus I. macht sich Vorwürfe, vielleicht nicht ausreichend oder sensibel auf Presseveröffentlichungen der letzten Tage über Daten-Diebstähle reagiert zu haben. „Wenn ich sofort meine Passwörter geändert und eigene Sicherheitseinstellungen überprüft hätte, hätte das Geschehene vielleicht vermieden werden können.“

 
 

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