Großes Interesse und ganz viele Baustellen

Die Erste Beigeordnete Katrin Brenner eröffnete den Inklusions-Workshop im Fanny-van-Hees-Saal der VHS .
Die Erste Beigeordnete Katrin Brenner eröffnete den Inklusions-Workshop im Fanny-van-Hees-Saal der VHS .
Foto: Josef Wronski/IKZ

Iserlohn.  Wie groß das Interesse am Thema Inklusion ist, wurde beim Workshop deutlich, zu dem die Stadt am vergangenen Donnerstag in die Volkshochschule eingeladen hatte: 110 Teilnehmer drängten sich im Fanny-van-Hees-Saal. „Und wir hatten sogar im Vorfeld noch mehr Interessenten, denen wir aber mit Blick auf den zur Verfügung stehenden Platz leider absagen mussten“, berichtete Reinhold Werner von der Abteilung für Senioren und Menschen mit Behinderung.

Was ihn aber noch mehr freute und überraschte als der große Andrang: Über 90 Prozent der Teilnehmer, die aus sämtlichen Bereichen kamen, also aus Schulen und Kindertagesstätten, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, aus der Wirtschaft und der Politik, erklärten am Ende des Tages sehr gerne ihre Bereitschaft, weiter in einem der sechs gebildeten Arbeitskreise mitzuarbeiten. „Und dazu sind dann auch alle anderen Interessierten natürlich herzlich willkommen.“ Das nächste Treffen solle zwischen den Sommer- und den Herbstferien stattfinden, ein weiteres dann im November.

Ergebnisse auf der Homepage

Aufgrund der beim Workshop zur Verfügung stehenden wenigen Stunden gebe es jetzt erst einmal nur „rudimentäre Ergebnisse“, die durchaus aber schon veröffentlichungsfähig seien, so dass sie in Kürze nach einer erneuten Überarbeitung mit den Arbeitskreisleitern auf der städtischen Homepage (www.iserlohn.de) veröffentlicht werden sollen. So wurde aus dem Arbeitskreis „Schule/Bildung“, der unter der Leitung von Verena Heintz, der Leiterin der Bartholomäusschule, stand und der aufgrund des großen Zuspruchs in mehreren Untergruppen tagte, unter anderem angeregt, dass es „multiprofessionelle Fachgruppen“ zur weiteren Steuerung des Inklusions-Prozesses in den Schulen geben solle. Neben der Forderung nach den nötigen Fachkräften in den Einrichtungen wurden zudem Kooperationen mit Universitäten und Fachhochschulen und ein Online-Beratungsführer vorgeschlagen.

Der Arbeitskreis „Frühe Förderung/Kindertagesbetreuung“ unter der Leitung des Führungsduos des „Hauses für alle Kinder“ in Gerlingsen, Sigrun Felder-Heinrich und Irena Walter, regte eine Kontaktstelle für Eltern mit behinderten Kindern an bzw. dass die bisher schon vorhandenen Angebote in diesem Bereich in einer solchen Stelle besser koordiniert werden sollten. Zudem wurde ein Pool für Spiel- und Lern-Materialien vorgeschlagen, damit nicht jede Einrichtung die teils teuren Investitionen vornehmen müsste. Und auch hier kam die Kritik: Um jedes Kind so zu anzunehmen wie es ist - was das Ziel der Inklusion sei - seien die bisherigen Gruppen in den allermeisten Einrichtungen zu groß, die Zahl der Mitarbeiter zu gering.

Mit dem „Öffentlichen Raum/In­frastruktur/Barrierefreiheit/Mobilität“ befasste sich der Arbeitskreis unter der Leitung von Thorsten Grote, dem Leiter des Büros für Stadtentwicklung, Natur- und Landschaftsschutz im Rathaus. Ein Ergebnis: Gegen die Feststellung, dass die Innenstadt zum allergrößten Teil nicht barrierefrei bzw. barrierearm sei, helfen wohl nur regelmäßige Appelle an die Hauseigentümer, da es sich bei den Geschäften zumeist um Mieter handele.

„Zeit der Unsicherheit“

Angedacht ist zudem, den schon vorhandenen Restaurantführer zu überarbeiten und möglicherweise etwas Ähnliches auch für Geschäfte zu entwickeln. Neben einer frühzeitigen Beteiligung des Beirates für Menschen mit Behinderungen bei städtischen Umbaumaßnahmen wurde außerdem angesichts der steigenden Zahl an Elektro-Rollstühlen die Idee einer Aufladestation in der Innenstadt geboren.

Im Arbeitskreis „Jugendarbeit/Freizeit/Kultur/Sport und Kirche“ unter der Leitung des Jugendamtsleiters Kai Maibaum wurde unter anderem über die Barrierearmut von Sport- und Spielflächen sowie Jugendeinrichtungen gesprochen. Thematisiert wurde in dem Kreis auch, dass es momentan eine große „Zeit der Unsicherheit“ gebe angesichts der vielfachen anstehenden Änderungen, wichtig sei jedoch, dass das Projekt jetzt laufe und weiterverfolgt werde.

Der Arbeitskreis „Arbeit/Ausbildung“ unter Leitung von Jörg Schuhmacher von der Agentur für Arbeit regte eine zentrale Anlaufstelle vor allem für Jugendliche mit Behinderung an, da momentan viele Initiativen Beratungsangebote vorhalten würden. Und im Arbeitskreis „Wohnen/Versorgung“ (Leitung: Beate Gessler-Bielau von der Netzwerk Diakonie) wurde eine „flexiblere Architektur“ gefordert, die nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute kommen würde. So baut laut Reinhold Werner beispielsweise eine Wohnungsgesellschaft in Altena ihre Immobilien so um, dass spätere Veränderungen der Wohnungsgröße einfacher möglich seien. Vorgeschlagen wurde eine Bedarfsabfrage, wie viele Wohnungen für Menschen mit Behinderungen in Iserlohn derzeit gebraucht würden. Denn es wurde festgestellt, dass immer noch sehr viele Betroffene in Gemeinschaftseinrichtungen wohnen würden, obwohl sie durchaus auch in anderen Wohnformen leben könnten.

Generell wurde dabei, aber auch in den anderen Arbeitskreisen festgehalten, dass vielmehr mit den Betroffenen selbst geredet werden müsse und nicht über sie. Und noch eines, so Reinhold Werner, sei immer wieder angemerkt worden: Für viele Menschen sei Behinderung immer noch ein Angst-Thema, mit dem sie sich lieber nicht beschäftigen möchten. Dabei könne es leider durch Unfall oder Krankheit jeden in jeder Sekunde selber treffen.

 
 

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