„Wir machen Reste-Essen“

Etwa 120 Zuhörer und 40 Institutionen kamen zum 5. Jugendhilfetag in die Gesamtschule.Foto: Uwe Möller
Etwa 120 Zuhörer und 40 Institutionen kamen zum 5. Jugendhilfetag in die Gesamtschule.Foto: Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool

Teilweise sind die Aussagen der Referenten auf dem Jugendhilfetag richtig erschütternd. „Wir machen Reste-Essen“ bedeutet: Kinder gehen in ein Fast-Food-Restaurant, holen sich ein mit Resten bestücktes Tablett aus dem Abstellwagen und stillen damit ihren Hunger.

Auf der anderen Seite zeigt dieser Tag auch Potenzial. Zum einen das der Kinder und zum anderen das der Hilfsorganisationen. Der Stadt Heiligenhaus, und darauf ist Jugend- und Sozialdezernent Michael Beck stolz, ist die Einrichtung des „Netzwerks Heiligenhaus e.V. für Kinder, Jugendliche und Familien“ gelungen.

Dieses Netzwerk verknüpft verschiedene Träger sozialer Einrichtungen wie Caritas oder Diakonie und wird von Thomas Langmesser, Stadtteilbüro Oberilp, geleitet. „Die wichtigsten Ziele des Vereins sind, dazu beizutragen, allen Kindern ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen und sozial bedingt schlechtere Bildungschancen im Rahmen des Machbaren auszugleichen.“ Eine beeindruckende Aussage des Vereins: „Wer glaubt Bildung ist teuer, weiß nicht, was Dummheit kosten kann.“

Die Referenten haben kurzweilige Vorträge gehalten. Michaela Hofmann, stellvertretende Sprecherin der nationalen Armutskonferenz, sagt klar: „Armut ist eine heterogene Gruppe“; 14,4 Prozent der Deutschen sind arm. Michael Beck definiert: „Menschen werden als arm bezeichnet, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens zur Verfügung haben.“

Von Armut können viele Geschichten erzählt werden. Das weiß auch Thomas Reißberg, Referent für Kinder, Jugend und Familie der SPD im Landtag. Er schaut – trotz kräftiger Ironie – nach vorne und betont die Wichtigkeit der frühkindlichen Bildung. „Zwischen dem ersten und sechsten Lebensjahr wird die elementare Grundlage für das künftige Leben gelegt – ab 15 passiert nichts mehr.“

Arm bedeutet „chronischer Stress“ und kann schnell in die Depression und andere psychische Erkrankungen führen. Er sieht die Aufgabe, eine verlässliche Betreuungskette für Kinder aufzubauen, damit die Widerstandsfähigkeit steigt.

Zurück zum Reste-Essen: Darüber las Doro May aus ihrem Buch „Unkaputtbar“ vor. Es ist die Geschichte einer Zwölfjährigen, die plötzlich arm wird. Die Autorin lässt das Mädchen über ihre Gefühle im Alltag erzählen. Doro May ist Lehrerin und hat Schülerberichte und Erlebnisse in dieses Buch einfließen lassen.

Der 5. Jugendhilfetag stand im Zeichen der Sensibilisierung. Fazit: Gelungen!

 
 

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