Frau, anschmiegsam, keine Kosten-Vorauszahlung nötig

Vor dem Bummeln
Vor dem Bummeln
Foto: IKZ
Die Kontaktanzeigen in der Heimatzeitung aus dem Jahre 1985 lesen sich heute teilweise wie eine Kuriositätensammlung

Iserlohn..  Heidi ist 24 Jahre, anschmiegsam, liebevoll, mit langem, „willigem“ Haar. Oft sieht sie junge, verliebte Paare. Dann wird sie immer ein wenig traurig, wenn sie mit ihrem kleinen Hund nach Feierabend einsame Spaziergänge macht. Nun sucht sie einen Partner, dem sie Liebe und Verständnis geben kann.

Vielleicht wäre ja der 49-jährige „erfolgreiche Geschäftsmann“ die Lösung für Heidi, den seine Mitarbeiter laut eigenem Bekunden als sportlich und dynamisch beschreiben, was gut ist, weil er ja in der Freizeit meistens mit seiner Jacht unterwegs ist, was ganz schön schlauchen kann, wie man weiß. Oder vielleicht soll es für Heidi ja doch der Porschefahrer mit Eigentumswohnung sein, der nach einer „schmusigen Sie“ sucht? Oder ein Geschäftsmann, der sich selbst eine „eindrucksvolle Persönlichkeit“ attestiert?

Was genau aus erwähnten Personen wurde, ist unklar. Die Texte, allesamt Kontaktanzeigen aus dem Jahre 1985, veröffentlicht in der Heimatzeitung, zeigen aber: Auch bevor sich junge und nicht mehr ganz junge Menschen mit Frühlingsgefühlen mittels Smartphone, „Tinder“ und GPS gegenseitig anpeilen, „liken“ und anschreiben konnten, gab es Möglichkeiten der dezenten zwischengeschlechtlichen Anbahnung. Jenseits peinlicher Bagger-und-Kuppel-Partys, im Volksmund gerne als „Reste-Rampe“ geschmäht; jenseits zweifelhafter Balzrituale, meist ausgehend von männlichen, paarungswilligen Protagonisten.

Per Anzeige sucht dann beispielsweise eine „männliche Jungfrau“, 36 Jahre alt, eine charmante Partnerin. Der gefettete Begriff „Eilt!“ zu Beginn der Anzeige ist in diesem Zusammenhang wohl wörtlich zu verstehen.

1200 Philippininnen, ein „Seebär“ und Metzger Willy

Keine Jungfrau, aber ein „Seebär“, 45 Jahre alt, sucht an anderer Stelle eine tolerante Frau bis 40 Jahre. Er selbst räumt ein, zwei „kleine Fehler“ zu haben – was zumindest vermuten lässt, dass der Autor gleichlautende Annoncen in mehreren Häfen geschaltet haben könnte. Vielleicht wäre der Damenwelt 1985 da doch lieber der ebenfalls suchende „Arzt und Christ“ anzuraten gewesen. Voraussetzung: Evangelisch muss sein Herzblatt natürlich sein – und nicht älter als 27 Jahre.

Vielleicht hätte sich der feine Herr Doktor da mal besser gleich an jene Partnervermittlung aus Detmold gewandt, die ihre Dienste mit dem Slogan „Größte evangelische Eheanbahnung seit 1945“ beworben hat.

Gleich 1200 Philippininnen werden an anderer Stelle auf der Suche nach deutschen Ehemännern angepriesen. Verbraucherfreundlich an dieser Stelle: eine Kosten-Vorauszahlung wird nicht fällig. Und: Man hat die Wahl zwischen einer Dame im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, allesamt treu, lieb und natürlich äußerst anschmiegsam.

Sabine, 20 Jahre, und Arbeiterin, mag es direkt: Sie sucht ein neues Zuhause – natürlich inklusive des passenden Mannes, der sie heiraten möchte und dann freundlicherweise auch Mitbewohner bleiben darf.

Gemeint sein dürfte hier wohl nicht der 35-jährige „Durchschnittstyp mit Tagesfreizeit“, der seinerseits eine „gut situierte Dame für regelmäßige Treffs“ sucht. Zumindest altersmäßig aus der Rolle gefallen sein dürfte aus Sicht von Sabine leider wohl auch „Metzgermeister Willy, 62 Jahre, schlank und feinfühlig“. Was Sabine trotz des Altersunterschiedes vielleicht ins Grübeln gebracht haben könnte: „Durch seine charmante Art ist Willy sehr beliebt und überall gern gesehen.“

Wie es um den Charme einer 37-jährigen Partnersuchenden 1985 bestellt war, ist unklar. Nett schien die Hausfrau aber gewesen zu sein. Und dazu großzügig: „Mein Besitz wäre bei Zuneigung auch Deiner“, schreibt sie hoffnungsvoll.

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