Die leisen Helden, die im Rampenlicht stehen

Mit den sechs neuen Charlie-Award-Preisträgern und den beiden zusätzlich ausgezeichneten regionalen Initiativen freuten sich die Laudatoren.
Mit den sechs neuen Charlie-Award-Preisträgern und den beiden zusätzlich ausgezeichneten regionalen Initiativen freuten sich die Laudatoren.
Foto: IKZ/Michael May

Iserlohn..  Die Zeltwände sind in sinnliche Lilatöne getaucht, nur auf der Bühne wird das Licht noch wärmer, geradezu heiß. Hier ist das Herz, der Mittelpunkt der Veranstaltung, und dort stehen an diesem Abend die Leute, denen dieser Gala-Abend mit der Verleihung von insgesamt sechs Charlie Awards gewidmet ist - den „leisen Helden, die im Rampenlicht stehen dürfen“, wie es der Moderator nicht besser hätte ausdrücken können.

Priorin Sr. Dr. Raphaela Händler ist eine dieser „leisen Heldinnen“, die sich für ihren unermüdlichen Kampf für andere niemals in den Vordergrund drängte. „Wir ehren hier eine Frau, die Nächstenliebe als handfeste Tätigkeit erlebbar macht. Wir sind stolz auf Sie, danke Schwester Raphaela“, sagte Laudator Franz Müntefering. Inspiriert von Albert Schweitzer engagiert sich die Ordensschwester seit 45 Jahren in Afrika. Unaufhaltsam ging sie ihren Weg, geplagt von Krankheit, aber immer mit einem Blick für das Wesentliche - anderen zu helfen.

In ihrer Danksagung erzählte sie ihre Lebensgeschichte und richtete ihren Fokus dabei auf die Studenten und gab ihnen ganz im Sinne des Charlie Awards etwas von ihrer Lebenserfahrung mit auf den Weg: „Es wird Krisen in eurem Leben geben. Seid geduldig, haltet das aus, lauft nicht weg, haltet durch!“ , lauteten ihre Mut machenden Worte. Dass die Studenten Schwester Raphaela jetzt schon als Vorbild sehen, drückten sie mit einer Videopräsentation aus, die die Arbeit der Ordensschwester in Tansania zeigte. Musikalisch untermalt mit dem live von Joana Toader gesungenen Lied „Hero“ von Mariah Carey sorgte das für Gänsehautatmosphäre.

Mit Anna Schaffelhuber wurde eine, so Laudatorin Maria von Welser, „ganz besondere junge Frau und großartige Sportlerin“ ausgezeichnet. Mit fünf Jahren stand die von Geburt an komplett Querschnittgelähmte zum ersten Mal auf einem Monoskibob. „Und in diesem Jahr holte sie bei den Paralympics in Sotschi fünf Goldmedaillen, was vor ihr noch niemand geschafft hat.“ Sie sei ein Vorbild für alle jungen Menschen, Sportler und vor allem Behinderte. Die so Geehrte freute sich sehr über den Preis, der in einem von Aufs und Abs geprägten Sportlerleben eine echte Anerkennung bedeute und ihr neue Motivation gebe, und zwar als nächstes für die Weltmeisterschaft 2015.

Dem Kampf gegen den Hunger, dem laut Laudatorin Julia Becker „größten lösbaren Problem unserer Zeit“, hat sich Gudrun Bauer seit einem Jahrzehnt verschrieben. „Mutig, begeisternd, beständig, ideenreich, hartnäckig, professionell und mit viel Witz und Charme“ setze sich die Ehefrau des Hamburger Verlegers Heinz Bauer für die Welthungerhilfe ein. Die 2012 von ihr gegründete Initiative „Reiten gegen den Hunger“ habe bei Turnieren bereits weit über eine halbe Million Euro gesammelt. Von einer solchen Unterstützung habe sie nicht zu träumen gewagt, freute sich die Ausgezeichnete, die sich zuletzt im Februar in Liberia selber ein Bild von der Not vor Ort gemacht hat.

Trotz einer nervenzerrenden Anreise von dreieinhalb Stunden aufgrund des Verkehrs strahlte die hochschwangere TV-Moderatorin Nazan Eckes wie eh und je. „Obwohl ich seit 15 Jahren vor der Kamera stehe, bin ich ein bisschen nervös.“ Und zwar wegen des Charlie Awards, über den sie sich aufrichtig freute, und wegen der Worte, die ihr Laudator Armin Laschet für die 38-Jährige gewählt hatte, die sich für Chancengleichheit und Bildungszugang für alle einsetzt und ein Beispiel dafür sei, wie Aufstieg in unserem Land gelingen kann. „Und ich kann die Ehrenämter gar nicht alle aufzählen, für die sie sich Nazan Eckes einsetzt“, so der Politiker.

Preisträger Sönke Wortmann stellte sich eher in den Hintergrund. „Ich freue mich über den Preis, dennoch sind für mich die wahren Helden diejenigen, die sich hier in der Region eingesetzt haben“, so der Regisseur. Damit spielte er auf die Jugendlichen der Initiative „Building One World“ aus Hallenberg mit ihren Hilfsprojekten vor Ort, in Bosnien und Herzegowina und Bolivien, auf die Aktionsgruppe gegen Fremdenfeindlichkeit „Es tut sich was“ aus Lennestadt sowie auf das Engagement des Hagener Kinderkrankenpflegers Jens Schilling an, der sich dafür einsetzt, dass möglichst jeder durch Reanimation Leben retten kann.

 
 

EURE FAVORITEN