Ein zweigliedriges Schulsystem für Iserlohn

Schulgutachter Dr. Ernst Rösner referierte im voll besetzten Ratssaal.
Schulgutachter Dr. Ernst Rösner referierte im voll besetzten Ratssaal.
Foto: Michael May/IKZ
Mit Spannung war sein öffentlicher Auftritt erwartet worden. Und Dr. Ernst Rösner enttäuschte die Erwartungen nicht bei der Vorstellung seines Gutachtens zur Entwicklung der weiterführenden Schulen in Iserlohn.

Iserlohn.  Knapp 50 Minuten und ein gutes Dutzend Schaubilder benötigte Dr. Ernst Rösner am Mitwochabend, um dem Schulausschuss im voll besetzten Ratssaal die Quintessenz seines Gutachtens zur Gestaltung der weiterführenden Schullandschaft zu präsentieren. Rösner empfiehlt die möglichst zeitgleiche Gründung von drei Sekundarschulen zum Schuljahr 2015/2016, die an die Stelle der Real- und Hauptschulen treten sollen. Damit würde in Iserlohn ein zweigliedriges System geschaffen, bestehend aus Gymnasien und Schulen des längeren gemeinsamen Lernens.

„Davon geht die Welt dann auch nicht unter“

Für den Ortsteil Hennen regt Wissenschaftler die Teilnahme am NRW-Modellversuch „Primus“ an, räumte aber zwischen den Zeilen auf Nachfrage aus dem politischen Raum ein, dass er diesen Vorschlag nur deshalb unterbreitet habe, um den Ratsbeschluss zu erfüllen, für Hennen ein weiterführendes Schulangebot zu erhalten. Die Primusschule sei hierfür die einzige Option, so Rösner. Sollte diese Lösung jedoch nicht realisierbar sein aufgrund einer geänderten politischen Meinungsbildung oder wegen fehlender Nachfrage auf der Elternseite und der Norden der Stadt demzufolge kein weiterführendes Schulangebot mehr haben, „dann geht davon auch nicht die Welt unter“. Die vom Bildungsbündnis favorisierte Lösung einer 2. Gesamtschule in Hennen halte er zwar für „sympathisch“, jedoch nicht für empfehlenswert angesichts der ungeklärten Nachfrage und der verhältnismäßig hohen Investitionskosten.

Seinen eigenen präferierten Vorschlag zur flächendeckenden Einführung von Sekundarschulen bezeichnete Rösner als „Gesamtkonzept für Iserlohn“, was die Gründung einer zweiten Gesamtschule nicht sei. Neben einem auf lange Sicht stabilen System biete seine Alternative zudem den Vorteil, dass nicht nur zwei zusätzliche Gesamtschulzüge geschaffen würden, sondern 12 Züge hinzukämen, die in die gymnasiale Oberstufe münden.

Als aus seiner fachlichen Sicht einzigen, aber dafür nicht zu vernachlässigenden Nachteil seines Konzepts bewertete der Gutachter die Tatsache, dass seine Empfehlungen in keiner Weise mit den Ergebnissen der Iserlohner Trendabfrage zu den weiterführenden Schulen übereinstimmt. Die damalige Ablehnung der Sekundarschule durch die Eltern sei aber möglicherweise einer grundsätzlichen Uninformiertheit geschuldet. Dieses Wissensdefizit über den Schultyp könne die Stadt aber selbst durch gezielte und umfassende Information beseitigen, zumal es mittlerweile reichhaltiges Anschauungsmaterial funktionierender Sekundarschulen im Land gebe. Beispielhaft nannte Rösner die Stadt Werl: „Die haben das toll gemacht.“ Sollte es zudem noch gelingen, auch die Realschulleitungen für die Idee zu begeistern, „dann ist das die halbe Miete“.

Bedarfsgerecht und zukunftsorientiert

Deutliche Worte richtete der Experte zudem an die Politik hinsichtlich nötiger Investitionen. So plädierte Dr. Rösner für einen möglichst schnellen Ausbau der seit Jahren unter Raumnot klagenden Gesamtschule am Nußberg noch über das bisher politisch ins Auge gefasste Maß. „Hier muss investiert werden. Und das nicht nur im Oberstufenbereich.“ Unter finanziellen Gesichtspunkten müsse überdies bedacht werden, dass Sekundarschulen verbindliche Ganztagsschulen seien mit entsprechender Infrastruktur. Sollte die Stadt als Schulträger am Ende der politischen Debatte und der Elternbeteiligung jedoch die Umsetzung seines Vorschlages wagen, seien dies bedarfsgerechte und zukunftsorientierte Investitionen.

Bericht folgt

 
 

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