Gebäude am Nelkenweg komplett geräumt

Foto: IKZ

Hemer.  Es ist eine Hiobsbotschaft, deren Folgen noch nicht absehbar sind. Im Gebäude Nelkenweg 5 - 7 am Sauerlandpark ist eine Raumluftbelastung mit Naphthalin festgestellt worden. Die Stadt reagierte sofort und lässt das komplette Gebäude räumen. Alle Ämter, Förderstellen und VHS müssen Ausweichquartiere beziehen.

Noch handelt es sich um einen Anfangsverdacht und geringe Messwertüberschreitungen „ohne Gesundheitsgefahr“, dabei hofft die Stadt, dass sich das Desaster Regenbogenschule nicht wiederholt. Nach dem Umzug in das Kasernengebäude waren in der Schule im Sommer 2010 Schadstoffe in der Raumluft festgestellt worden, die eine aufwendige Sanierung durch den Märkischen Kreis für 800 000 Euro notwendig machten. Auch dort war Naphthalin gemessen worden - allerdings in einer Konzentration zwischen 1,1 und 28,4 Mikrogramm, sowie Phenol. Noch im Oktober 2010 hatte auch die Stadt ihr Gebäude am Nelkenweg beproben lassen und nur leicht erhöhte Naphthalin-Werte unter dem Richtwert festgestellt.

Geruchsbelästigung

Nachdem Mitarbeiter der kürzlich in das ehemalige Kasernengebäude umgezogenen Lebenshilfe über Geruchsbelästigung und gesundheitliche Beschwerden geklagt hatten, haben das Zentrale Immobilienmanagement und die Lebenshilfe Menden Hemer Balve eine neue Raumluftuntersuchung in Auftrag gegeben.

Bei diesen Messungen überschritten die Naphthalin-Werte den so genannten Richtwert 1 in einigen Räumen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei regelmäßiger Nutzung dieser Räume sind dabei nicht zu erwarten. Zwei Räume überschritten den Richtwert 2, lagen also über den 20 Mikrogramm, die ein Handeln erfordern. Bereits gestern wurde ein weiteres, umfangreiches Gutachten in Auftrag gegeben, bei dem alle Räumlichkeiten des Gebäudes Nelkenweg 5-7 getestet werden sollen. Die Ergebnisse werden in rund zwei Wochen im Hemeraner Rathaus erwartet.

Fraktionen informiert

Bis dahin will die Stadt nicht abwarten und wird vorsorglich das gesamte Gebäude sukzessive frei ziehen. „Ungeachtet jedweder wissenschaftlichen Diskussion hat der Verwaltungsvorstand der Stadt Hemer diese Entscheidung im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getroffen“, teilte die Stadt gestern mit. Darüber hinaus prüfe das Zentrale Immobilienmanagement momentan Möglichkeiten und Kosten der Instandsetzung, falls die Raumluftmessungen durchgängig erhöhte Naphthalin-Werte ausweisen sollten. Hierbei soll durch die Stadt ebenfalls ermittelt werden, inwieweit die Sanierungskosten im Rahmen von Fördermitteln für die Stadt Hemer reduziert werden können. Wurde der Gebäudeumbau doch auch aus Mitteln des Stadtumbaus West gefördert.

Die Fraktionen im Stadtrat sind am Montagabend von dieser Entwicklung unterrichtet worden. Die politischen Gremien werden in den nächsten Wochen umfassend die Lösung der Problematik beraten müssen.

„Rein vorsorglich sind die nun angeordneten Umzugsmaßnahmen zu bewerten“, so die Stadt. Folgende Umzüge gibt es: So wird der Bereich Vormundschaften/Beistandschaften aus dem Amt für Jugend, Familie, Senioren und Soziales ab sofort in der achten Etage des Rathauses im Raum 802 (ehemals CDU-Fraktionszimmer) erreichbar sein. Die Frühförderstelle Lebenshilfe für geistig Behinderte e.V. wird voraussichtlich zum 5. November an die Kuhbornstraße 12 (ehemals städtische Kindertageseinrichtung „Rasselbande“) ziehen. Die Erziehungsberatungsstelle (ZfB) wird in ihren ehemaligen Räumlichkeiten an der Breddestraße 56 zu finden sein.

Das Kulturbüro wechselt ins 1. Obergeschoss des Jugend- und Kulturzentrums am Park, während die Schul- und Sportverwaltung (ab Anfang November) sowie der Stadtarchivar in die Türmchenvilla ziehen werden. Dafür wechselt das Revisionsamt in die siebte Etage des Rathauses am Hademareplatz.

Die Mitarbeiter des Sauerlandparks werden übergangsweise die Räumlichkeiten am Hademareplatz 22 (ehemals Debeka-Versicherungen) nutzen. Die Volkshochschule Hemer-Menden-Balve wurde durch das ZIM offiziell informiert und wird ihre Kursteilnehmer gesondert über die Ausweichorte informieren.

Telefonnummern bleiben

Die Stadt Hemer bittet um Verständnis, sollten die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner aufgrund der kurzfristigen Umzüge in dieser Woche nur eingeschränkt erreichbar sein. Die Telefonnummern aller städtischen Einrichtungen werden vorerst nicht geändert.

Je nach Ausgang der Messergebnisse könnten die Folgekosten für eine Sanierung in die Million gehen. Auch die anderen ehemaligen Kasernengebäude könnten betroffen sein, denn in allen sind offenbar Ende der 30er Jahre in den Bodendecken unter dem Holzasphaltestrich zur Abdichtung ein PAK-haltige Teerkleber und Teerpappe verbaut worden.

 
 

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