Gemeinsamkeiten und Klischees

Die  Frauenreise der Gleichsstellungsstelle an die türkische Schwarzmeerküste
Die Frauenreise der Gleichsstellungsstelle an die türkische Schwarzmeerküste
Foto: IKZ
Zum Internationalen Frauentag zeigt die Gleichstellungsstelle eine Ausstellung über eine deutsch-türkische Frauenreise. Für die passende kulinarische und musikalische Atmosphäre sorgen die Frauengruppe der Moschee an der Bergwerkstraße und die Gruppe „Sevgi und Merhaba“.

Iserlohn..  „Birlik beraberlik - Frauen machen sich auf den Weg“ heißt die Ausstellung, die in diesem Jahr den Rahmen für die Veranstaltungen der städtischen Gleichstellungsstelle zum Internationalen Frauentag bildet und am Sonntag, 8. März, um 18 Uhr im Löbbeckesaal des Parktheaters eröffnet wird. Zu sehen sind Fotos und Texte, die im Rahmen des gleichnamigen Projektes der Arbeitsgemeinschaft Iserlohner Frauengruppen in Kooperation mit dem Integrationsrat entstanden sind.

Delegation von Frauen aus Ayancik kommt zum Fest

Begonnen hat das Projekt im vergangenen Jahr mit der Reise von zwölf Iserlohnerinnen an die türkische Schwarzmeerküste. Ins Deutsche übertragen bedeutet „birlik beraberlik“ so viel wie Verbindung, Gemeinschaft oder Zusammengehörigkeit und beschreibt sowohl das Selbstverständnis der Gruppe als auch das Ziel des Projektes. Die Frauen haben sich auf den Weg gemacht, um neue Erfahrungen zu sammeln, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken, Klischees und Vorurteile zu hinterfragen. Die Schauplätze ihres „Reisetagebuches“ liegen in und um Ayancik, fast 3000 Kilometer entfernt und dennoch sehr nah an der Waldstadt: Die meisten der aus der Türkei stammenden Iserlohnerinnen haben familiäre Wurzeln in dieser Region am Schwarzen Meer und zumeist noch enge Verbindungen zur „alten Heimat“.

Eine Delegation von Frauen aus Ayancik, die zum Teil auch in der Ausstellung porträtiert werden, sind um den 8. März herum für einige Tage zu einem Gegenbesuch in der Waldstadt und freuen sich bereits darauf, gemeinsam mit den Iserlohnerinnen den Internationalen Frauentag feiern zu können.

Für die passende kulinarische und musikalische Atmosphäre zur Ausstellungseröffnung sorgen die Frauengruppe der Moschee an der Bergwerkstraße mit einem Buffet und die Gruppe „Sevgi und Merhaba“. Dass türkische Musik durchaus auch für europäische Ohren ein Erlebnis ist, das beweist ihre türkische Sängerin mit dem deutschen Pass Sevgi Kahraman schon seit einigen Jahren. Mit ihren drei deutschen Musikern hat sie ein Liederprogramm aus türkischen Kompositionen der Klassik, der traditionellen Folklore und moderner Liedermacher zusammengestellt und teilweise auch mit deutschen Texten versehen.

Am Freitag, 27. März, ist dann um 19 Uhr die Autorin Hatice Akyün für eine Lesung zu Gast im Löbbeckesaal des Parktheaters. Sie lernte Deutsch mit Grimms Märchen und sagt von sich, dass ihr Herz deutsch und ihre Seele türkisch sei. Ihre Kolumne „Meine Heimat“ im Berliner Tagesspiegel ist Kult, für ihren Blog „Neulich in der Parallelwelt“ wurde sie für den Grimme Online Award nominiert und ihr Bestseller „Einmal Hans mit scharfer Soße“ kam 2012 in die Kinos. Sie findet, dass in ihrer deutschen Heimat seltsame, unverständliche, nicht nachvollziehbare und völlig unsinnige Dinge passieren, und manchmal kann sie sich nur mit einem kräftigen Fluch helfen: „Verfluchte anatolische Bergziegenkacke“, lautet denn auch der Titel ihres aktuellen Buches, wobei in der Türkei ein solcher Fluch völlig unbekannt ist.

Doch in der Regel versucht Hatice Akyün, den Dingen auf den Grund zu gehen, die Logik oder den Unsinn hinter dem Treiben zu erkennen. Oder sie bittet ihren anatolischen Vater mit seinem unerschöpflichen Schatz an Sprichwörtern um Hilfe. Denn was sie mühsam zu erklären versucht, bringt er mit einem klugen und unkomplizierten Satz auf den Punkt. Und er sagt auch: „Wenn die Wut kommt, geht der Verstand.“

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