Friedhelm Kowalski warnt: „Möchte keine Elbphilharmonie in Hennen“

Iserlohn.  Bereits in der vergangenen Woche hat auch Iserlohns Stadtkämmerer Friedhelm Kowalski „versucht“, sich zum Thema „Gesamtschule am Standort Hennen“ zu Wort zu melden. Allerdings geschah dies am Ende dann doch nicht in der Ratssitzung am Mittwoch, wie nach IKZ-Informationen eigentlich vorgesehen. Kritiker sehen darin inzwischen eine weitere Merkwürdigkeit in der Sitzungsleitung des Bürgermeisters und vermuten die ablehnende Haltung von Kowalski gegenüber der Bildungsbündnis-Pläne als Ursache.

In der Tat findet der Kämmerer in seiner Stellungnahme, die der Heimatzeitung inzwischen vorliegt, klare Worte zur Errichtung einer zweiten Gesamtschule im Iserlohner Norden. Kowalski: „Ich habe mich sehr ausführlich und konstruktiv mit der Argumentation des Bildungsbündnisses auseinander gesetzt. Mir fehlt die Gewichtung und Abwägung, die Bewertung von Kosten und Nutzen“.

Weiter sagt Kowalski: „Wie haben Regelungen in der Gemeindeordnung und in der Gemeindehaushaltsverordnung. Insbesondere ist vorgeschrieben, dass vor Investitionsentscheidungen Kostenberechnungen aufzustellen und Alternativen zu untersuchen sind.“ Als „Spekulation“ bezeichnet er Überlegungen, durch Verringerung des Raumprogramms und des Standards könnte die Bauinvestition auf 20 Mio. Euro reduziert werden. „Eine fundierte Darstellung oder Berechnung hierzu gibt es bislang nicht.“ Er habe zwar Verständnis für die Standortpräferenz Hennen. „Aber diese Präferenz kann doch keine überragende Gewichtung haben. Mit dem Standort Hennen entsteht eine extreme finanzpolitische Problematik.“

Auch zu den Folgen prognostizierter, sinkender Schülerzahlen nimmt der Kämmerer Stellung: „Zu einem Desaster würde sich diese Entscheidung entwickeln, wenn eine Gesamtschule in Hennen zunächst entstünde, Gebäude mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren gebaut würden, die Schule dann aber in fünf oder zehn Jahren wegen Schülermangels zerbröseln würde.“

Hätte man Kowalski noch vor der Abstimmung zu Wort kommen lassen, so sagen es die Beschluss-Gegner, hätte man auch seine gerafften Bedenken und Forderungen gehört: Warnung vor Fehlinvestition, insbesondere im Hinblick auf die beschlossene Haushaltskonsolidierung, Untersuchungen zu einem kombinierten Standort Bömberg/Wiesengrund, Forderung nach einer echten Kostenrechnung für den Standort Hennen und Ausarbeitung eines tatsächlichen Konzeptes am Standort Hennen. „Ich möchte keine Elbphilharmonie in Hennen!“

Nach wie vor überaus großen Gesprächsbedarf melden auch die elf Leiterinnen und Leiter der Iserlohner weiterführenden Schulen an. Sie erinnern in einem Brief an Bürgermeister Dr. Ahrens, der ebenfalls bereits zur Ratssitzung vorlag, erneut an die Notwendigkeit zum Dialog über eine schulische Gesamtlösung. „Weil wir verhindern möchten, dass es ein Schulsterben auf Raten gibt und die Eltern noch länger im Ungewissen über die schulischen Möglichkeiten ihrer Kinder bleiben. Wir sind bereit, einen neuen Weg einzuschlagen, bei dem es nicht darum geht, nur auf das eigene System zu schauen.“

 
 

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