Carl-Heinz Kipper – ein Zeitzeuge für Toleranz und Menschlichkeit

Carl-Heinz Kipper auf dem jüdischen Friedhof am Dördel bei einer Gedenkveranstaltung der CDU im Jahr 2013.
Carl-Heinz Kipper auf dem jüdischen Friedhof am Dördel bei einer Gedenkveranstaltung der CDU im Jahr 2013.
Foto: Josef Wronski/IKZ
Der verdiente und allseits geschätzte Iserlohner Carl-Heinz Kipper ist Donnerstag im Alter von 87 Jahren gestorben.

Iserlohn..  Mit Bestürzung reagierten seine Weggefährten auf die traurige Nachricht vom überraschenden Tod Carl-Heinz Kippers. Der Iserlohner starb am Donnerstag kurz vor Vollendung seines 88. Lebensjahres. „Charly“ Kipper, wie ihn seine Freunde nannten, galt als Iserlohner Original und als „lebendes Kapitel der Stadtgeschichte“.

Film über „Charly“ Kipper

Der Film, den die Stadt Iserlohn über ihn gedreht hat, sollte in wenigen Tagen fertiggestellt werden, um ihn mit Kipper in einer besonderen Veranstaltung der Öffentlichkeit vorzustellen, so Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, der den letzten Überlebenden des Nazi-Regimes im Märkischen Kreis zu diesem Projekt ermunterte. Jetzt wird es sein Vermächtnis sein ebenso wie die Bücher, die in Zusammenarbeit mit Autorin Sabine Hinterberger entstanden sind und die sich besonders gut eignen, um Jugendlichen das Thema Nationalsozialismus nahezubringen: „Mathias und der Mensch aus Bronze“, „Briefe aus dem Dunkeln. Ein Comic“ und „Onkel Willy, warum weinst Du?“

Carl-Heinz Kippers lebendige Schilderungen der Reichspogromnacht und deren Folgen für Juden in Iserlohn erschütterten junge und ältere Zuhörer bei seinen unzähligen Vorträgen und Rundgängen. Auch die Geschichte seiner Familie: Von 64 Angehörigen des Sohnes einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters haben nur sechs die Schoah überlebt.

Als kleiner Junge hatte „Kiki“, wie ihn seine Freunde aus Kindertagen nannten, mit eigenen Augen mit angesehen, wie die Iserlohner Synagoge abbrannte, und wie jüdische Geschäfte in der Wermingser und Unnaer Straße vom braunen Mob geplündert wurden.

Kipper engagierte sich seit 13 Jahren als jüdischer Zeitzeuge der NS-Zeit mit dem Jugendamt in der Erinnerungsarbeit mit Schülern in Iserlohn und Schwerte. Zusammen mit Jugendamtsmitarbeiter Jürgen Lensing bestritt er 175 historische Stadtrundgänge auf den Spuren jüdischen Lebens in Iserlohn. Er suchte mit den Schülern markante Stätten auf wie den Standort der ehemaligen Synagoge an der Mendener Straße, den jüdischen Friedhof am Dördel und das Mahnmal am Poth.

Noch am jüngsten Jahrestag der Pogromnacht erinnerte Charly Kipper auf Einladung der CDU auf dem jüdischen Friedhof an die Judenverfolgung in Iserlohn: „Wir wollen alle gemeinsam dafür Sorge tragen, dass so etwas nie wieder passiert“, hatte er bei der Gedenkveranstaltung erklärt und betont: „Die Erinnerung darf nie enden.“

Für sein unermüdliches Engagement gegen das Vergessen des Naziterrors zeichnete Minister Armin Laschet den Zeitzeugen im Jahr 2009 in der jüdischen Synagoge in Bochum mit dem Ehrenpreis des Landesjugendrings aus, dem „Goldenen Hammer“. Dr. Peter Paul Ahrens verlieh ihm 2012 die Ehrennadel der Stadt im Ratssaal. Kipper zeigte sich bei dieser persönlichen Auszeichnung im Kreise seiner engsten Freunde aus dem IBSV und im Beisein von Schülern glücklich und sehr gerührt.

Interkulturelle Verständigung

Carl-Heinz Kipper wurde erneut im vergangenen Jahr geehrt: Er erhielt in Dortmund die Auszeichnung für interkulturelle Verständigung und Zivilcourage vom Bündnis für Demokratie und Toleranz.

Der frühere Unternehmer und Inhaber einer Kokillenfabrik war untrennbar mit dem IBSV verbunden, für den er sich lange im Stab, in der Werbe-Arbeitsgemeinschaft und im Rat der Könige einsetzte. Im Jahr 1984/1985 war er deren stolzer Regent an der Seite von Maria Schulte-Friesel. Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnerte er sich an diese Zeit, die zu den Höhepunkten in seinem gesellschaftlichen Leben gehörte: „Ich habe es besonders genossen, wie ich in der Kutsche durch die Stadt gefahren bin und alles jubelte – auch alte Nazis.“

 
 

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