„Zeit ist so was von menschlich“

Der Künstler Armin Schmidt arbeitet unter anderem an Frottagen.
Der Künstler Armin Schmidt arbeitet unter anderem an Frottagen.
Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.. Im Atelier von Armin Schmidt liegen – wie es bei Künstlern so üblich ist – jede Menge Bilder übereinander gestapelt auf den Tischen. Auf dem Boden allerdings findet sich etwas ziemlich Ungewöhnliches: viele kleine Holzsplitter. Der Heiligenhauser arbeitet unter anderem an Frottagen.

Wie sich schon an der Aussprache erahnen lässt, kommt das Wort aus dem französischen. „Frotter“ bedeutet so viel wie „reiben“ und genau darum geht es auch. Man legt einen strukturierten flachen Gegenstand unter ein Blatt und reibt dann, meist mit Bleistift, darüber. So drückt sich etwa die Prägung einer Münze auf das Papier durch.

Die Bilder werden gerieben

Armin Schmidt reibt nicht, sondern klopft – mit einem in Farbe getränkten Baumwollstempel. Unter seinem großen Papierbogen liegt auch kein Geldstück, sondern ein Holzschnitt. Und daher kommen auch die Splitter. „Ich male meine Bilder auf das Holz und schnitze sie dann heraus“, erklärt der Künstler die Grundlage für seine Frottage. „Das ist eine alte chinesische Technik, um Kalligraphien zu kopieren.“

Die Malerei des Heiligenhausers ist sehr vom asiatischen Stil geprägt. Und er liefert auch gleich die Erklärung, warum das so ist: „Ich habe lange Zeit in Taiwan gelebt.“ Armin Schmidt ist Asienwissenschaftlicher und hauptberuflich als Außenhandelsreferent tätig.

In Taiwan hat er auch seine spätere Frau kennen gelernt, mit der er sich zu Hause in chinesischer Sprache unterhält. „Als ich nach Taiwan ging, dachte ich, ich könnte chinesisch. Aber dann hat mich die Lehrerin überhaupt nicht verstanden“, erinnert sich der 49-Jährige und muss im nachhinein noch lachen.

Ein Mitbringsel aus dieser Zeit ist nicht nur die Liebe zur asiatischen Malerei, sondern auch Bambuspapier. Darauf malt Schmidt, der eine Kunstakademie besucht hat, Aktbilder. „Wenn man das Papier gegen das Licht hält und auf die andere Seite dreht, dann erscheinen die Bilder plötzlich so vielschichtig.“ Die Akte darf man sich nicht so detailliert vorstellen wie die opulenten Rubens-Damen. „Ich mache das ganz intuitiv und überlege nicht lange, sondern male direkt aus der Flasche oder mit schnellen Pinselstrichen.“

Armin Schmidt wolle mit seiner Kunst nicht schön von hässlich abgrenzen oder dem Betrachter etwas vorgaukeln, vielmehr wolle er einfach nur einen bestimmten Augenblick festhalten, gibt er Auskunft. „Ich male komprimierte Bilder, die meistens nur ein, zwei Minuten dauern. Ich möchte mich später nicht daran erinnern können, wie ich sie gemalt habe. Dann hätte ich den perfekten Moment gemalt“, erklärt der Heiligenhauser das Prinzip des „Satori“ – das „Erlebnis der Erleuchtung“. Zeitempfindung sei so was von menschlich, dabei gäbe es die wirkliche Zeit ja gar nicht zu fassen.

Den Augenblick festhalten

Das „Memento Mori“ spiele in den Bildern von Armin Schmidt eine große Rolle, bekennt er im Gespräch mit der WAZ und nennt ein Beispiel: „Ich habe auf dem Stadtfest die Menschen, die an mir vorbei liefen, mit Schlamm auf den Boden gemalt. Ja und nach dem Regen waren sie dann weggewaschen.“

Ein anderes Projekt waren schnelle Zeichnungen mit Wasser auf einem Granitblock. „Die Leute hatten gerade mal Zeit, dass Bild zu fotografieren, bevor es getrocknet ist. Das war sehr spannend“, findet der Heiligenhauser, der seit der Kommunalwahl 2009 auch politisch engagiert ist. Unter anderem ist er für die SPD im Kultur- und Partnerschaftskomitee aktiv.

 
 

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