Fahrgäste vier Stunden in Bahn auf einer Brücke gefangen

Auf der Zugbrücke in Wandhofen ist ein Zug liegengeblieben. Die Fahrgäste wurden in einen anderen Zug evakuiert um dann zum Schwerter Bahnhof gefahren zu werden.
Auf der Zugbrücke in Wandhofen ist ein Zug liegengeblieben. Die Fahrgäste wurden in einen anderen Zug evakuiert um dann zum Schwerter Bahnhof gefahren zu werden.
Foto: Bernd Paulitschke
Fast vier Stunden im verschlossenen Zug: Für die Fahrgäste wurde die Fahrt zum Albtraum, als ihr Triebwagen auf einer Brücke liegenblieb.

Schwerte.. Diese Fahrt nach Iserlohn endete für 62 Fahrgäste in einem Albtraum: Gegen 16.20 Uhr - so ein Bahnsprecher - sei ein Defekt an der Technik des Triebzugs aufgetreten. "Er ist kurz vor dem Bahnhof Ergste stehengeblieben", berichtete die sichtlich von Strapazen gezeichnete Katharina Hülsmann, die auf dem Heimweg von ihrem ersten Praktikumstag in Hörde war. Mitarbeiter der Bahn hielten es für die beste Lösung, einen zweiten Zug anzufordern, um den havarierten Triebwagen nach Schwerte zurückzuschleppen. Der Versuch - so erzählten die Passagiere - scheiterte aber ausgerechnet mitten auf der Ruhrbrücke. Laut Bahn waren Kupplungsprobleme schuld daran.

Klimaanlage und Klospülung funktionierten nicht

"Meine Schwester, die unbedingt Tabletten bräuchte, sitzt in dem Zug fest", klagte Aileen Junge, die mit Nicole Selbeck zum Ruhrufer geeilt war. "Mein Freund sitzt da drin", sorgte sich die auch. Aussteigen konnte er nicht. Denn der Schaffner hatte - wie Reisende später angaben - alle Türen von Hand verriegelt. Ohne Strom hätte die Klimaanlage genauso wenig funktioniert wie die Spülung der Toiletten. Kurzzeitig habe sich sogar eine gewisse aggressive Stimmung breit gemacht, warf ein Mann ein: "Es wurde versucht, die Türen gewaltsam zu öffnen."

"Ich bin fast ausgerastet", schimpfte auch Graciella Celentano, die die ganze Zeit nicht an einer einzigen Zigarette ziehen konnte. Manche seien zum Rauchen auf die Toilette gegangen. Noch schlimmer muss allerdings der Mangel an Getränken die Eingeschlossenen geplagt haben. "Es gab nur ein Sixpack Wasser für alle", sagte Renate Pajonk: "Ich habe immer Verständnis für einen technischen Defekt. Aber wie kann man Menschen so behandeln?"

Feuerwehr brachte Passagieren Wasser

Erst als die Passagiere nach über drei Stunden unruhig geworden seien, habe die Bahn die Feuerwehr verständigt, erklärte Einsatzleiter Marcus Göbel. Der Löschzug Villigst, für solche Fälle ausgerüstet, brachte endlich Wasser, Cola und Fanta in ausreichenden Mengen. Dann führten die Retter die Fahrgäste über Laufstege in den zweiten Triebwagen, der sie um 20.08 Uhr nach Schwerte zurückbrachte. Lediglich eine 14-Jährige durfte über Leitern von der Brücke herabsteigen, weil sie dort ihren wartenden Eltern übergeben werden konnte.

Zu der ganzen Misere passte es, dass der Notbus, der die Reisenden vom Bahnhof Schwerte nach Iserlohn bringen sollte, offensichtlich zunächst nach Wandhofen dirigiert wurde. "Ein Desaster", schimpfte nicht nur Ilona Kardas: "Ich habe eine kleine Tochter zu Hause, die wartet auf mich."

Die Strecke ist nach Bahn-Angaben bereits seit den Abendstunden wieder frei.

 
 

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