Hilfsbereitem 38-Jährigen droht Gefängnisstrafe

Der Prozess gegen den Iserlohner könnte erheblich schneller beendet werden als zunächst angenommen.
Der Prozess gegen den Iserlohner könnte erheblich schneller beendet werden als zunächst angenommen.
Foto: IKZ
Im Juli 2012 wurden in der Wohnung eines Iserlohners erhebliche Mengen Drogen gefunden. Am Montag begann vor dem Hagener Landgericht der Prozess gegen ihn. Der Angeklagte ist geständig.

Hagen..  Noch ist völlig unklar, welches Urteil die Vorsitzende Richterin am Landgericht Hagen, Heike Hartmann-Garschagen, gegen einen 38-jährigen Iserlohner spricht, der sich dort seit Montag wegen des gemeinschaftlichen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten muss. Sicher ist, dass ganz viel Fingerspitzengefühl gefragt sein wird.

Im Rahmen einer bundesweiten Razzia durchsuchte die Polizei vor fast exakt drei Jahren auch die Wohnung des Angeklagten – ein Einsatz, der sich gelohnt hat. Knapp sechs Kilogramm Haschisch, 29 Gramm psychoaktive Pilze und 27 Gramm Amphetamine, die über das Internet verkauft werden sollten, fanden die Beamten neben szenetypischen Utensilien wie einer Feinwaage bei ihm. Dabei tat der Iserlohner lediglich einem Freund einen Gefallen, indem er die Ware bei sich aufbewahrte, vom Verkaufserlös sah er nichts. Sein Verteidiger, der Bremer Rechtsanwalt Horst Wesemann, pochte deshalb darauf, dass die Anklage nur noch von Beihilfe zum Handel der Substanzen spricht. Gesondert aufgeführt sind die 40 Gramm Marihuana und 20 Gramm Haschisch, die der Angeklagte zu Eigenbedarfszwecken besaß. Er machte kein Geheimnis daraus, lange Zeit teils extrem gekifft zu haben. Bedingt durch psychische Probleme, die medikamentös behandelt werden, habe er den Drogen aber inzwischen abgeschworen.

Hartmann-Garschagen nutzte den ersten Prozesstag vor allem dazu, um sich ein Bild vom Leben des Iserlohners zu machen, der weder vor, noch nach der Razzia polizeilich auffällig wurde, einen akademischen Bildungsabschluss sowie einen festen Arbeitsplatz hat. „Möchten wir ihn wirklich im Gefängnis sehen? Muss man mit Kanonen auf Spatzen schießen?“ So lauteten die zwei Fragen, die sich die Richterin stellte.

Niemand rüttelte an den im Raum stehenden Vorwürfen, auch der Angeklagte selbst nicht. Schon am Tag der Wohnungsdurchsuchung habe er sich der Polizei gegenüber kooperativ gezeigt. Und auch gegenüber dem Gericht fiel der 38-Jährige durch seine Höflichkeit auf.

Angeklagter macht niemandem Vorwürfe

Dabei ist die Situation, in die er durch seine Hilfsbereitschaft und seine Gutmütigkeit geraten ist, durchaus brenzlig. Die zu erwartende Strafe liegt eigentlich bei nicht unter vier Jahren Gefängnis. Die seit 2011 bestehende Freundschaft zu dem Mann, der entscheidenden Anteil daran hat, dass der Iserlohner jetzt auf der Anklagebank sitzt, habe unter den Umständen aber nicht gelitten, beteuerte er. „Ich habe es doch zugelassen und darf die Schuld nicht immer bei anderen suchen.“ Ausgenutzt fühle er sich von ihm ebenfalls nicht.

Am heutigen Dienstag wird das Verfahren fortgesetzt und eventuell sogar schon das Urteil gesprochen, angesetzt waren ursprünglich fünf Verhandlungstage. Drei weitere Beteiligte dieses ganz speziellen Onlinehandels sind bereits vom Landgericht im niedersächsischen Verden zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren auf Bewährung und drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, teilweise laufen zur Zeit Berufungsverfahren.

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