Unsterbliche Songs von Johnny Cash

Ralf Engel
Gunter Gabriel begeistert mit Hello, I'm Johnny Cash im Grohe-Forum
Gunter Gabriel begeistert mit Hello, I'm Johnny Cash im Grohe-Forum
Foto: IKZ

Hemer. Brüchig, leise erklingt die tiefe Stimme aus dem Halbdunkel der Bühne. „There ain’t no grave, gonna hold my body down“, singt ein alter Mann mit zaghaften Gitarrenakkorden. „Kein Grab kann mich unter der Erde halten“, dieser Song ist an diesem Abend im Grohe-Forum Botschaft und Rahmen zugleich: Unsterblich sind die Songs von Johnny Cash, für zwei Stunden wurde auch der legendäre Countrysänger zum Leben erweckt - ganz irdisch durch Gunter Gabriel. „Hello I’m Johnny Cash“ begeisterte über 800 Zuhörer.

Schauspiel, Musical, Konzert? Das Publikum schien zunächst Schwierigkeiten mit der Einordnung zu haben, ist es doch plötzlich live beim Toncheck von Johnny Cash und seinen Tennesse Three dabei, muss quasi im Schauspiel das Cash-Publikum spielen.

Gunter Gabriel singt nicht nur die Hits seines langjährigen amerikanischen Freundes, er schlüpft mit Perücke in die Rolle seines Idols, übernimmt dessen Tonfall, seine Gitarrenhaltung. Die Rolle ist Gabriel auf den Leib geschrieben, schließlich verlief auch dessen Leben wie ein Rodeoritt. „Ich war immer mal ganz schön unten“, sagt er in einem der vielen Monologe über die Lebensgeschichte von Johnny Cash und meint damit wohl eben auch seine eigene. Die Hommage an den „Man in black“ erzählt aus dem Leben Cashs, von seiner Familie auf der Farm, von seiner Armyzeit in Deutschland, der ersten Platte, den legendären Gefängniskonzerten, Musik, Bier , Drogen und Frauen. In die Erzählung mit sparsamer Handlung sind 30 Cash-Songs eingebunden, natürlich sein erster Nummer Eins Hit „I walk the line“ oder „Man comes around“. Der fetzige Rockabilly-Boogie und Honkytonk-Sound der Begleitband ist mitreißend.

Gerade beim Thema Frauen kommt eine Partnerin ins Spiel, die der Aufführung eine deutliche Steigerung beschert. Helen Schneider schlüpft in die Rolle von June Carter, spielt sie herzerfrischend authentisch und mit einer grandiosen Stimme. Johnny Cash himmelte June Carter an, heiratete sie 1968. Das Werben um die große Liebe und der Heiratsantrag auf der Bühne, verleihen dem Stück Schwung und musikalische Höhepunkte, so den Hit „Ring of fire“, ein Song über die Drogensucht des Musikers oder das Duett „Jackson“. Zu den musikalischen Höhepunkten des Abends gehört jedoch der Evergreen „Bridge over troubled water“. Helen Schneider singt ihn emotional als Solo nur mit Klavierbegleitung und einem Gänsehaut-Sound im Grohe-Forum.

Die Geschichte der großen Liebe endet mit dem bewegenden Cash-Vermächtnis „Hurt“. Mit „Ain’t no grave“ schließt sich der musikalische Rahmen und der zweier Künstler und Freunde. Gunter Gabriel nimmt die Perücke ab, „Hello, I’m Gunter Gabriel“ und genießt mit Helen Schneider die stehenden Ovationen eines begeisterten Hemeraner Publikums.