Land will Bahntrasse lieber mieten als kaufen

Ehemalige Bahnstrecke zwischen Hemer und Menden in Höhe der Kriegsgräberstätte am Höcklingser Weg
Ehemalige Bahnstrecke zwischen Hemer und Menden in Höhe der Kriegsgräberstätte am Höcklingser Weg
Foto: IKZ

Menden/Hemer..  Das Land Nordrhein-Westfalen wird der Stadt Hemer die frühere Bahntrasse nach Menden wohl nicht abkaufen, so wie es bislang diskutiert wurde, sondern das Gelände für einen Zeitraum von 20 Jahren anmieten, um darauf einen Radweg zu bauen. Hemers Bürgermeister Michael Esken und Michael Overmeyer vom Landesbetrieb Straßen.NRW bestätigten gegenüber der Redaktion, dass über diese Lösung beraten wird. Für Esken bleibt damit die „Zwischenlösung“ Radweg „zum Greifen nah“.

Dass das Land zum Anpachten statt zum Ankaufen tendiert, hängt mit der so genannten Widmung der Trasse zusammen. Denn obwohl die Strecke stillgelegt ist, bleibt sie formalrechtlich für Eisenbahnverkehrszwecke bestimmt – sie könnte wieder reaktiviert werden. Unter diesen Rahmenbedingungen scheint dem Land der Kauf der Trasse nicht sinnvoll.

Ungeachtet der Eigentumsverhältnisse geht Michael Esken davon aus, dass der auch von ihm angestrebte Radweg zwischen Menden und Hemer auf der Trasse gebaut wird. „Das Geld liegt beim Bund und damit beim Land für den Radweg bereit“, erklärte er gestern. Die Genehmigung zum Abbau der Schienen hat Hemer schon längst von der Bezirksregierung Arnsberg erhalten. „Es hat sich also an der Situation nichts geändert, ich gehe davon aus, dass der Radweg kommt.“

Die Befürworter der Streckenreaktivierung interpretieren die aktuelle Situation gleichwohl anders. Dass das Land die Trasse nicht kauft, ändere die Lage „dramatisch“, finden Ingrid Ketzscher (GAL-Fraktion Menden) und Matthias Gast (Oesetalbahnverein). „Hemers Plan geht nicht auf“, sagt Ingrid Ketzscher.

Der Oesetalbahnverein und die Mendener Grünen setzen vielmehr darauf, dass Gutachter die Streckenreaktivierung als lohnenswert empfehlen werden. Am Montag legte eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Zweckverbands Ruhr-Lippe (ZRL) fest, welche Fragen die Gutachter in dieser so genannten Potenzialanalyse untersuchen sollen. „Wir freuen uns, dass es jetzt losgeht“, sagte Matthias Gast, der als Vertreter der Bahnbefürworter in der Arbeitsgruppe sitzt. Jedenfalls sei der Eindruck vieler Bürger falsch, dass die Strecke bereits definitiv tot sei. Ingrid Ketzscher: „Wir haben alle Zeit der Welt, um das Ergebnis der Potenzialanalyse abzuwarten, bevor man durch den Abbau der Schienen Fakten schafft.“

 
 

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