Ein größeres musikalisches Vergnügen? Kaum vorstellbar!

Werner Geck und seine beiden Mitmusiker ließen ihrer Spielfreude am Montag freien Lauf.
Werner Geck und seine beiden Mitmusiker ließen ihrer Spielfreude am Montag freien Lauf.
Foto: Michael May IKZ
Das Werner-Geck-Trio begeistert im vollen Henkelmann mit Berliner Musik aus den 20er und 30er Jahren .

Iserlohn..  Es ist kaum vorstellbar, dass diese Musik früher einmal auf derartige Ablehnung gestoßen ist. Die Art und Weise, wie Werner Geck Jazz spielt, wie swingt und improvisiert, wie er sich mit Paul G. Ulrich am Bass und Christian Schröder am Schlagzeug die Bälle zuspielt und die Soli um die Ohren pfeffert, macht einfach nur Spaß. Ein größeres musikalisches Vergnügen ist kaum vorstellbar, und auch am Montag bei der Ostermatinée im bestens besuchten Henkelmann für viele viele lachende Gesichter gesorgt.

Großer Verlustfür die deutsche Kultur

Vor 70 Jahren sah die Welt in Deutschland noch ganz anders. Musikalischer Witz war damals unter dem NS-Regime nicht gerne gesehen – und das nicht nur aus Humorlosigkeit. Jazz galt als entartet, wer Saxophone einsetzte, konnte durchaus mit Verfolgung rechnen, die meisten Künstler gingen ins Exil. „Es ist Wahnsinn, welche Kultur-Masse Deutschland damals verloren hat“, konstatierte Geck am Montag. Der Gedanke drängte sich auf, denn in seinem Programm „Frauen sind keine Engel“ widmet er sich dem Berlin der 20er Jahre – und dem, was da unter dem Mitwirken von deutschen Musiker-Giganten wie Kurt Weill, Friedrich Hollaender oder Peter Kreuder aufblühte, wurde von den Nazis ein jähes Ende bereitet. Mit Polizeigewalt wurde gegen die „Negermusik“ vorgegangen.

Nun ist Werner Geck glücklicherweise ein wenig später geboren, hat den Jazz in den 50er Jahren für sich entdeckt und durfte ihn unter dem Dach des ältesten Jazz-Clubs der Republik auch nach Herzenslust ausleben – was er bis heute mit anscheinend wachsender Begeisterung tut. Weill, Hollaender oder Kreuder als klassisch ausgebildete Pianisten und Komponisten waren mit Sicherheit keine Vollblut-Jazzer, von den neuen Klängen aus den USA waren aber auch sie infiziert. Und diese Brücke zwischen ihren wunderbaren Filmmusik- und Kabarett-Hits der 20er Jahre und dem improvisierten Jazz hat Geck am Montag wie wohl kaum ein andere geschlagen. Auch dank seiner Mitmusiker – dem über alle maßen souveränen Drummer Christian Schröder und dem mit seiner Spielfreude ansteckenden Bassisten Paul G. Ulrich, der sich auch als versierter Sänger sowohl mit Scat-Soli als auch bei unsterblichen Evergreens wie „Ich weiß nicht zu wem ich gehöre“ oder „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ erwies – durften die vielen Besucher des Henkelmanns einmal mehr eine Swing-Sternstunde erleben.

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