Hoffnungslicht für die Krebsberatung

Simone Kesten von der Iserlohner Diakonie-Station, Gisela Reinhardt von der Krebsberatungsstelle, Geschäftsführerin Regina Mehring und Michael Scheffler (v. li.) freuen sich über das Landes-Förderprogramm.
Simone Kesten von der Iserlohner Diakonie-Station, Gisela Reinhardt von der Krebsberatungsstelle, Geschäftsführerin Regina Mehring und Michael Scheffler (v. li.) freuen sich über das Landes-Förderprogramm.
Foto: Ralf Tiemann
Die sozial-psychologische Krebsberatung der Diakonie leistet viel, wird aber seit elf Jahren nicht mehr vom Land gefördert. Eine Initiative der Koalition soll das ändern.

Iserlohn..  Michael Scheffler (MdL) spricht von dem Ende einer wichtigen Weichenstellung für die Zukunft, Regina Mehring, Geschäftsführerin der Evangelischen Pflegedienste, nennt es einen Meilenstein, und Gisela Reinhardt von der Krebsberatungsstelle in Iserlohn ist einfach nur glücklich und dankbar, dass die Politik in Düsseldorf ein solches Signal setzt und der psycho-sozialen Krebsberatung in NRW eine neue Zukunftsperspektive gibt. Auf die Initiative von Michael Scheffler hin, bringt die Regierungs-Koalition für den Landeshaushalt 2017 ein Förderprogramm in Höhe von 500 000 Euro für die Krebsberatung ein, von dem am Ende auch die Iserlohner Stelle profitieren wird. Damit endet eine elf Jahre andauernde Durststrecke, in der die freien Träger der Krebsberatung ihr Angebot alleine finanzieren mussten. Es gehe dabei gar nicht um die Summe, erklärte Regina Mehring bei dem Pressegespräch am Montag. Denn ein vollumfängliche Refinanzierung der Beratungsstellen könne dieses Landes-Förderprogramm nicht leisten. „Mit diesem Antrag werden aber Türen geöffnet, und er ist eine große Belohnung für das Engagement, das in den Beratungsstellen gezeigt wird.“

Vielfältige Begleitung durch die Erkrankung

Dieses Engagement fände nämlich vor allem im Verborgenen statt, in einer Grauzone, mit der viele nichts zu tun haben wollten und die – wie andere nah am Tod angesiedelten Themen – geradezu tabuisiert würde. Dabei sei gerade die psycho-soziale Krebsberatung ex­trem wichtig. Gisela Reinhardt, die die Krebsberatung der Diakonie Mark-Ruhr in Hagen leitet und damit auch für die Niederlassung in der Iserlohner Diakonie-Station am Bethanien-Krankenhaus zuständig ist, gab am Montageinen Einblick in ihre Arbeit, in Fälle von traumatisierten Kindern krebskranker Eltern, von dem schwierigen Umgang etwa mit für jeden sichtbare Krebserkrankungen im Kiefer und Mundbereich, von der engen Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen, von dem Nichtwissen um medizinische Möglichkeiten, von wirtschaftlichen und finanziellen Notlagen, die eine Krebserkrankung mit sich bringen kann, und generell von dem enormen Informationsbedarf, den sowohl Erkrankte als auch ihre Angehörigen haben – gerade weil das Thema im Alltag so gerne weggeschoben wird.

Die Aufgaben der Beratungsstellen sind vielfältig. Und mit dem medizinischen Fortschritt, der Erkrankte als chronische Langzeitpatienten viel länger leben lässt als früher, und dem Anwachsen des medizinischen Marktes und Hilfsmöglichkeiten, steige auch der Bedarf nach immer mehr Beratung.

25 solcher Beratungsstellen hatten sich seit den 80er Jahren in Nordrhein-Westfalen bereits etabliert. In den Jahren 2003 bis 2005 hatte es eine Landesförderung gegeben, die dann aber weggefallen ist. Auch die Hoffnung, dass die Krankenkassen als Geldgeber einspringen würden, hatten sich in der Vergangenheit nicht erfüllt, so dass bereits drei Krebsberatungsstellen kleiner Träger aufgrund des finanziellen Drucks schließen mussten.

Versorgung in der Fläche schlechter als in den Städten

Generell gilt, dass die Versorgungslage in den eher ländlichen Gebieten abnimmt, was auch für den Märkischen Kreis gilt. Mit lediglich zwei Sprechzeiten in der Iserlohner Diakonie-Station für den ganzen Kreis sei das Angebot durchaus noch deutlich ausbaufähig.

Die 22 verbliebenen, so Scheffler, sollen nun stabilisiert werden und ab 2017 von dem Programm profitieren. Der Blick richtet sich aber bereits auf das Jahr 2019 und die Evaluation für den „nationalen Krebsplan“, von dem sich die Krebsberatungsstellen auch eine Bundesfinanzierung erhoffen. Doch auch das jetzt auf den Weg gebrachte Landes-Förderprogramm ist schon ein großer Schritt. Michael Scheffler: „Ich hoffe, die Beratungsstellen können damit etwas entspannter in die Zukunft blicken.“

 
 

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