Hauptschule vor dem offiziellen Aus

Die Hauptschule im Wiesengrund soll zum nächsten Schuljahr keine Anmeldungen mehr annehmen, der Schulbetrieb bis 2017 auslaufen.
Die Hauptschule im Wiesengrund soll zum nächsten Schuljahr keine Anmeldungen mehr annehmen, der Schulbetrieb bis 2017 auslaufen.
Foto: Michael May/IKZ

Iserlohn.  Die Geschichte vom Sterben auf Raten einer Schulform wird in Kürze um ein Kapitel reicher, die Iserlohner Schullandschaft hingegen um eine Institution ärmer. Am morgigen Mittwoch soll im Schulausschuss offiziell das Ende der Hauptschule im Wiesengrund eingeläutet werden.

Nachdem bereits für das laufende Schuljahr aufgrund fehlender Anmeldungen keine Eingangsklasse gebildet werden konnte, rät die Verwaltung nun dazu, im kommenden Jahr keine Anmeldungen mehr für den Wiesengrund anzunehmen, um die Schule auslaufen zu lassen. Die endgültige Schließung würde dann mit dem Ablauf des Schuljahres 2016/2017 erfolgen, die bereits aufgenommenen Schüler sollen bis dahin ihre Laufbahn am Wiesengrund planmäßig beenden können.

Für ihren Beschlussvorschlag führt die Verwaltung die jüngsten Erkenntnisse aus dem Schulentwicklungsplan ins Feld, sollte in Iserlohn eine zweite Gesamtschule gegründet werden. Dann nämlich wäre stadtweit von 2013 bis 2017 nur noch mit maximal 65 Schülern für den Hauptschul-Eingangsjahrgang 5 zu rechnen, während sich die Gesamtschülerzahl an allen Iserlohner Hauptschulen auf nur noch 340 Jugendliche reduzieren würde. „Die Notwendigkeit zur Fortführung der Hauptschule im Wiesengrund besteht daher nicht mehr“, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den Ausschuss. Doch selbst wenn keine zweite Gesamtschule errichtet würde und demzufolge der alte Schulentwicklungsplan wieder Gültigkeit hätte, wären die zu erwartenden Anmeldezahlen für den Wiesengrund zu gering, als dass die Schule weiter existieren könnte. Auch die Schulaufsicht des Märkischen Kreises kommt daher laut Darstellung der Verwaltung zu der Einschätzung, dass es „richtig, konsequent und besonders wichtig sei“, die Schließung herbeizuführen und somit für alle Beteiligten völlige Klarheit zu schaffen.

Mit „größtem Bedauern“ nimmt derweil die Schulkonferenz im Rahmen einer Stellungnahme Kenntnis von der beabsichtigten Schließung. Von dem Gremium wird darin die Wertschätzung der pädagogischen Arbeit der Hauptschule vermisst, die erst seit kurzem als Schwerpunktschule für Seiteneinsteigerkinder ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen ausgewählt worden ist. „Für diese Kinder müssen jetzt schon neue Lösungswege und Antworten gefunden werden, wenn weitere Zuzüge in Iserlohn zu erwarten sind“, schreibt die Schulkonferenz, die überdies vorschlägt, den Schulstandort Wiesengrund durch eine Kooperation mit der benachbarten Grundschule im Rahmen des wissenschaftlich begleiteten Modellversuchs „Primus“ zu erhalten.

Für Schulressort-Leiterin Katrin Brenner kommt der Vorstoß jedoch mit Blick auf die besondere Iserlohner Ausgangslage zu früh und paradoxerweise zugleich auch zu spät. „Die Bereitschaft der Schulkonferenz, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, bewerte ich als ungemein positiv“, betont Brenner. Eine neue Schulform jedoch zum jetzigen Zeitpunkt einzuführen, in der viele Weichenstellungen in der Schullandschaft erst dann vorgenommen werden können, wenn die Frage nach der Errichtung der zweiten Gesamtschule endgültig beantwortet sei, wäre aus Sicht der Ressortleiterin kaum vertretbar. Und da überdies für die Teilnahme an dem Modellversuch ein ausgereiftes pädagogische Konzept erarbeitet werden müsste, sei die verbleibende Zeit bis zum Meldeschluss am 31. Dezember deutlich zu knapp. Durchaus vorstellbar wäre jedoch eine Beteiligung an „Primus“ in einem nächsten Durchgang, sollten dann die Rahmenbedingungen stimmig sein.

 
 

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