Das Kriegsbeil im Schulstreit ist begraben

Noch unmittelbar vor der Sitzung erörterten die Fraktionen letzte Details des Kompromissvorschlages zur Schulentwicklung.
Noch unmittelbar vor der Sitzung erörterten die Fraktionen letzte Details des Kompromissvorschlages zur Schulentwicklung.
Foto: Josef Wronski/IKZ
Iserlohn. Mit nahezu einstimmigen Beschlüssen beendete am Dienstagabend der Rat der Stadt den „Schulkrieg“. Nach der Anerkennung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens gegen die 2. Gesamtschule in Hennen soll nun ein Gutachter bis zu den Sommerferien ein Gesamtkonzept für die Entwicklung der weiterführenden Schulen erarbeiten.

Iserlohn. Es war eine Szene mit Symbolcharakter: Vor der Tür zum Ratssaal umarmte Schulausschussvorsitzende Renate Brunswicker (CDU) SPD-Fraktionschef Mike Janke. Ein Bild am Dienstagabend um 17.45 Uhr nach der Sondersitzung des Stadtparlamentes, in dem das hoffentlich nicht nur vorläufige Ende des Iserlohner „Schulkrieges“ per weitestgehend einstimmiger Beschlüsse besiegelt wurde. „Mit fällt ein Stein vom Herzen, diese Einigung war nicht leicht und ist eine demokratische Leistung“, hatte Brunswicker zuvor in der Sitzung ihrer Erleichterung über das Ende der gegenseitigen Blockade Luft gemacht.

Was hatten sie gestritten in den letzten zwei Jahren, zuletzt mit immer größerer Intensität, das aus vier Fraktionen bestehende „Bildungsbündnis“ auf der einen Seite, CDU und Freie Wähler auf der anderen Seite. Schnee von gestern im milden Winter 2013: Nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg, laut dem das Bürgerbegehren gegen die Errichtung einer 2. Gesamtschule am Standort Hennen zulässig ist, übte sich die Politik am gestrigen Abend im verbalen Schulterschluss, der den Verdacht aufkommen lässt, dass die Kreidevorräte an den Iserlohner Schulen jetzt dringend aufgefüllt werden müssen. Nach turbulenten Zeiten, in denen der Rat nicht das öffentlich beste Bild abgegeben habe, sei nun in allen Fraktionen der mit einem Willen zur Kompromissbereitschaft versehene Wunsch spürbar, sich in der Schulentwicklungspolitik wieder anzunähern, erklärte Rolf Kramer (CDU) und berichtete von ebenso erfreulichen wie konstruktiven Gesprächen. Die mündeten letztlich in einen gemeinsamen Beschlussvorschlag, dessen letzte Details noch kurz vor der Ratssitzung fixiert worden waren. Auch Mike Janke (SPD) setzte seine Hoffnung darauf, dass der „Spalt“ im Rat nun wieder zugeschüttet werden kann: „Es ist das Gebot der Stunde, aufeinander zuzugehen.“

Kernpunkt aller folgenden Beschlüsse war indes die Anerkennung der Zulässigkeit des Bürgerbegehrens, die letztlich einstimmig bei drei Enthaltungen der SPD-Fraktion erfolgte. Im Anschluss hob der Rat bei nur einer Gegenstimme den am 3. Juli gefassten Beschluss zur Errichtung einer 2. Gesamtschule in Hennen auf. Damit entfällt die Notwendigkeit für einen sonst zwangsläufigen Bürgerentscheid. Die Verwaltung wird nun den bereits bei der Bezirksregierung Arnsberg gestellten Antrag zurückziehen, so dass die Gesamtschule am Nußberg weiterhin sechszügig geführt werden kann. Um zu neuen Ufern aufzubrechen, so die letzte und einstimmige Entscheidung, wird in Kürze nach einer Auswahl durch den Schulausschuss ein Gutachter eingeschaltet, der bis zum Beginn der Sommerferien ein Konzept zur Entwicklung der weiterführenden Schulen erarbeiten soll. Oberste Priorität soll dabei der Elternwille und damit die Schaffung ausreichender Gesamtschulplätze besitzen. Zudem sollen Antworten auf das geänderte Wahlverhalten der Eltern entwickelt werden. Bei allen denkbaren Alternativen soll nach Möglichkeit der vorhandene Baubestand genutzt und auf Dependance-Lösungen verzichtet werden. Der Standort Hennen soll zudem durch ein bedarfsgerechtes Schulangebot gesichert werden. Im Rahmen der Gutachter-Tätigkeit sollen die Frage der Inklusion thematisiert und die Schulleiter an der Konzeptentwicklung beteiligt werden.

 
 

EURE FAVORITEN