Flüchtlinge sind erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert

In der Iserlohner Geschäftsstelle des Märkischen Arbeitgeberverbandes zogen die Projektpartner zusammen mit Vertretern der Firmen eine erfolgreiche Bilanz.
In der Iserlohner Geschäftsstelle des Märkischen Arbeitgeberverbandes zogen die Projektpartner zusammen mit Vertretern der Firmen eine erfolgreiche Bilanz.
Foto: Michael May
Zehn Flüchtlinge haben bei einem MAV-Pilotprojekt Sprachkenntnisse erworben. Nach dem Abschluss sind sie nun in Ausbildung oder Arbeit.

Iserlohn..  Mit 15 Teilnehmern startete im Mai das Projekt „Berufliche Qualifikation von Flüchtlingen mit ergänzender Sprachförderung“ im Märkischen Kreis. Zehn von ihnen sind jetzt in Ausbildung oder Arbeit.

„Das kann sich doch sehen lassen!“, freute sich gestern Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des initiierenden und koordinierenden Märkischen Arbeitgeberverbands (MAV). „Das ist ein tolles Projekt mit einem Super-Ergebnis“, pflichtete ihm Sandra Pawlas, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, bei. In der Iserlohner MAV-Geschäftsstelle zogen sie gemeinsam mit weiteren Partnern Bilanz des in Nordrhein-Westfalen bislang einzigartigen Projekts zur Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Denn nur wenn die gelinge, könne auch die Integration der Menschen in unsere Gesellschaft erfolgreich sein, hatte der MAV erkannt, als fast 100 000 Flüchtlinge pro Monat nach Deutschland kamen. Man habe es, so Maier-Hunke, als Arbeitgeberverband daher auch als „eine Verpflichtung“ angesehen, bei der aufgrund „sprachlicher Probleme und kultureller Unterschiede oftmals langwierigen und schwierigen Integration“ mitzuhelfen. Innerhalb von nur ein paar Wochen habe man im Frühjahr unter Federführung des stellvertretenden MAV-Geschäftsführers Josef Schulte das Projekt konzipiert, Partner gesucht und auch schnell gefunden. Allen voran bei der Arbeitsagentur, die sich laut dem Arbeitgeber-Vorsitzenden gleich „ganz offen dafür gezeigt“ habe: „Vor ein paar Jahren war das noch ganz anders.“

Auch jetzt sei man damit einen „untypischen Weg“ gegangen, erklärte Sandra Pawlas, unter deren Vorgängerin Karin Käppel das Projekt gestartet war. Denn eigentlich seien die Geflüchteten gar nicht ihre Kunden, sondern vielmehr zunächst Bezieher von Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz, um dann irgendwann in der Statistik des Job-Centers aufzutauchen, aber so lange wollte man nicht warten. „Denn ich glaube, es ist ganz wichtig, früher anzusetzen“, machte Sandra Pawlas deutlich, dass die Beteiligung und die Zusammenarbeit mit lokalen Netzwerk-Partnern auch für sie selbstverständlich seien.

Einer dieser Partner sind die Euro-Schulen MK, die den sechswöchigen Sprachkurs übernahmen und deren Geschäftsführer Özgür Gökce auch sofort von der Idee begeistert war: „Denn damit kann man aktiv etwas in die andere Richtung bewegen, was bei der Inte­gration vor 30, 40 Jahren schief gelaufen ist.“ Möglich wurde die schnelle Realisierung auch, weil man eben nicht auf die „große Politik in Berlin“ gewartet, weil die Arbeitsagentur Mittel zur Verfügung gestellt und weil der MAV zudem noch weitere Unterstützung für zusätzlich notwendigen Sprachunterricht auch für die kommenden beiden Projekt-Runden (u. a. mit 20 Plätzen in Hagen) zugesagt habe. Denn Schwerpunkte in dem Kurs waren anderes als üblich nicht das Erlernen der Basis-, sondern der Fachsprache, also der Erwerb des Wortschatzes für den Bereich Metalltechnik und die Kommunikationsfähigkeit für den beruflichen Alltag.

Den lernten die 15 Teilnehmer im Grundkurs „Metalltechnik für Industrieberufe“ beim nächsten Projektpartner, der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne, kennen. Zwölf der Flüchtlinge schlossen den achtwöchigen Kurs ab, in dem sie in der Letmather Ausbildungswerkstatt die Grundlagen des Drehens und Fräsens sowie Schweiß- und Löttechnik kennenlernten. „Die waren absolut pünktlich und zuverlässig, obwohl manche von ihnen morgens einen Anfahrtsweg von eineinhalb Stunden und mehr mit dem öffentlichen Personen-Nahverkehr hatten“, berichtete Andreas Weber. Er ziehe auch den Hut vor den jungen Menschen, die teils noch begleitend weiteren Sprachunterricht genommen hätten. Drei Teilnehmer seien vor Abschluss ausgeschieden, weil sie noch einen weiteren Sprachkurs benötigt hätten.

Für die übrigen Zwölf brauchte man dann Praktikumsplätze in „Unternehmen mit Pioniergeist“, wie es Sandra Pawlas ausdrückte. Und davon gab es zur Freude von Horst-Werner Maier-Hunke mehr als genug und vor allem als erwartet: Statt der ursprünglich benötigten 15 Plätze hätten die Mitgliedsfirmen sogar 51 Plätze zugesagt. „Die Unternehmen stehen dem sehr viel offener gegenüber als allgemein bekannt ist.“ Und allen elf Teilnehmern, die das dreimonatige Praktikum erfolgreich beendeten – nur einer brach ab – wurde ein Übernahmeangebot gemacht, das alle annahmen, bis auf einen der aus familiären Gründen in eine andere Stadt zieht. So haben zwei bereits ihre Ausbildung begonnen, und zwar einer zum Maschinen- und Anlagenführer bei der Firma MPG Mendener Präzisionsrohr und Wärmetechnik GmbH und einer bei ThyssenKrupp Federn und Stabilisatoren in Hohenlimburg. Sechs weitere haben eine sogenannte Einstiegsqualifizierungs(EQ)-Maßnahme begonnen, an die sich in den meisten Fällen eine Ausbildung oder reguläre Beschäftigung anschließt. Ein Flüchtling steht noch vor der Entscheidung, ob erst Maßnahme oder direkt arbeiten, und einer kann direkt anfangen zu arbeiten.

 
 

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