Ein neuer Stern gab sein Debüt

Michael Scheffler (l.) eröffnete das Konzert mit Grüßen der Stadt, neben ihm Pianist Andreas Hering (M.) und Musikschulleiter Paul Breidenstein.
Michael Scheffler (l.) eröffnete das Konzert mit Grüßen der Stadt, neben ihm Pianist Andreas Hering (M.) und Musikschulleiter Paul Breidenstein.
Foto: IKZ
Mit seinem Auftritt zur Eröffnung der 14. Kammerkonzert-Saison stellte sich Andreas Hering als „neuer“ Klavierpädagoge an der städtischen Musikschule jetzt auch der Öffentlichkeit vor.

Iserlohn..  Ein neuer Stern am Iserlohner Musikhimmel gab am Sonntag sein Debüt zur Eröffnung der 14. Saison der Iserlohner Kammerkonzerte im Konzertsaal der Musikschule. Andererseits – so richtig „neu“ ist Andreas Hering, um den es hier geht, nun auch wieder nicht. Seit April 2012 unterrichtet er bereits 40 Schülerinnen und Schüler in der Nachfolge von Dankwart von Zadow an der Musikschule im Fach Klavier.

Zu Beginn leitete Musikschulleiter Paul Breidenstein mit einem launigen Wintergedicht von den widrigen Wetterbedingungen, von denen sich die zahlreichen Zuhörer jedoch nicht hatten abhalten lassen, über zur Begrüßung und zur Eröffnung der Konzertreihe durch den stellvertretenden Bürgermeister Michael Scheffler.

Im Mittelpunkt stand dann natürlich Andreas Hering selbst, der für das Konzertprogramm drei Werke von der Klassik über die Romantik bis hin zum Impressionismus ausgewählt hatte, vielleicht auch mit dem Ziel, eine, auch für Klavierschüler wichtige, möglichst große Bandbreite der Klavierliteratur zu demons­trieren. „Leidenschaft und Atmosphäre“ – so der Titel des Programms, an dessen Anfang dann jedoch zunächst einmal die klaren, „klassischen“ Strukturen der Klaviersonate h-moll von Joseph Haydn standen, die Andreas Hering, gestützt durch seine überragende Spieltechnik, hervorragend, auch über die formalen Strukturen einer frühklassischen Sonate hinaus, emotional und subjektiv interpretierend auszuleuchten verstand.

Ein kleiner Vorgeschmack

Dies war dann auch erst ein kleiner Vorgeschmack dessen, was die zunehmend begeisterten Zuhörer, unter ihnen auch zahlreiche Kollegen und Schüler von Andreas Hering, im weiteren Verlauf des Konzertes geboten bekamen. Die drei „Images“, Spätwerke von Claude Debussy, standen dabei mit ihrem ausdrucksstarken Klangreichtum für die „Atmosphäre“ im Programmtitel. Ob es das Glitzern der Wasserperlen im Sonnenlicht oder die Referenz an den französischen Großmeister des Barocks, Jean-Philippe Rameau, unter Verwendung impressionistischer Farbigkeit und Klangvirtuosität waren – Hering gelang es meisterlich, die Vielfalt der Bilderwelt Debussys vor den Augen und im Kopf der Zuhörer erscheinen und lebendig werden zu lassen.

Erst recht „leidenschaftlich“, siehe Konzerttitel, ging Andreas Hering dann sowohl bei den mächtigen und energischen Akkordballungen als auch bei den zahlreichen eher lyrischen Anteilen der Klaviersonate Nr. 2 fis-moll von Johannes Brahms zu Werke. Hier harmonierte die enorme Klangfülle des „Bösendorfer imperial“ vorzüglich mit der unglaublichen Virtuosität und der unbändigen Ausdrucksstärke des erst 29-jährigen Interpreten, der es, so nebenbei, in beeindruckender und sehr sympathischer Weise verstand, dem Publikum die Entstehungsgeschichte der Sonate im Lichte des Dreiecksverhältnisses von Clara Schumann, Robert Schumann und Johannes Brahms zu erläutern. Die vom begeisterten Publikum geforderten Zugaben, die Norma Fantasie von Franz Liszt und „Take Five“ von Dave Brubeck, bündelten dann noch einmal all das, was an diesem Vormittag zu erleben war: Leidenschaft und Atmosphäre im Rahmen einer großen Bandbreite der Klavierliteratur, gepaart mit technischer Brillanz und exzellenter Ausdrucksstärke des Interpreten.

Die Frage, die sich allen Anwesenden insgeheim aufdrängte, warum ein solch begnadeter Konzertpianist überhaupt eine pädagogische Tätigkeit im Rahmen einer Musikschule anstrebt, beantwortete Andreas Hering nach dem Konzert mit einer bewundernswerten Offenheit und einem Augenzwinkern. „Die Tätigkeit an der Musikschule bietet mir die Basis, sowohl meine Konzerttätigkeit weiterzuführen als auch meinen pädagogischen Ambitionen nachzugehen. Morgens kann ich üben und freue mich auf die Schüler am Nachmittag – und die freuen sich hoffentlich auch auf mich.“ Und warum gerade Iserlohn? „Die Musikschule hat einen guten Ruf, bietet sehr gute Arbeitsbedingungen und Iserlohn liegt geografisch-verkehrstechnisch sehr günstig.“

Ein guter Musikpädagoge muss sicherlich nicht in jedem Fall ein exzellenter Instrumentalist sein – wenn aber beides zusammen kommt, wie es bei Hering der Fall zu sein scheint, ist das Optimum erreicht. Zu diesem gelungenen „Coup“ kann man Paul Breiden­stein, der Musikschule und der Stadt nur Glückwünsche aussprechen.

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