Aus dem Job fürs erste Auto wurde neue Heimat fürs Leben

„King-Kong-Kauschen“ sind in der Fachwelt ein Begriff für die Metallteile der Firma Höppe. Mit einer goldenen King-Kong-Kausche verabschiedeten Hans und Hans-Otto Höppe sowie Bürgermeister Esken Franjo Cosic in den Ruhestand.
„King-Kong-Kauschen“ sind in der Fachwelt ein Begriff für die Metallteile der Firma Höppe. Mit einer goldenen King-Kong-Kausche verabschiedeten Hans und Hans-Otto Höppe sowie Bürgermeister Esken Franjo Cosic in den Ruhestand.
Foto: IKZ

Hemer..  Eigentlich wollte er nur kurz nach Deutschland, um sich das Geld für das erste Auto zu verdienen. Die ersten Touristen im damals kommunistischen Jugoslawien hatten mit ihren schönen Autos den großen Wunsch geweckt. 1969 gehörte Franjo Cosic zu den ersten von der Bundesrepublik angeworbenen Arbeitern aus dem ehemaligen Jugoslawien. Doch aus dem kurzen Job in der sauerländischen Fremde wurden über vier Jahrzehnte und eine neue Heimat. Nach 45 Berufsjahren wurde Franjo Cosic nun in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet - aus ihm ist ein echter Hemeraner - genauer gesagt Westiger - geworden.

Ein erstes Notquartierauf der Polizeiwache

Dabei war seine erste Begegnung mit der Stadt Hemer alles andere als beglückend. Der 17-Jährige sprach nur kroatisch und russisch, schlug sich mit Bahn und Taxi nach Hemer durch. Weil nach der langen Reise die Pforten der Firma Höppe im Stephanopeler Tal bereits geschlossen waren, wusste er nicht wohin. „Die erste Nacht habe ich auf der Polizeiwache verbracht“, erinnert sich der jetzt 63-Jährige an das ungewöhnliche, aber freundliche Notquartier. Im Oktober 1969 war schließlich der erste Arbeitstag in der Firma Friedrich Höppe. Franjo Cosic hatte bereits in Jugoslawien als Schmied gearbeitet und begann im Unternehmen als Schmiedehelfer. Auch nachdem das Geld für Auto und Reise längst zusammen waren, hielt es ihn in Hemer. Den Facharbeiterlehrgang der SIHK zum Maschinenschlosser bestand er mit der Note 1,5. Seit 1994 leitete er den Versand.

Auch als Taxifahrer jede Menge Sprüche parat

Seine zupackende Art wussten nicht nur die Kollegen zu schätzen, sondern auch der heutige Firmenchef Hans Höppe. Er lernte durch ihn bereits als Schüler wichtige betriebliche Handgriffe und das echte Malochen in der Schmiede. Gerne erinnern sich beide, an den ersten handwerklichen „Eignungstest“ mit einer 30 Kilogramm schweren Kausche. Diese Metallteile verstärken im Schiffs- oder Kranbau das Drahtseilauge und sind seit über 100 Jahren eine Spezialität der Firma Höppe. Legendär sind auch die Sprüche von Franjo Cosic, und die kennen nicht nur die Kollegen, sondern auch viele Taxifahrgäste.

Seit 23 Jahren ist er nämlich für Taxi Erner unterwegs, als „Nachtfalke, Lebensberater und Geheimnisträger“. „Ich bin eingebürgert und zu 100-Prozent integriert“, sagt der frischgebackene Rentner. So ist auch das gesellschaftliche Engagement für ihn selbstverständlich, damals im deutsch-jugoslawischen Kulturverein oder als Gründungsmitglied des SC Tornado Westig. Auch für den BSV, den Sport und das Knobeln hat Franjo Cosic jetzt mehr Zeit. „Mein Zuhause ist Westig“, sagt er nicht ohne Stolz.

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